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Konferenz für Gesundheit, Pflege und Alter: Experten informierten über die medizinische Betreuung von Flüchtlingen

V.l.: Dr. Hermann-Josef Verfürth, Dr. Bent Elger Berghoff, Karsten Mankowsky, Dr. Elonore Pierstorff-Schilden, Dr. Michael Dörr und Dirk Brügge

Flüchtlingshilfe |

Die medizinische Betreuung der Flüchtlinge im Rhein-Kreis Neuss stand im Mittelpunkt der fünften kommunalen Konferenz für Gesundheit, Pflege und Alter des Rhein-Kreises Neuss im Kreishaus Grevenbroich. Denn seit September 2015 werden Flüchtlinge, die im Rhein-Kreis Neuss ankommen, in der Notunterkunft des Kreises am Berufsbildungszentrum in Grevenbroich aufgenommen. Insgesamt leben zurzeit 6 728 Flüchtlinge im Kreisgebiet.

Kreisdirektor Dirk Brügge, Leiter des zuständigen Krisenstabs beim Kreis, berichtete über den aktuellen Sachstand zur Gesundheitskarte für Asylbewerber. Bei dieser Karte handelt es sich um Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Seiner Meinung nach seien hier noch viel Fragen offen, insbesondere das Verfahren und die Verwaltungskosten der AOK sollten nach den ersten Erfahrungen überprüft werden. Letztendlich überwögen im Rhein-Kreis Neuss - auch bei den Städten und Gemeinden - die Bedenken.

Dr. Michael Dörr, Leiter des Kreisgesundheitsamtes, der Allgemeinmediziner Dr. Hermann-Josef Verfürth sowie Dr. Eleonore Pierstorff-Schilden vom PaedNetz Rhein-Kreis Neuss schilderten ihre Erfahrungen aus der täglichen Praxis. Dörr lobte das Engagement und die Zusammenarbeit der Amtsärzte, niedergelassenen Ärzte, Klinikärzte sowie weiterer Arzthelferinnen und Verwaltungskräfte, die oftmals in den Abend- und Nachtstunden für die medizinischen Untersuchungen zur Verfügung stünden. Das sei nicht selbstverständlich, zumal die Ankunftszeit der Flüchtlinge durch die Bezirksregierung Arnsberg häufig schlecht kommuniziert werde.

Auch Dr. Verfürth und Dr. Pierstorff-Schilden berichteten über die medizinische Betreuung der Flüchtlinge. Sie kritisierten, dass sie keine Medikamente ausgeben oder impfen dürfen und dass so genannte Alt-Erkrankungen auch von Schwerkranken nicht behandelt werden dürfen. Kreisdirektor Dirk Brügge versprach, sich an NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens zu wenden und diese Problematik beim Krisenstabstreffen bei der Bezirksregierung anzusprechen. "Für uns ist absolut unverständlich, dass das Land die Kosten für die Grippeimpfung der Flüchtlinge nicht übernimmt", sagte Brügge. "Langfristig kann dies zu großen Problemen führen, wenn die Influenza sich in den Unterkünften ausbreitet."

Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky wies darauf hin, dass Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bereits vor einiger Zeit das Land aufgefordert hat, die mit dem Bund getroffenen Absprachen zur Bearbeitung von Asylverfahren und den Ausbau von Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes zu beschleunigen. Ein weiteres Thema war der hausärztliche Weiterbildungsverbund. Dr. Bent Elger Berghoff, Mitgründer dieser Initiative, stellte das Projekt vor. Etwa 20 Prozent der niedergelassenen Hausärzte sind über 60 Jahre alt. Berghoff: "Allein im Bezirk der Ärztekammer Nordrhein müssten bei etwa 6 000 hausärztlich tätigen Allgemeinmedizinern jährlich 200 neue Mediziner nachrücken, um diese Lücke zu schließen. Leider sind es nur etwa 100 Ärzte pro Jahr." Auch im Rhein-Kreis Neuss sei ein Rückgang von niedergelassenen Allgemeinmedizinern zu erwarten.

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