Dr. Stephen Schröder an seinem Arbeitsplatz in Burg Friedestrom
Dr. Stephen Schröder an seinem Arbeitsplatz in Burg Friedestrom © Rhein-Kreis Neuss

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Geschichte hautnah erleben: Mehr als 250 Bürger kamen 2015 ins Kreisarchiv

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Manchmal geht es um Familiengeschichte, dann wieder um die Historie eines einzelnen Hauses oder eines kompletten Ortes. Insgesamt mehr als 250 Bürger kamen im vergangenen Jahr ins Archiv im Rhein-Kreis Neuss in Zons. Archivleiter Dr. Stephen Schröder freut sich über die Besucher: "Wir sind offen für alle", sagt er. "Jeder kann unser Archiv kostenlos nutzen, ganz gleich ob er wissenschaftlich forscht oder einfach nur aus persönlichem Interesse kommt."

Seit viereinhalb Jahren leitet der Historiker, der gebürtig aus Esslingen stammt und in Bonn studiert hat, das in Burg Friedestrom untergebrachte Archiv im Rhein-Kreis Neuss. Hierzu gehört neben dem Kreisarchiv auch das der Stadt Dormagen und der Gemeinde Rommerskirchen.

Stephen Schröder und seine sechs Mitarbeiter helfen nicht nur Geschichtsinteressierten aus dem Rhein-Kreis Neuss weiter - bei ihnen gehen bisweilen auch Anfragen aus den USA, Frankreich und Australien ein. Knapp 200 Auskünfte haben sie 2015 allein per E-Mail oder Post gegeben. Oft verschaffen Hobbyforscher und Historiker sich vor der Anfrage einen Überblick über die Bestände des Archivs über das Internetportal "Archive in NRW", mit dem das Archiv im Rhein-Kreis Neuss verknüpft ist.

Regelmäßig zu Gast im Zonser Archiv ist der Neusser Dr. Thomas Schwabach, der in Zons aufgewachsen ist und heute das Universitätsarchiv St. Gallen in der Schweiz leitet. "Immer wenn ich in meiner Heimat zu Gast bin, schaue ich auch im Archiv hier vorbei, das für mich eine echte Fundgrube ist", berichtet der Archivar. Er forscht dort meist zur Zonser Geschichte und greift dabei unter anderem auf Gemeinderatsprotokolle von 1820 oder auf Schulprotokolle aus den 30-er und 40-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zurück.

Auch einzelne Schüler und Studenten sowie ganze Schulklassen recherchieren für geschichtlich orientierte Facharbeiten oder sammeln Informationen für den Unterricht zum Beispiel zum Ersten oder Zweiten Weltkrieg. "Jugendliche erleben Geschichte hautnah, wenn sie sich hier Zeitdokumente und Fotos anschauen und zum Beispiel feststellen, dass jüdische Familien aus ihrer Stadt während des Nationalsozialismus deportiert wurden", so die Erfahrung des 42-jährigen Archivleiters.

Herausragende Jahrestage bestimmten zuletzt die Arbeit von Stephen Schröder und seinem Team - so wie das 200-jährige Bestehen der Kreise in diesem Jahr. 2015 gab es einen Rückblick auf 40 Jahre Kommunale Neugliederung und 2014 auf den Beginn des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren.

"Im nächsten Jahr werden wir voraussichtlich mit einem Teil unserer Unterlagen in den neuen Archiv-Erweiterungsbau umziehen", berichtet Schröder. Das neue Gebäude war notwendig geworden, weil die Lagerungsmöglichkeiten in Burg Friedestrom fast erschöpft sind. Denn das Archiv im Rhein-Kreis Neuss ist nicht nur Anlaufstelle für Bürger, es ist auch gesetzlich dazu verpflichtet, Quellen aus der Gegenwart für die Nachwelt zu erhalten und die Bestände dauerhaft zu erhalten.

Archivleiter Dr. Stephen Schröder schätzt an seinem Beruf die Vielseitigkeit: "Ich kann mir nicht Erfüllenderes vorstellen", sagt er voller Überzeugung. "Denn ich setze mich mit all dem auseinander, was für mich interessant ist - von Geschichte, Verwaltung über Recht bis hin zur Informationstechnik."

Das Archiv im Rhein-Kreis Neuss an der Schloßstraße 1 in Dormagen ist unter Tel. 02133 5302-10 und per E-Mail unter kreisarchiv@rhein-kreis-neuss.de zu erreichen. Öffnungszeiten: montags bis donnerstags 8:30 bis 12:30 und 13:30 bis 16 Uhr (donnerstags bis 18 Uhr) und freitags von 8:30 bis 12:30 Uhr.

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