Gruppenfoto der Preisverleihung
© Baum

Inhalt

Preisträger 2009

1. Preis Kategorie "Print"

PortraitfotoIn ihrer Reportage "Für das Glück eines anderen", erschienen in "Die Zeit", setzt sich die 38-jährige Preisträgerin Heike Faller mit einer neuen Form ehrenamtlicher Arbeit auseinander, die erst in den letzten Jahren entstanden ist: Menschen, die sich engagieren wollen, aber die ihre Kraft nicht in große Erlösungslehren oder in kleine Vereine stecken, sondern in "Partnerschaften" für einen einzigen Menschen, die oft am Rande der Gesellschaft stehen. Was zunächst in Einzelfällen facettenreich, lesernah und emotional dargestellt wird, hebt die Autorin mit sachlichen Hintergrundinformationen versehen auf die Ebene einer Gesellschaftsanalyse. Mit ihrem Beitrag stößt Faller eine wichtige Diskussion über die große Veränderung zwischen Bürger und Staat an. Die Jury fand die Auswahl und journalistische Umsetzung des Themas hervorragend gelungen.

1. Preis Kategorie "TV/Hörfunk"

In der Kategorie "TV/Hörfunk" teilen sich Rita Stingl (ZDF) und Regine Beyer (SWR 2) den mit 5.000 Euro dotierten ersten Preis.

Mit drei ungewöhnlichen Beispielen gelingt es Rita Stingl die unglaubliche Bandbreite des Ehrenamtes in Deutschland in ihrem TV-Beitrag für das ZDF-Magazin Frontal 21 zu schildern. Auf den Punkt, schnörkellos, ohne Stimme aus dem "Off", ist die Reportage ganz nahe bei den Menschen, befand die Jury. Die ehrenamtlichen Initiativen montiert die Autorin geschickt zu einem Spiegelbild der Menschen in Deutschland, die das Credo der Hilfe verinnerlicht haben: Engagement ist freiwillig und umsonst, aber niemals ohne Gewinn.

PortraitfotoAls großes "Kino im Kopf" bezeichnet die Jury die 24-minütige Radioproduktion von Regine Beyer aus Bremen. In ihrem im SWR 2 ausgestrahlten Feature unter dem Titel "Als die Nachbarin im Treppenhaus saß…" ist es der Autorin meisterhaft gelungen, die Geschichte einer verwirrten, alten Frau und der helfenden Nachbarin einfühlsam, unprätentiös und mit einer leisen Zuneigung zur Protagonistin zu erzählen. Die journalistische Qualität und das Einfühlungsvermögen der Autorin hat die Jury tief beeindruckt.

1. Preis Kategorie "Lokales"

PortraitfotoJennifer Wilton erhält den ersten Preis in der Kategorie "Lokales" für ihre Reportage "Gegen die Kälte", erschienen in der Berliner Morgenpost. Die Autorin begeleitet zwei junge Frauen, die gerade ihr Studium beendet haben und mit dem "Kältebus" der Stadtmission nachts durch die Straßen von Berlin fahren. Ihr Ziel sind die Wohnungslosen, um mit ihnen zu reden, um heißen Tee zu verteilen, Schlafsäcke auszugeben; manchmal um sie zu retten. Wilton ging es offensichtlich nicht darum, die aufrüttelnde Wirklichkeit sprachlich-ästhetisch zu verpacken. Sie vermeidet die präsentable Mediensprache und bevorzugt kurze Dialoge, die wie im Film ablaufen. Eine authentische Reportage, die eindrucksvoll an menschliche Grenzsituationen heranführt und zugleich Brücken zum Weiterleben baut, heißt es in der Jurybegründung.

1. Preis Kategorie "Nachwuchs"

drei Männer und zwei Frauen mit BlumenFür ihre Themen-Sonderbeilage "100 engagierte Jugendliche erzählen" erhält die Redaktion der Jugendzeitschrift "SPIESSER" den Nachwuchsförderpreis. Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren schildern authentisch in der ungeschönten Sprache junger Menschen, wie und mit welchem Elan sie bereit und fähig sind, für ihre Mitmenschen einzutreten. Der Redaktion ist es mit ihrem Projekt eindrucksvoll gelungen, das weitverbreitete Klischee von der Null-Bock-Generation zu widerlegen. Die Jury war von Idee und Konzept sowie der zielgruppenorientierten breiten Wirkung überzeugt.

Sonderpreis der Jury

PortraitfotoMit einem Sonderpreis der Jury wird die Journalistin Brigitte Geiselhart für ihre 45-teilige Ehrenamtserie im Südkurier/Friedrichshafener Ausgabe ausgezeichnet. Geiselhart bewies durch lebendige Portraits, dass Ehrenamt in seinen vielfältigen Ausprägungen "Spaß" macht, dass Helfen "ansteckend" sein kann und den Helfenden gleich viel bedeutet, wie demjenigen, dem geholfen wird. Viele Leser des Südkuriers wurden durch die auf zunächst höchstens zwölf Artikel angelegte Ehrenamtsserie motiviert, sich selbst zu engagieren. Damit gelang der Autorin nach Auffassung der Jury eine ungeahnte Breitenwirkung und Nachhaltigkeit für das Thema Ehrenamt.