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Mittelstandsbarometer Rhein-Kreis Neuss 2016

Wirtschaft |

Rhein-Kreis Neuss, Sparkasse Neuss und Creditreform Neuss legen zum neunten Mal eine repräsentative Umfrage zur konjunkturellen Lage des Mittelstands im Rhein-Kreis Neuss vor. Hierzu wurden von Anfang Juli bis Mitte August 2016 insgesamt 500 Unternehmen in den acht Kommunen des Kreises telefonisch befragt.

Geschäfts- und Konjunkturklima: Neues Allzeithoch, weiter im Konjunkturboom und in Bestform

Das Geschäfts- und Konjunkturklima der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss zeigt sich im Frühsommer 2016 zum dritten Mal in Folge in Bestform. Das regionale Geschäftsklima erreicht mit 132 Punkten eines neues Allzeithoch – Tendenz zunehmend (+ 4 Punkte). Der aktuelle Klima-Index liegt zudem weiter über dem Bundeswert. Geschäftslage und Geschäftserwartungen der Unternehmen werden durchgehend positiver als vor Jahresfrist beurteilt. Wie im Vorjahr sind die Erwartungen für die mittlere Zukunft positiver als die aktuellen Lageurteile. Zudem: Die „Investitionslust“ als weiterer wichtiger Konjunkturklima- Indikator hat wieder merklich zugelegt, bleibt aber zum zweiten Mal in Folge unter Bundesniveau. Zusammen mit stabil-positiven Investitionspräferenzen ist dies Ausdruck des vorhandenen konjunkturellen Optimismus in der regionalen Wirtschaft. Eine spürbare und nachhaltige konjunkturelle Eintrübung ist derzeit (noch) nicht in Sicht.

Und auch das „Personalklima“ der Unternehmen zeigt sich zum zweiten Mal in Folge (leicht) verbessert und spiegelt die aktuell positive Entwicklung am regionalen Beschäftigungsmarkt wider. „Die positive Konjunkturlage der Vorjahre hat sich nochmals verbessert. Derzeit bewerten rund 60 Prozent der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss ihre aktuelle und künftige Auftragslage mit einer sehr guten oder guten Schulnote“, so Edgar Roumen, Geschäftsleitung Creditreform Düsseldorf Neuss. „Die Höchststände der regionalen Konjunkturklimamessung aus 2014 und 2015 wurden in diesem Sommer nochmals merklich übertroffen, aber wir müssen achtsam sein: Die Trenddynamik schwächelt. So hat sich das gemessene regionale Geschäftsklima im zeitlichen Verlauf der Umfrage leicht verschlechtert.“

Das Konjunkturwetter zeigt sich auch im Sommer 2016 in allen Kommunen des Rhein-Kreis Neuss sehr freundlich. Auch wenn wie im Vorjahr vier Kommunen Rückgänge des Geschäftsklimas hinnehmen müssen, verbleiben alle deutlich im positiven Bereich. Das Konjunkturklima ist in diesem Jahr in Meerbusch, Kaarst und Korschenbroich am positivsten. Meerbusch und Jüchen gewinnen überdurchschnittlich. Nur Rommerskirchen verbleibt in diesem Sommer unter 120 Punkten – damit aber immer noch im Konjunkturboom.

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zeigt sich positiv überrascht: „Die Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss befindet sich seit nunmehr drei Jahren in blendender Verfassung und steht weiterhin deutlich besser da als im Bund. Und: Allen Unkenrufen zum Trotz ist ein befürchteter Konjunktureinbruch durch „Brexit“ oder andere konjunkturelle Störfaktoren wie krisenbedingte Exportrückgänge oder die finanziellen Belastungen durch die Flüchtlingskrise bislang nicht eingetroffen. Ich freue mich darüber und werde daran arbeiten, dass das so bleibt.“

Investitionsbereitschaft legt deutlich zu – Investitionsklima und Kreditvergabebereitschaft werden leicht negativer bewertet

Allerdings zeigt die aktuelle Analyse wie im Vorjahr einen leicht uneinheitlichen Trend für die sekundären Konjunkturindikatoren im Rhein- Kreis Neuss. So hat einerseits die „Investitionslust“ als weiterer wichtiger Konjunkturklima-Indikator im Frühsommer 2016 wieder deutlich zugenommen, hingegen verlieren die Bewertungen für das regionale Investitionsklima und die Kreditvergabebereitschaft. Im Gesamtblick auf die Investitionspräferenzen zeigt sich allerdings, dass der konjunkturelle Optimismus in der regionalen Wirtschaft ungebrochen ist. So setzen die Unternehmen mehrheitlich auf Kapazitätserweiterungen (36 Prozent; ± 0 Punkte) und weiter abnehmend auf Ersatzinvestitionen (35 Prozent; - 5 Punkte).

Aber es zeigt sich auch: Wo Licht ist, ist auch Schatten. So haben sich die Bewertungen zum allgemeinen Investitionsklima im Rhein-Kreis Neuss wieder leicht eingetrübt (Ø-Schulnote 2016: 3,03 | 2015: 2,88). Und auch die Bewertungen der regionalen Unternehmen zur Kreditvergabepraxis der Kreditwirtschaft haben sich im Sommer leicht verschlechtert – die Bestwerte des Vorjahres werden nicht mehr erreicht. Michael Schmuck, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neuss, resümiert: „Die Sparkasse Neuss zählt mit einem Kreditvolumen von über fünf Milliarden Euro zu den kreditintensivsten Häusern im Rheinland. Die Konjunktur im Rhein-Kreis Neuss brummt wie nie. Offensichtlich zahlt sich auch unsere Arbeit aus. Kreditmangel ist für einige Unternehmen offensichtlich eher ein ‚gefühltes‘, denn ein faktisches Problem. . Und wir werden alles tun, dass es für Sparkassenkunden auch in Zukunft keine Kreditklemme gibt.“

Rhein-Kreis Neuss: Weiterhin hoch geschätzter Standort – Weiterempfehlung und Bewertung der Beratungs- und Dienstleistungsangebote der Wirtschaftsförderung: stabil – Kenntnisquote: abnehmend

Der Rhein-Kreis Neuss bleibt auch 2016 ein weithin hoch geschätzter Unternehmensstandort. Die „Likeability“ des Rhein-Kreis Neuss bleibt stabil und auf hohem Niveau. Weiterhin würde eine überwältigende Mehrheit der regionalen Unternehmen den Rhein-Kreis Neuss anderen Unternehmen als „Unternehmensstandort empfehlen“. Die ehedem sehr hohe Weiterempfehlungsquote verharrt bei rund 90 Prozent (- 1 Punkt). Die Bekanntheit der Beratungs- und Dienstleistungsangebote der Wirtschaftsförderungen im Rhein-Kreis Neuss hat sich in den letzten 12 Monaten wieder merklich verringert (42 Prozent; - 9 Punkte) – offensichtlich auch wegen des anhaltenden Konjunkturbooms. Die Bewertungen der Beratungs- und Dienstleistungsangebote der Wirtschaftsförderungen im Rhein-Kreis Neuss haben sich in den letzten 12 Monaten nur minimal verschlechtert und verbleiben im guten Benotungsbereich. Knapp sechs von zehn regionalen Unternehmen vergeben derzeit sehr gute und gute Schulnoten (mittlere Schulnote: 2,53 | + 0,01 Punkte). Als Faustregel gilt: Je besser Geschäfts- und Konjunkturklima, desto schlechter ist die Bewertung der Beratungs- und Dienstleistungsangebote der Wirtschaftsförderungen – und umgekehrt.

Zudem zeigt sich die Insolvenzgefährdung der Unternehmen im Rhein- Kreis Neuss dank guter konjunktureller Lage stabil-positiv. Der „Creditreform-Risiko-Indikator“ der Creditreform Rating AG hat sich in den letzten 12 Monaten nochmals spürbar verbessert. Und auch für die nächsten Monate zeigt die Prognose ein weiter merklich abnehmendes Ausfallrisiko. Des Weiteren hat sich die „Zahlungsmoral“ der regionalen Unternehmen nach Angaben des Debitorenregister Deutschland (DRD) in den letzten 12 Monaten nochmals deutlich verbessert. Betrug die durchschnittliche Dauer einer Zahlungserfüllung im Rhein-Kreis Neuss im Jahr 2005 noch rund 25,9 Tage, verringerte sich die Zahl der Überfälligkeitstage für die regionalen Unternehmen bis Ende Juni 2016 auf rund 14,1 Tage (Gesamtjahr 2015: 15,6 Tage).

Sonderthema: „Industrie 4.0“ im Rhein-Kreis Neuss

Die Begrifflichkeiten „Industrie 4.0“, „Machine-to-Machine-Kommunikation“ (M2M) oder „Internet of things“ (iot) sind etwa der Hälfte der regionalen Unternehmen bekannt (46 Prozent). Dies gilt insbesondere für Unternehmen der sonstigen Branchen und für Dienstleister. Alles in allem sind derzeit nach überschlägigen Hochrechnungen rund 4.100 regionale Unternehmen in Sachen Industrie 4.0 aktiv bzw. planen dies. Auffällig: Entsprechende Maßnahmen werden derzeit überdurchschnittlich von Dienstleistern und von Unternehmen mit guter Geschäftslage und bestehender Investitionsneigung umgesetzt. Zudem zeigt sich, dass Industrie 4.0-aktive Unternehmen ein merklich besseres Geschäftsklima aufweisen (137 Punkte) als der Durchschnitt (132 Punkte).

Diejenigen regionalen Unternehmen, die über Erfahrungen oder konkrete Maßnahmen mit Industrie 4.0 verfügen, nennen als Gründe bzw. Anwendungsgebiete am häufigsten die „Automatisierung und Optimierung von Prozessen“ (76 Prozent). Und die mit Abstand meisten regionalen Unternehmen, die weder über Erfahrungen, konkrete Maßnahmen noch Planungen zum Thema Industrie 4.0 verfügen, konnten „bislang kein relevantes Anwendungsfeld identifizieren“ (85 Prozent). Auf den Rängen zwei und drei folgen mit deutlichem Abstand „Zeit- und Know-how-Probleme“ (43 Prozent) sowie „mangelnde Budgets“ resp. Kostennutzenerwartungen (38 Prozent). Eine deutliche Mehrheit der regionalen Unternehmen geht davon aus, dass sich der deutsche Mittelstand mit dem Themenfeld Industrie 4.0 „in Zukunft stärker auseinander setzen“ wird (93 Prozent). Etwa jedes zwölfte Unternehmen ist eher „Industrie 4.0“-skeptisch.

Einordnung und Perspektiven: Die regionale Konjunktur weiter im Boom – beste Potenziale, aber Trenddynamik schwächelt

Die Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss befindet sich seit nunmehr drei Jahren und trotz kurzen konjunkturellen Eintrübungsphasen in blendender Verfassung. Die optimistische Prognose des Vorjahres („Risiken, aber Trend ins Negative derzeit eher unwahrscheinlich“) hat sich erfüllt. Die Höchststände der regionalen Konjunkturklimamessung aus 2014 / 2015 wurden in diesem Sommer nochmals merklich übertroffen.
 
Der Klima-Index erreicht ein neues Allzeithoch und liegt zudem weiterhin merklich über dem Bundeswert. Allen Unkenrufen zum Trotz ist ein befürchteter Konjunkturrückgang durch „Brexit“ bislang nicht eingetroffen. Experten halten Warnungen vor einem „Unsicherheitsschock“ (DIW) durch den Brexit zudem für „überzogen“. Dennoch werden die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft derzeit wieder etwa negativer beurteilt. Die Tonlage von Konjunkturforschungsinstituten und Wirtschaftspresse wechselt gegenwärtig wieder von Dur in Moll. Allerdings zeigte sich während der Sommerumfrage auch, dass die Trenddynamik schwächelte. So hat sich das gemessene regionale Geschäftsklima im zeitlichen Verlauf der Umfrage leicht verschlechtert (Juli: 134 Punkte; August: 128 Punkte).

Die Geschäftsaussichten der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss bleiben für den weiteren Jahresverlauf, dennoch und nicht nur angesichts des strukturell guten Zustands der regionalen Wirtschaft, weiterhin äußerst positiv und erfolgversprechend. Hierfür sprechen nicht nur das (hohe) Niveau des aktuellen Geschäftsklimas, sondern auch zahlreiche Einzelindikatoren, die von den insgesamt sehr positiven Bewertungen des Wirtschaftsstandortes, der weiterhin guten Investitionsstimmung, über die Stärke des regionalen Arbeitsmarktes bis hin zu den objektiv guten Finanzierungsbedingungen für die hiesigen Unternehmen reichen. Dennoch bleiben weiterhin unkalkulierbare Risiken, die auch kurzfristig namhaften Einfluss auf die konjunkturelle Weiterentwicklung in Bund und Region haben können. So erzeugen Terrorangst und global-ökonomische Risiken (u.a. Syrien, Ukraine, China, Griechenland) weiterhin Unruhe und Unsicherheit bei Unternehmen und Verbrauchern.

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung von Rhein-Kreis Neuss, Sparkasse Neuss und Creditreform Düsseldorf/Neuss

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