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Landrat Hans-Jürgen Petrauschke © M. Schiffer | Volle Größe

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Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zum 25. Jahrestag des Mauerfalls: "Ohne Europa geht es nicht"

Europa |

Die Novembertage sind in der deutschen Geschichte markant. Am 9. November  jährt sich der Berliner Mauerfall zum 25. Mal. "Einer der schönsten Tage in der deutschen Geschichte", sagt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke.  Doch mit dem 9. November sind auch andere Geschehnisse verbunden. Am 9. November 1918 wurde in Berlin die Weimarer Republik ausgerufen; am 9. November 1938 brannten die Synagogen - auch im Rhein-Kreis Neuss - einer der dunkelsten Tage in der deutschen Geschichte. 

"Der Blick in die Geschichte", so Landrat Petrauschke, "zeigt uns, wozu Menschen fähig sind - im Guten wie im Bösen. Die Geschichte mahnt uns daher, heute und in Zukunft Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit, Terror und rechter Gewalt entschieden entgegenzutreten und herauszustellen, was uns wichtig ist: Die Bedeutung der Freiheit und die Wahrung der Menschenrechte."

Am 9. November 1989 öffnete sich die Mauer, die Deutschland 28 Jahre teilte und nahezu unüberwindlich war. "Dieses Datum markiert eine historische Zäsur, die den Grundstein für das Deutschland legte, in dem wir heute leben. Dafür haben wir allen Grund, froh und dankbar zu sein", erklärt Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zum 25. Jahrestag der Maueröffnung.

Für die Deutschen ist es mittlerweile selbstverständlich, in einem vereinten Deutschland als eine der großen Nationen der Europäischen Union zu leben. Trotzdem wächst die Europaskepsis, gewinnen antieuropäische Parteien an Boden, die propagieren: Deutschland könne es besser alleine als gemeinsam mit Europa.

 "Von den jüngeren Generationen, mit denen ich mich unterhalte, höre ich zum Thema Europa fast gar nichts, weil es selbstverständlich für sie ist, in einem vereinten Europa zu leben. Dabei ist es die jüngere Generation, die in Europa vernetzt ist wie nie zuvor. Wir brauchen die Stimmen der Jungen, die sich für die Zukunft Europas einsetzen. Sie weiter für das Friedensprojekt Europa zu begeistern, ist daher eine ganz wichtige Aufgabe", unterstreicht Petrauschke und ergänzt: "Europa macht es uns nicht immer leicht, es zu mögen. Wer aber an Europa zweifelt, sollte öfter Soldatenfriedhöfe besuchen."

Ohne Europa hätte es keine deutsche Wiedervereinigung gegeben, ist sich auch Petrauschke sicher. Die Öffnung der Mauer war das Ergebnis wochenlanger friedlicher Proteste mit lange ungewissem Ausgang. Mutige Bürgerinnen und Bürger hatten sich erst in Kirchen versammelt und waren dann für ihre Anliegen auf die Straße gegangen. Es gehörte viel Mut dazu. Nicht nur in der DDR, in ganz Osteuropa standen die Menschen damals gegen ihre Regierungen auf.

Viel Aufbau- und Verständigungsarbeit ist seit den Umbrüchen von 1989/1990 auf allen Ebenen geleistet worden. Auch der Rhein-Kreis Neuss war dabei. So vermittelte ihm im Juni 1990 die nordrhein-westfälische Staatskanzlei den damaligen Kreis Perleberg in Brandenburg als Partner.

"Mit der Einrichtung einer Beratungsstelle wurde der Anfang gemacht", erinnert sich Landrat Petrauschke an die Hilfe des Rhein-Kreises Neuss zum Aufbau einer neuen Verwaltungsstruktur in Perleberg, heute Kreis Prignitz. "Eine leistungsfähige Verwaltung in den neuen Bundesländern war eine zentrale Voraussetzung für gleichwertige Lebensbedingungen. Und dabei gab es nicht nur Lehrende auf der einen und Lernende auf der anderen Seite. Wir haben damals alle gelernt und sind Freunde geworden. Das gilt auch für unsere 1994 begründete Partnerschaft mit dem polnischen Kreis

Mikolów." Im Europäischen Parlament sitzen heute Abgeordnete aus 27 Nationen, die noch vor etwas mehr als zwei Jahrzehnten mit Atomraketen aufeinander zielten und nunmehr zum Beispiel über gemeinsame Programme gegen Jugendarbeitslosigkeit diskutieren. Petrauschke: "Auch dafür sollten wir dankbar sein."

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