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„EU-Gipfel“ mit Auszubildenden des Rhein-Kreises Neuss – Einigung auf eine Richtlinie zur Reduzierung der Plastikabfälle

Europa |

Auf Einladung von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke fand am 06. August 2020 ein EU-„Azubigipfel“ in den Räumen des Neuen Kreishauses Grevenbroich statt, dass das kreiseigene Europe Direct Informationszentrum Mittlerer Niederrhein gemeinsam mit CIVIC GmbH – Institut für internationale Bildung, Düsseldorf, organisiert hatte. 15 Auszubildende des gehobenen Dienstes des Rhein-Kreises Neuss waren eingeladen, sich zum Thema Umweltschutz und Plastikvermeidung Gedanken zu machen und Ideen zu entwickeln, wie daraus eine gesetzliche Vorgabe in der EU entstehen könnte.

Zu Beginn begrüßte Landrat Petrauschke die kreiseigenen Auszubildenden und freute sich, dass die heutige Veranstaltung wieder als Präsenzveranstaltung stattfinden könne; die in der COVID-19-Pandemie entwickelten virtuellen Formate seien zwar hilfreich, doch müssten Menschen in der Regel mit einander persönlich sprechen können, um sich zu verstehen. Das „Sich-Nicht-Verstehen-Können“ sei in der EU ein immer wieder auftauchendes Problem, das man nur gemeinsam mit gutem Willen lösen könne. So müsse der Entstehungsprozess von Regelungen erklärt und die Inhalte verständlich transportiert werden. Der an die EU verliehene Nobelpreis zeige aber, welches Erfolgsmodell die EU sei, die es immer wieder geschafft habe, bei vielen schwierigen Diskussionen eine Verständigung zu erzielen. In diesem Zusammenhang appellierte Landrat Petrauschke an die jungen Leute, Europa auch immer wieder von seiner positiven Seite zu sehen. Das Thema des Planspiels „Phantastic Plastic“ sei im Zuge der Coronakrise eine zusätzliche Herausforderung gewesen und daher das Thema Umweltschutz dringender denn je. Es sei wichtig, sagte Petrauschke abschließend, hier immer wieder neue Akzente zu setzen und wünschte den Auszubildenden einen interessanten Tag und gutes Gelingen.

 

Anschließend begrüßte Herr Schwedt mit seinen Kolleginnen Isabel Hohmann und Fatime Jakupi die Auszubildenden und stellte das CIVIC-Institut vor, das sich auf Planspiele spezialisiert habe. Es gehe vor allem darum, für die Teilnehmer/innen die EU-Politik lebendig und verständlich werden zu lassen. Das Planspiel sei dafür besonders geeignet, da es eine offene und partizipative Methode sei und für die Teilnehmer/innen die Möglichkeit bestehe, jeweils die Rollen von Vertreter/innen der EU-Organe zu übernehmen und Entscheidungen herauszuarbeiten.

Zur Einführung in die Thematik gab Herr Schwedt mit einem Multiple-Choice-Quiz Informationen zum Thema Plastik, vom Ursprung (aus dem griechischen für „formen“) über Zusammensetzung (Erdöl), den Zerfallsprozess (450 Jahre), das Volumen der Plastikabfälle (6 mal kann zur Zeit mit den vorhandenen Plastikabfällen die Erde eingepackt werden) und dem Plastikverbrauch in den EU-Mitgliedsländern (13 kg pro Kopf in Kroatien als geringster Wert, 58 kg in Irland als höchster Wert)  und in der EU (jährlich 16 Mio. Tonnen) aber auch über die Vorteile (z.B. in der Medizin für Infusionen, weil Plastik hygienischer, leichter im Gewicht und preisgünstiger ist.

Es gehe bei dem heutigen Planspiel um die Frage, wie die notwendige Reduzierung von Plastikprodukten und –abfällen erreicht werden könne und wie die Ergebnisse in eine Gesetzesvorlage eingebracht werden könnten; hierbei müssten auch die Mikroplastikteilchen (z.B. in Hautcremes und Zahnpasta) mit einbezogen werden. In Deutschland seien bereits umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung von Plastikabfällen getroffen worden, so gebe es das Pfandsystem und die kostenpflichtigen Plastiktüten, auf EU-Ebene seien ab 2021 10 Plastikprodukte, die am häufigsten am Strand gefunden werden, verboten.

Im Folgenden erläuterten Herr Schwedt und seine Kolleginnen das Rollenspiel und gaben die Aufgabe an die Jugendlichen, drei Gruppen zu bilden, die jeweils die EU-Organe Europäische Kommission, Europäisches Parlament und Ministerrat repräsentieren. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer sollte sich dann einen Namen ausdenken (als Vertreter/in eines EU-Landes in einem der drei EU-Organe), sein Interesse festlegen, Verbündete suchen, informelle Kontakte knüpfen, Kompromisse aushandeln, die realistisch sind, die Zeitlimits beachten und europäisch (nicht national) denken. Den Start gab die „Präsidentin der Europäischen Kommission“ mit einer engagierten Rede zum Problem der existierenden Plastikberge und der Notwendigkeit, aus Gründen des Umwelt- und Gesundheitsschutzes eine dauerhafte Reduzierung der Plastikabfälle zu erreichen. Die EU müsse hier eine Vorreiterrolle in der Welt übernehmen und dabei gleichzeitig die Verantwortung für die Unternehmen in diesem Produktionsbereich und deren Arbeitnehmer/innen übernehmen, denn es gehe auch um Wirtschaftswachstum und den Erhalt bzw. Ersatz von Arbeitsplätzen. Daher müsse zielgerichtet und mit dem Willen zu einer Einigung diskutiert werden.

Nach drei Einzelrunden der „EU-Organe“ kam es dann am Nachmittag zu einem gemeinsamen Treffen, in dem es gelang, in der 2. Lesung eine Einigung auf eine EU-Richtlinie zu finden, die z.B. die Erstellung und jährliche Aktualisierung einer Liste von verbotenen Plastikartikeln, das Verbot von nicht-recycelbaren Verpackungskunststoff ab 2021 und verstärkte Anstrengungen zur Reduzierung von Plastikmüll in Gewässern vorsah.

Die abschließende Bewertungsrunde ergab, dass die Erwartungen der Auszubildenden erfüllt wurden und sie von dem neuen Format profitierten; sie hätten neues Wissen über die Plastikproblematik erhalten, es habe Spaß gemacht, in eine EU-Rolle zu schlüpfen und dies habe sich relativ realistisch angefühlt.