DIE WELT DES SPORTS
Das Feuer ist wieder entfacht
VON DAVID BEINEKE - Lange Zeit war es still um Esther Scholten, einst eines der größten Talente im deutschen Taekwondo-Sport. Zweieinhalb Jahre hat sich die Dormagenerin eine Auszeit genommen, doch jetzt ist sie zurück. Bei den Landesmeisterschaften holte sie sich auf Anhieb einen Titel.
Ziemlich genau zweieinhalb Jahre ist es jetzt her, dass Esther Scholten bei den Deutschen Meisterschaften in Ingolstadt ihren letzten größeren Auftritt hatte. Doch auch die Silbermedaille, die sie damals noch holte, konnte sie nicht von ihrer Entscheidung abbringen. Obwohl die Dormagenerin wegen ihres außergewöhnlichen Talents einst als die große Hoffnung im deutschen Taekwondo-Sport galt und ihr eine glänzende Zukunft prophezeit wurde, zog sie sich damals mit 23 Jahren aus dem Wettkampfsport zurück. Der Akku war einfach leer. Mittlerweile ist er wieder aufgeladen: Am Wochenende meldete sich die Athletin des AC Ückerath mit dem Landesmeistertitel in der Gewichtsklasse bis 62 kg zurück.
"Ich habe wieder richtig Lust auf Taekwondo", sagt die inzwischen 25-Jährige. Dass die Lust zwischenzeitlich komplett abhanden gekommen war, hatte gleich mehrere Gründe. Zum einen schleppte die sie durch die hohen Belastungen des Kampfsports Verletzungen an Hüfte und Fuß mit sich herum, die ihr permanent Schmerzen bereiteten. Zum anderen zermürbten sie andauernde Auseinandersetzungen mit dem damaligen Bundestrainer, mit dem sie überhaupt nicht auf einen Nenner kam. Die Folge war, dass der Spaß und damit auch die Motivation für die fast tägliche Trainingsarbeit und die Wettkämpfe verloren gingen. Mitte 2006 beging Scholten den Fehler, sich noch mal zum Start bei einer Europameisterschaft überreden zu lassen, weil ihre Gewichtsklasse ansonsten nicht besetzt gewesen wäre. Weil sie aber schon damals nicht mehr voll im Training war, musste sie früh die Segel streichen und einen weiteren Dämpfer einstecken. "Ich habe zu dieser Zeit alles nur noch als Routine empfunden, aus der ich ausbrechen wollte. Ich war nicht mehr heiß auf Taekwondo", erinnert sich Scholten.
Daraus zog sie die schon bekannten Konsequenzen und nutzte die Zeit, um ihre Berufsausbildung voranzutreiben. 2007 machte sie ihr Examen als Physiotherapeutin, im Jahr danach legte sie auch noch den Bachelor ab. Wobei der Job auch seinen Teil dazu beigetragen hat, dass sie seit zwei Monaten wieder regelmäßig auf der Taekwondo-Matte steht. Denn als Angestellte der Neusser medicoreha bekam sie unter anderem die Aufgabe, sich um die kleineren und größeren Wehwehchen der Hockey-Spieler des HTC SW Neuss zu kümmern. "An den Wochenenden mit Sportlern unterwegs zu sein, in Hotels zu übernachten, hat mich schon ein wenig wehmütig gemacht. Außerdem habe ich festgestellt, dass ich ein schlechtes Gewissen bekomme, wenn ich nur passiv daneben sitze", erklärt Scholten. Vor zwei Monaten absolvierte sie dann einen kleineren Wettkampf in Lüdenscheid und spätestens danach war das Feuer in ihr wieder entfacht. Sie entschloss sich, wieder voll einzusteigen, im kommenden Jahr auch bei allen nationalen und internationalen Turnieren anzutreten. "Und das aus eigenem Antrieb. Das ist eine ganz andere Herangehensweise für mich", sagt Scholten, die sich mit Blick auf die Zukunft aber nicht unter Druck setzen will: "Ich lasse alles auf mich zukommen, es soll einfach Spaß machen."




