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Patenmodell und Blitzbewerbung: Spitzengespräch zum Arbeitsmarkt im Neusser Kreishaus

Arbeitsmarkt im Blick (von links): Landrat Hans-Jürgen Petrauschke, Peter Clever, Angela Schoofs und Landratsvertreter Jürgen Steinmetz im Kreishaus Neuss

Arbeit |

Mit Initiativen wie dem "Patenmodell im Rhein-Kreis Neuss" oder der "Blitzbewerbung24" können neue Wege aus der Arbeitslosigkeit geebnet werden. Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer einer Gesprächsrunde über den Arbeitsmarkt, zu der Landrat Hans-Jürgen Petrauschke ins Kreishaus Neuss eingeladen hatte. Der aus Dormagen stammende Peter Clever, Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg und stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, gab die Devise aus: "Kein Jugendlicher soll verlorengehen."

Landrat Petrauschke betonte, dass man gerade im Kampf gegen die Jugendarbeitslosigkeit mit dem von der Gemeinnützigen Beschäftigungsförderungsgesellschaft mbH Rhein-Kreis Neuss neu initiierten "Patenmodell" und dem "Neusser Weg" als Projekt im Trägerverbund gut aufgestellt sei. Bestätigung bekam er von Angela Schoofs, der Vorsitzenden der Geschäftsführung der Arbeitsagentur Mönchengladbach. Sie wies auf die aktuellen Zahlen in ihrem Zuständigkeitsbereich hin: Danach weist der Rhein-Kreis Neuss im Vergleich mit den benachbarten kreisfreien Städten und Kreisen die geringste Arbeitslosenquote auf.

Dennoch will sich Landrat Petrauschke nicht mit den bisherigen Erfolgen auf dem Arbeitsmarkt zufrieden geben und wünscht sich konkret von Arbeitsagentur und Jobcenter, dass mehr Mitarbeiter mit der eigentlichen Arbeitsvermittlung statt mit Verwaltungsaufgaben beschäftigt werden. Hintergrund sind neue Verwaltungsrichtlinien aus Nürnberg, die mehr Personal im Verwaltungsbereich binden. "Bürokratie darf nicht die eigentliche Aufgabe der Jobvermittlung behindern", fordert Petrauschke.

Peter Clever stellte die Leitlinien der Arbeitsagentur im Kampf um neue Jobs und das Problem des drohenden Fachkräftemangels dar. Man müsse zweigleisig vorgehen: Das Potenzial in Deutschland gezielter und besser qualifizieren, aber auch die Weichen für gezielte Zuwanderung nach Deutschland stellen. In der neuen Allianz für Berufsbildung habe er sich gemeinsam mit der stellvertretenden DGB-Vorsitzenden gegen den anfänglichen Widerstand von drei Bundesministerien für den deutlichen Ausbau ausbildungsbegleitender Hilfen für schwächere Jugendliche und die Einführung der assistierten Ausbildung eingesetzt. Bei beidem habe das Bundesarbeitsministerium Wort gehalten und schnell den Gesetzesentwurf vorgelegt.

Speziell für Jugendliche unter 25 Jahren hat Norbert Kothen von der Gemeinnützigen Beschäftigungsförderungsgesellschaft mit seinem Team das "Patenmodell im Rhein-Kreis Neuss" entwickelt. Ehrenamtliche Mitarbeiter unterstützen dabei Jugendliche, die wenig Förderung erhalten und erst recht kein Netzwerk haben, bei der Stellensuche. "Paten und Patinnen sollen einfach nur die Bereitschaft mitbringen, sich ehrenamtlich für junge Menschen auf dem Weg von der Schule in den Beruf einzusetzen", so Kothen. Wenn sie dabei ihre Lebens- und Berufserfahrung mit vielfältigen Kontakten in die Arbeitswelt nutzten, könne der erste wichtige Schritt in den Beruf für manchen Jugendlichen, der sonst auf der Strecke bliebe, gelingen.

Landrat Petrauschke appellierte an die soziale Verantwortung der Unternehmen und Firmenchefs. Gerade im Hinblick auf den drohenden Fachkräftemangel sei Arbeitslosigkeit von Menschen unter 25 Jahren keineswegs nur ein Problem der Jugendlichen selbst, sondern auch eine drängende Frage für die Betriebe. "Wenn sich hier das eine oder andere Unternehmen als Pate für einen Jugendlichen einbringt, hat das Vorbildfunktion", hieß es.

In den innovativen Instrumentenkasten zur Bekämpfung der Arbeitslosigkeit passt in diesen Zusammenhang auch die vom Technologiezentrum Glehn (TZG), einem Tochterunternehmen des Kreises, entwickelte "Blitzbewerbung24". Dabei handelt es sich um eine internetbasierte Bewerbungsplattform mit einer vielseitig einsetzbaren und professionell gedruckten Visitenkarte. Vorteil für Firmenchefs und Personalverantwortliche: Zeit- und Kostenaufwand bei der Auswahl geeigneter Bewerber können deutlich verringert werden, denn neben den zentralen Informationen bietet die Karte mit einem QR-Code zusätzlichen Mehrwert durch hinterlegte Lebensläufe oder Videos mit Arbeitsproben.

Die "Blitzbewerbung24" liefere einen professionellen ersten Eindruck von bisher nicht gekannter Qualität, lobte Clever. Das TZG hat die "Blitzbewerbung24" bereits bei der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg vorgestellt, ist dabei auf großes Interesse gestoßen und prüft, dieses Verfahren bundesweit einzusetzen.

Die "Blitzbewerbung24" und das Patenmodell werden gemeinsam aus Mitteln des Rhein-Kreis Neuss und des Jobcenters beziehungsweise der Arbeitsagentur finanziert. Nachfragen nach näheren Informationen per E-Mail an die Adressen info@tz-glehn.de (zur Blitzbewerbung24) und patenmodell@tz-glehn.de (zum Patenmodell).

Zur Person: Peter Clever

Der 60-jährige Peter Clever lebte lange Jahre in Dormagen und machte 1974 in Grevenbroich sein Abitur. Der Ministerialdirektor a.D. ist Vorsitzender des Verwaltungsrats der Bundesagentur für Arbeit und der Deutschen Welle. Clever studierte Volkswirtschaft, politische Wissenschaften und Soziologie an der Universität Köln mit Abschluss Diplom-Volkswirt. Er wurde 1979 Assistent des späteren Bundesarbeitsministers Norbert Blüm und in den 1990er Jahren Sonderberater bei der EU-Kommission in Brüssel. Von 1998 bis 2003 leitete er die Unternehmenskommunikation der Fundus-Gruppe. Danach wählte ihn das Präsidium der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände zum Mitglied der dreiköpfigen Hauptgeschäftsführung.

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