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"Toleranz - Eine Spurensuche": Gewalt und Musik im Mittelpunkt des 22. Knechtstedener Festivals für Alte Musik

Ein Gruppenfoto mit Festival alte Musik Plakaten

Musik |

Musiker und Friedensforscher im interdisziplinären Dialog

"Dona nobis pacem": Das 22. Festival Alte Musik Knechtsteden vom 20. bis 28. September setzt anlässlich der Lutherdekade seinen Schwerpunkt auf die große gesellschaftliche Frage der Toleranz. Das hochkarätig besetzte Konzertprogramm des Festivals, das zur ersten Riege der Alten Musik in Deutschland zählt, wird erstmals in einem Symposion vom 13. bis 15. September um einen spartenübergreifenden Dialog "Gewalt und Musik" mit Gewalt- und Friedensforschern, Politologen, Soziologen, Pädagogen und Musikwissenschaftlern beim Kooperationspartner Zentrum für Alte Musik Köln (ZAMUS) erweitert.

Das Motiv von Krieg und Frieden hat Komponisten immer geprägt. Der künstlerische Leiter Hermann Max setzt die Thematik musikalisch in neun hochkarätig besetzten Konzerten um. An acht Festspieltagen rund um die romanische Basilika des Klosters Knechtsteden präsentiert er ein Festival­programm von barocken Werken bis hin zu Uraufführungen. Das Programm "Kassandra" (Ltg. Hermann Max) eröffnet das Festival glanzvoll. Zu den international renommierten Ensembles und Solisten des diesjährigen Festivals gehören der Tölzer Knabenchor; der Bassist Harry van der Kamp und la dolcezza; die Akkordeonistin Viviane Chassot und Cembalist Ketil Haugsand; die Himlische Cantorey; Maria Jonas sowie Solisten der Neuen Hofkapelle Graz. Ein Höhepunkt wird das oratorische Meisterwerk "Luther in Worms" von Ludwig Meinardus mit der Rheinischen Kantorei, Concerto Köln und einer erlesenen Sängerbesetzung unter der Leitung von Hermann Max im Abschlusskonzert sein. Die Reihe "Junges Festival" für Kinder und Jugendliche wird unter dem Motto "Trompetenklang und Trommelwirbel" am Samstag, 21.09., von 10 bis 18 Uhr mit moderiertem Kinderkonzert und ganztägigem Rahmenprogramm auf dem Gelände des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden fortgesetzt. Die traditionelle musikalische "Landpartie" findet am Sonntag, 22.09. im Innenhof des Kreuzgangs der Klosterbasilika statt.

Das Festival Alte Musik Knechtsteden findet zum 22. Mal in Folge statt und wird seit 1992 von seinem Gründer Herrmann Max geleitet, dessen Einspielungen mit seinen Ensembles höchste nationale und internationale Auszeichnungen erhielten. 2013 fördert unter anderen der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien das Festival.

Veranstaltungsdetails:

  • Veranstaltung: Festival Alte Musik Knechtsteden,
  • Künstler und Termine: siehe Programm
  • Veranstaltungsorte:
    • Kloster Knechtsteden Winand-Kayser-Straße / Klosterstraße, 41540 Dormagen
    • Kreismuseum Zons Schloßstraße 1, 41541 Dormagen
    • Norbert-Gymnasium Knechtsteden, Winand-Kayser-Straße / Klosterstraße, 41540 Dormagen
  • Weitere Informationen: www.knechtsteden.com
    Geschäftstelle, Tel.: 02133-2109992, altemusik@t-online.de
  • Karten: ab 01.07. bei KölnTicket (www.koelnticket.de, Tel. 0221-2801) und landesweit bei allen bekannten Vorverkaufsstellen.

Über Hermann Max

Hermann Max schreibt die Geschichte der Historischen Aufführungspraxis Alter Musik seit über drei Jahrzehnten entscheidend mit. Als Dirigent seiner eigenen Ensembles, des Orchesters Das Kleine Konzert und des Chores Rheinische Kantorei setzt er in Konzerten, Rundfunkaufnahmen und CD-Produktionen Maßstäbe. Als Gastdirigent moderner und traditioneller Orchester erweitert er das Spektrum des historisch-kritischen Musizierens beständig über das 19. Jahrhundert hinaus bis in die Gegenwart. Als Dozent unterrichtet er leidenschaftlich auf internationalen Seminaren und Symposien. Als Editor stellt er seine Neuausgaben musikalischer Raritäten einer interessierten Öffentlichkeit zur Verfügung. Und als Festivalleiter prägt er seit über zwanzig Jahren die Klassiklandschaft zwischen Köln und Düsseldorf mit dem Festival Alte Musik in der Basilika Knechtsteden. "… Max lässt die beredte Barockmusik gleichsam von innen sprechen, ohne sie auszustellen. Hier werden keine Fortissimi nachgedrückt, Solisten veräußert oder Klangmassen aufgetürmt. Vielmehr gilt jeder Moment der Aufführung dem Fließen der Musik. Gerne hätte man noch mehr gehört." (Kölner Stadt-Anzeiger)

Programm

  • 13. - 15.9.2013
    Workshop Chorsingen (Leitung: Hermann Max) & Symposium zum Thema "Toleranz" in Zusammenarbeit und in den Räumen des ZAMUS (Zentrum für Alte Musik Köln), Heliosstraße 15. 15.9., 18 Uhr - Versöhnungskirche Köln-Ehrenfeld (im Rahmen der Ehrenfelder Abendmusiken)
  • 20.9. - 18:00 - Klosterbibliothek
    Einführungsgespräch zum Eröffnungskonzert
  • 20.9. - 20:00 - Klosterbasilika Knechtsteden
    KASSANDRA: Werke von Muffat, Blomenkamp, der Bach-Familie, Mauricio Kagel und Georg Friedrich Händel Veronika Winter, Margot Oitzinger, Andreas Post, Markus Flaig; Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert; Hermann Max
  • 21.9. - 11:00 - Aula des Norbert-Gymnasiums Knechtsteden
    A SOLDIER'S LIFE: Das abenteuerliche Leben des Captain Tobias Hume (Eine Aufführung im Rahmen des Jungen Festivals Knechtsteden) Solisten der Neuen Hofkapelle Graz 10:00 Tanzworkshop
  • 21.9. - 20:00 - Klosterbasilika Knechtsteden
    TÖLZER KNABENCHOR: Tölzer Knabenchor Motetten von J.S. Bach, Mendelssohn Bartholdy, Schubert und Rossini Tölzer Knabenchor, Ltg.: Ralf Ludewig
  • 22.9. - 14:00 - Kreuzgang Innenhof
    A SOLDIER'S LIFE: Das abenteuerliche Leben des Captain Tobias Hume (Eine Aufführung im Rahmen der Landpartie) Solisten der Neuen Hofkapelle Graz
  • 22.9. - 20:00 - Klosterbasilika Knechtsteden
    CUNDRÎE: Botin des Gral Eine mittelalterliche Spurensuche Ala Aurea: Maria Jonas, Elisabeth Seitz, Bassem Hawar, Fabio Accurso
  • 24.9. - 20:00 - Klosterbasilika Knechtsteden
    SEI NUN WIEDER ZUFRIEDEN: Werke von Zelenka, J.S. Bach und Charpentier Marie Luise Werneburg, Margot Oitzinger, Georg Poplutz, Markus Flaig; Rheinische Kantorei, Das Kleine Konzert, Hermann Max
  • 25.9. - 20:00 - Kreismuseum Zons
    GIEB JEDEM INSTRUMENT DAS WAS ES LEYDEN KANN: Werke für Akkordeon und für Cembalo von Rameau, Scarlatti, Couperin, Bach und Haydn Viviane Chassot (Akkordeon), Ketil Haugsand (Cembalo)
  • 26.9. - 20:00 - Klosterbasilika Knechtsteden
    ANGST DER HÖLLEN UND FRIEDE DER SEELEN: Werke von Schütz, Schein und J.S. Bach Viviane Chassot (Akkordeon) Himlische Cantorey: Veronika Winter, Maria Skiba, Henning Voss, Jan Kobow, Mirko Ludwig, Ralf Grobe; Continuo-Gruppe
  • 27.9. - 20:00 - Klosterbasilika Knechtsteden
    SEUFZER: Werke von Erlebach, Schmelzer, Biber, Rosenmüller, J.C. Bach u.a. Harry van der Kamp (Bass) La Dolcezza: Veronika Skuplik, Catherine Aglibut, François Joubert-Caillet, James Munroe, Christoph Hammer
  • 28.9. - 20:00 - Klosterbasilika Knechtsteden
    LUTHER IN WORMS: Oratorium "Luther in Worms" von Ludwig Meinardus - Matthias Vieweg, Hannah Morrison, Corby Welch, Markus Flaig u.a.; Rheinische Kantorei, Concerto Köln, Hermann Max

Zum Hintergrund des Themenschwerpunkts:

Krieg und Frieden, Hass und Versöhnung - wie oft erzählt die Musik nicht von den ganz großen gesellschaftlichen Fragen. Und wie oft haben wir uns als Zuhörer angewöhnt, auf die Melodien und nicht auf die Botschaften zu achten. Dabei haben Komponistinnen und Komponisten zu allen Zeiten ihre ganz existenziellen Erfahrungen mitgeteilt, haben wie Johann Sebastian Bach im "Et in terra pax" seiner h-Moll-Messe den Frieden geradezu herbei zu singen versucht oder wie Georg Friedrich Händel im "Utrechter Te Deum" das Ende des Krieges triumphal gefeiert, haben wie Heinrich Schütz über Terror und Gewalt auf berührendste Art und Weise geklagt und haben wie Heinrich Schmelzer über die Opfer von Mord und Totschlag getrauert. Und in ihren Werken haben sie Trost gespendet, aufgewühlt, angeklagt oder gar angegriffen.

All die genannten Tonsetzer und noch viel mehr hat Hermann Max im neuen Programm des Festivals Alte Musik in Knechtsteden versammelt. Gemeinsam mit international renommierten Musikerinnen und Musikern spürt er einem grundsätzlichen Begriff der menschlichen Gesellschaft nach: der Toleranz. Das klingt nach anspruchsvollem Stoff und ist es auch. Wenn nicht die Musik jene Kunst wäre, die es schafft, auf die großen Menschheitsfragen mit Emotionen zu antworten, in einer Direktheit, die die Sinne unmittelbar berührt. Warum steht zum Beispiel Martin Luther vor dem Kaiser in Worms und "kann nicht anders" als seinem Gewissen zu folgen? Ludwig Meinardus hat diese Frage geradezu auf die Bühne gewuchtet, 1871, im Angesicht des preußischen Krieges gegen Frankreich. Hermann Max präsentiert das heute fast vergessene Hauptwerk von Meinardus mit dem Originalklangorchester Concerto Köln und einer erlesenen, internationalen Sängerbesetzung.

Und um das oratorische Meisterwerk entstehen so berührende wie auch von tiefer Heiterkeit durchdrungene Szenen. Wenn Maria Jonas nach der muslimischen Ur-Kundry bei Wolfram von Eschenbach forscht, die Solisten der Hofkapelle Graz das lästernde Großmaul und komponierenden Soldaten Captain Tobias Hume in einer Londoner Schenke aufspüren, der Tölzer Knabenchor Johann Sebastian Bachs tröstliche Motetten anstimmt oder die Himlische Cantorey und das Ensemble La dolcezza die Musik des 30jährigen Krieges beleuchten, dann führt das Festival Alte Musik Knechtsteden wirklich durch die europäische Kulturgeschichte. Und auch die Moderne bleibt nicht ausgespart. Akkordeon und Cembalo wetteifern miteinander, und Thomas Blomenkamp hat Aischylos‘ Kassandra in ganz gegenwärtige Töne gesetzt - die Rheinische Kantorei und Hermann Max gestalten die Uraufführung.

Damit die große Musik diesmal nicht einfach verklingt, beschreitet das Festival zudem auch neue Wege. In einer Gemeinschaftsproduktion mit dem ZAMUS, dem Zentrum für Alte Musik in Köln, wird die Knechtstedener Konzertwoche von einem wissenschaftlichen Symposion eingeleitet, in dem Soziologen, Theologen, Musikwissenschaftler und Journalisten über die Möglichkeiten von Musik in Konfliktsituationen diskutieren. Unter welchen Bedingungen verhindert Musik Gewalt, wo fördert sie sie vielleicht sogar? Interdisziplinär und immer wieder bereichert durch die Probenarbeit an Chorwerken zur Friedensthematik entwickeln die Expertinnen und Experten über drei Tage ihre Thesen und Ideen.

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