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Mittelstandsbarometer Rhein-Kreis Neuss 2015

Rainer Bovelet, Stephan Meiser, Hans-Jürgen Petrauschke, Michael Schmuck, Jan Stenmans und Edgar Roumen (v. l.) stellten die Umfrage vor.

Wirtschaft |

Initiative legt 8. Bericht zur konjunkturellen Lage des Mittelstands im Rhein-Kreis Neuss vor.

Rhein-Kreis Neuss, Sparkasse Neuss und Creditreform Neuss legen zum achten Mal eine repräsentative Umfrage zur konjunkturellen Lage des Mittelstands im Rhein-Kreis Neuss vor. Hierzu wurden von Anfang Juli bis Anfang August 2015 insgesamt 500 Unternehmen in den acht Kommunen des Kreises telefonisch befragt.

Geschäfts- und Konjunkturklima: Weiter im Konjunkurboom, Allzeithoch eingestellt – Trendwende (noch) nicht in Sicht

Das Geschäfts- und Konjunkturklima der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss zeigt sich auch im Frühsommer 2015 in Bestform. Das regionale Geschäftsklima verbleibt mit erneut 128 Punkten auf dem Höchststand des Vorjahres – Tendenz leicht zunehmend (Index: 128 Punkte / ±0 Punkte). Der aktuelle Klima Index liegt zudem weiter über dem Bundeswert. Die Geschäftslage und die Geschäftserwartungen der Unternehmen werden durchgehend positiv und nochmals leicht positiver als vor Jahresfrist beurteilt. Das aktuelle Konjunkturklima übertrifft – wie im Vorjahr – die Höchstwerte der Boomjahre 2010 und 2011 zum Teil deutlich. Und auch das "Personalklima" der Unternehmen zeigt sich ebenfalls verbessert und spiegelt die aktuell positive Entwicklung am regionalen Beschäftigungsmarkt wider. "Weiterhin bewerten mehr als die Hälfte der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss ihre aktuelle und künftige Auftragslage mit einer sehr guten oder guten Schulnote", so Edgar Roumen, Creditreform Düsseldorf Neuss.

"Die Wirtschaft in unserer Region konnte den kurzfristigen Abschwungtrend, der sich in den letzten Monaten 2014 andeutete, ab Frühjahr 2015 auffangen und offensichtlich wieder ins Gegenteil umkehren.“

Das regionale Konjunkturwetter zeigt sich auch im Sommer 2015 in allen Kommunen weiterhin sehr freundlich. Auch wenn vier Kommunen Rückgänge des Geschäftsklimas hinnehmen müssen, verbleiben alle deutlich im positiven Bereich. Das Konjunkturklima ist in diesem Jahr in Kaarst, in Dormagen und in Rommerskirchen am positivsten.

Kaarst gewinnt zweimal in Folge deutlich. Nur zwei Kommunen liegen in diesem Sommer knapp unter 120 Punkten (Jüchen, Meerbusch). Landrat Hans-Jürgen Petrauschke ist beeindruckt: "Die Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss ist stark und steht besser deutlich da als im Bund. Die Unternehmen haben volle Auftragsbücher, verdienen gutes Geld und bieten sichere Arbeitsplätze. Zwei Spitzenwerte hintereinander und in dieser Höhe – wir können stolz sein und müssen aber achtsam sein, dass das so bleibt."

Investitionsbereitschaft gibt nach – Investitionsklima legt zu – nochmals positivere Urteile für die Kreditvergabebereitschaft

Allerdings zeigt die aktuelle Analyse im Gegensatz zum Vorjahr einen wieder leicht uneinheitlichen Trend für die sekundären Konjunkturindikatoren im Rhein-Kreis Neuss. So hat die "Investitionslust" als weiterer wichtiger Konjunkturklima-Indikator im Frühsommer 2015 unerwartet nachgelassen. Die regionalen Unternehmen zeigen erstmals seit 2011 wieder eine geringere Investitionsbereitschaft als die Unternehmen im Bund. Im Gesamtblick auf die Investitionspräferenzen (Zunahme der Erweiterungsinvestitionen) zeigt sich allerdings, dass der konjunkturelle Optimismus in der regionalen Wirtschaft weiterhin Bestand hat. So setzen die Unternehmen weiter zunehmend auf Kapazitätserweiterungen (36 Prozent / +7 Punkte) und weniger auf Ersatzinvestitionen (40 Prozent / -6 Punkte).

Zudem wird auch das Investitionsklima im Rhein-Kreis Neuss (Ø-Schulnote 2015: 2,88 / 2014: 2,91) nochmals positiver bewertet als in den Vorjahren. Und auch die Bewertungen der regionalen Unternehmen zur Kreditvergabepraxis der Kreditwirtschaft haben sich nochmals verbessert und sind weiterhin auf der "Habenseite" zu verbuchen. Sie erreichen neue Bestwerte. Michael Schmuck, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Neuss, sieht die Arbeit seines Hauses bestätigt: "Mit einem Kreditvolumen von 5,0 Milliarden Euro zählt die Sparkasse Neuss zu den kreditintensivsten Häusern im Rheinland. Wir konnten hiermit im Rhein-Kreis Neuss einen Beitrag leisten, 812 Arbeitsplätze zu sichern bzw.103 Arbeitsplätze neu zu schaffen. Damit erfüllen wir unsere Unternehmensvision, die Menschen und Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss erfolgreich zu machen."

Rhein-Kreis Neuss: Weiterhin hoch geschätzter Standort – Weiterempfehlungs- und Kenntnisquoten stabil bis zunehmend – „Note zwei“ für die Beratungs- und Dienstleistungsangebote

Die "Likeability" des Rhein-Kreis Neuss bleibt im Sommer 2015 stabil und auf hohem Niveau. Weiterhin würden mehr als 90 Prozent der regionalen Unternehmen den Rhein-Kreis Neuss anderen Unternehmen als "Unternehmensstandort empfehlen". Die ehedem sehr hohe Weiterempfehlungsquote verharrt bei rund 91 Prozent (±0 Punkte). Die Bekanntheit der Beratungs- und Dienstleistungsangebote der Wirtschaftsförderungen im Rhein-Kreis Neuss hat sich in den letzten 12 Monaten trotz des Konjunkturbooms wieder leicht erhöht (51 Prozent / +3 Punkte). Und auch die Leistungsbewertung der Beratungsund Dienstleistungsangebote der Wirtschaftsförderungen erreicht im Sommer 2015 trotz nochmaliger leichter Verluste eine immer "noch gute" Schulnote (mittlere Schulnote: 2,52 / +0,06 Notenpunkte).

Sonderthema: Auslandsgeschäfte im Rhein-Kreis Neuss

Etwa ein Drittel der regionalen Unternehmen gibt an, im Ausland tätig zu sein (30 Prozent). Unternehmen des Verarbeitenden Gewerbes und des Handels sind dabei überdurchschnittlich im Ausland aktiv. Vereinfacht gilt: Je umsatz- und mitarbeiterstärker, desto stärker sind die Unternehmen im Ausland aktiv. Schwerpunkte gibt es in den Kommunen Meerbusch und Neuss. Nach überschlägigen Berechnungen sind somit derzeit etwa 6.100 regionale Unternehmen im Ausland aktiv. Auslandsaktive Unternehmen leiden derzeit aber stärker unter dem gedämpften Weltwirtschaftsklima. Derzeit werden die Auftragslage und das Geschäftsklima von auslandsaktiven Unternehmen (124 Punkte) derzeit negativer beurteilt als von denjenigen Unternehmen, die nur national agieren (130 Punkte). Offensichtlich verspüren die auslandsaktiven Unternehmen in der Region, dass sich im 3. Quartal 2015 sowohl das Weltwirtschaftsklima als auch das Wirtschaftsklima für den Euroraum wieder verschlechtert hat. Aber: Der Trend der regionalen Unternehmen ins Ausland scheint ungebrochen.

Einordnung und Perspektiven: Die regionale Konjunktur weiter im Boom – "globale Abschwunggefahren" – Trendwechsel ins Negative derzeit eher unwahrscheinlich

Die Wirtschaft im Rhein-Kreis Neuss befindet sich auch im Sommer 2015 und trotz konjunktureller Abkühlung im letzten Drittel des Jahres 2014 in blendender Verfassung. Die verhalten pessimistische Prognose des Vorjahres ("Trendwechsel ins Negative eher wahrscheinlich") hat sich nur temporär erfüllt. Die regionale Wirtschaft konnte den kurzfristigen Abschwungtrend, der sich in einigen Teilwerten der Vorjahresanalyse und den sich eintrübenden nationalen und globalen Rahmenbedingungen andeutete, ab Frühjahr 2015 auffangen und offensichtlich wieder ins Gegenteil umkehren. Zudem bestätigen auch andere Indikatoren wie die zurückgehende Insolvenzgefährdung und das deutlich verbesserte Zahlungsverhalten der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss den weiteren konjunkturellen Aufwärtstrend. Zugleich sind die Perspektiven für die deutsche Wirtschaft im Vergleich zur Lage des Vorjahres deutlich positiver. Die Tonlage von Konjunkturforschungsinstituten und Wirtschaftspresse liegt derzeit wieder eher in Dur als in Moll. Im Monatsbericht vom August erwartet die Deutsche Bundesbank für die nächsten Monate "weiterhin recht kräftiges Wirtschaftswachstum […] angesichts solider Zuversicht in den Unternehmen und schwungvoller Auftragseingänge". Unter dieser Prämisse gilt auch für die nähere Zukunft der regionalen Wirtschaft: Die Geschäftsaussichten der Unternehmen im Rhein-Kreis Neuss bleiben für den weiteren Jahresverlauf weiterhin äußerst positiv und erfolgversprechend. Hierfür sprechen nicht nur das (hohe) Niveau des aktuellen Geschäftsklimas, sondern auch die insgesamt sehr positiven Bewertungen des Wirtschaftsstandortes, das überdurchschnittliche Investitionsklima, die Stärke des regionalen Beschäftigungsmarktes bis hin zu den guten Finanzierungsbedingungen für die hiesigen Unternehmen. Allerdings zeigt sich im Teilindikator Investitionsbereitschaft, dass auch eine Trendwende zum Schlechteren, zumindest mittelfristig, im Bereich des Möglichen liegt.

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