DIE WELT DES SPORTS
Mit geballter Faust
Ade Gerolsteiner: Siege bejubelt der Vorster Radprofi Markus Fothen in den beiden kommenden Jahren im Trikot des Milram-Rennstalls. Foto: H. A. Roth
Am Dienstag feiert Markus Fothen Geburtstag, seinen 27. Am Montag Mittag nahm sich der noch beim Team Gerolsteiner unter Vertrag stehende Profi die Zeit, um mit der Neuß-Grevenbroicher Zeitung über die Zukunft des Radsports im Allgemeinen und seinen Wechsel zum Team Milram im Speziellen zu sprechen.
Herr Fothen, wie geht’s Ihnen zwei Tage nach Ende der Deutschland-Tour?
Markus Fothen Sehr gut. Ich hole gerade meine Kleine mit dem Fahrrad vom Kindergarten ab.
Das heißt, Sie haben endlich Urlaub.
Fothen Nein, aber ich lasse es jetzt nach den anstrengenden Monaten mal ein bisschen ruhiger angehen. Am Sonntag starte ich beim Nürnberger Altstadtrennen, will aber am Abend im Vorster Schützenfestzelt sein, um das ein oder andere Bierchen zu trinken. Ich freue mich auf meine Freunde, die auf mich so lange verzichten mussten.
Und dann? Vom 23. bis 28. September steht im italienischen Varese die WM auf dem Programm. Wie beurteilen Ihre Chancen, dabei zu sein?
Fothen Die Aussichten sind gut, ich gehöre einem sehr kleinen Kreis von Fahrern an, die sich berechtigte Hoffnungen machen können.
Eine gute Nachricht gab’s für Sie ja schon …
Fothen … genau, ich habe beim Team Milram für zwei Jahre unterzeichnet. Es geht also weiter. Jetzt bin ich schon ein großes Stück erleichtert.
Obwohl Sie immer gesagt haben, dass Sie mit Ihrer Ausbildung zum Landwirt nicht den ganz großen Druck verspüren?
Fothen Das ist schon richtig, aber ich fahre gerne Rad. Und man wird ja auch gut bezahlt. Dafür muss ich als Landwirt bei meinem Vater im Betrieb eine ganze Menge Schweine verkaufen.
Bei Milram treffen Sie auch auf viele alte Bekannte Ihres aktuellen Teams.
Fothen Ja, Gerolsteiner-Sportdirektor Christian Henn hat auch da viel zu sagen, mein Bruder kommt mit, Fabian Wegmann, Johannes Fröhlinger, auch Robert Förster und Ronny Scholz sind im Gespräch. Das sind alles Leute, mit denen man arbeiten kann.
Welchen Anteil hatte Christian Henn an Ihrer Verpflichtung?
Fothen Sagen wir mal so: Wir haben uns alle gegenseitig hochgelobt, wir wollten im großen Paket weggehen.
Gut möglich, dass vom Team Columbia mit Linus Gerdemann, dem Gewinner der Deutschland-Tour, und Gerald Ciolek noch zwei weitere Top-Leute an Bord gehen. Wie stehen Sie dazu?
Fothen Es heißt immer, Linus und ich würden uns nicht verstehen. Das ist Quatsch! Ich habe mit ihm bei der Deutschland-Tour darüber gesprochen. Linus und Gerald sind halt die Kopf-Leute der ganzen Geschichte in Deutschland, und ich hätte kein Problem damit, mich unterzuordnen oder für die beiden zu fahren.
Soweit zu Ihrer Zukunft. Wie steht’s um den Radsport allgemein?
Fothen Zurzeit habe ich echt Angst um den Radsport. Ich bin froh, dass ich schon Profi bin, denn weil es wegen den nicht enden wollenden Diskussionen ums Doping in Deutschland immer weniger Rennen gibt, wird es für junge Fahrer immer schwerer, nach oben zu kommen.
An dieser Entwicklung tragen die Fahrer aber einen großen Teil der Schuld.
Fothen Natürlich weiß ich um den Ursprung des Problems. Aber ich finde, der Radsport in Deutschland wird von den Medien nur noch kaputt geschrieben. Als die Deutschland-Tour in Mainz war, da hast du dich morgens gar nicht getraut, die Zeitung aufzuschlagen. Und das Fernsehen ist fast noch schlimmer. Darum war es auch so schön, nach Neuss zu kommen. Die Berichterstattung zur Tour de Neuss und zur Deutschland-Tour war fair - das haben auch die anderen Fahrer gesagt.
Ist das Problem nur auf Deutschland beschränkt?
Fothen Irgendwie schon. International sieht es sogar ganz gut aus. In Frankreich zum Beispiel ist der Radsport hochangesehen - und die haben da noch nicht mal einen Star.
Also ab ins Ausland?
Fothen Ein französisches Team war an mir interessiert, aber ich bin nun mal Deutscher und darum fahre ich auch lieber für ein deutsches Team.
Dirk Sitterle führte das Gespräch.




