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Silvesterdienst in der Kreisleitstelle: Mit alkoholfreiem Sekt wird erst am frühen Morgen angestoßen

Dienst statt Silvesterfeier heißt es am 31. Dezember für Marco Juris (sitzend) und Lothar Tetard in der Kreisleitstelle

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Zum Anstoßen um Mitternacht kommen Lothar Tetard (55) und Marco Juris (39) Silvester in der Kreisleitstelle wohl nicht. "Bereits vor 0 Uhr brennt hier der Baum; dann klingelt erfahrungsgemäß pausenlos das Telefon", berichtet Tetard, Sachgebietsleiter für Einsatzplanung, Einsatzvorbereitung und Ausbildung in der Kreisleitstelle. Marco Juris nimmt gemeinsam mit sechs weiteren Kollegen die Anrufe entgegen und schickt Feuerwehrleute, Rettungsassistenten und Notärzte los. In den vergangenen Silvesternächten zählte die Leitstelle bis zu 150 Einsätze - mehr als doppelt so viele wie in anderen Nächten.

Jeder, der im Rhein-Kreis Neuss die 112 wählt, landet bei der Leitstelle des Rhein-Kreises Neuss am Hammfelddamm in Neuss. "Hier gehen die Anrufe aus allen Kommunen des Kreises ein", berichtet Thomas Dilbens, Leiter der Dienststelle. "Wir setzen die zuständigen Rettungsdienste vor Ort ein - die örtliche Feuerwehr, das THW, das Deutsche Rote Kreuz, Malteser, Johanniter sowie in Einzelfällen die DLRG und die Wasserwacht." Häufig wählen Bürger den Notruf zu Silvester, wenn Möbel auf einem Balkon durch eine Silvesterrakete in Brand geraten oder wenn sich Menschen mit Feuerwerkskörpern verletzen.

In den 35 Jahren als Berufsfeuerwehrmann hat Lothar Tetard bereits eine Vielzahl von Unfällen - insbesondere zum Jahreswechsel - erlebt. "Abgetrennte Finger durch Feuerwerkskörper gehören ebenso dazu wie eine Frau, deren Kunststoffmantel in Flammen stand, weil ein Böller versehentlich in ihrer Manteltasche gelandet war", nennt der Brandamtmann einige Beispiele. In den letzten Jahren stellt er eine steigende Gewaltbereitschaft fest, die insbesondere zu Silvester durch Alkohol verstärkt wird.

So sind Marco Juris und seine Kollegen gefordert, wenn die Anrufer Prügeleien, Container- oder Balkonbrände melden. Die Einsatzbearbeiter - zu Silvester sind mit acht Leuten doppelt so viele im Einsatz wie sonst - stellen im Gespräch fest, ob zum Beispiel der Verletzte einen Rettungswagen braucht oder ob bei einem Brand die Nachbarwehr mit Drehleitern anrücken muss. Dabei behält jeder von ihnen an seinem Arbeitsplatz fünf Bildschirme gleichzeitig im Blick, um festzustellen, wo Hilfe benötigt wird und welche Rettungsmittel wo zur Verfügung stehen.

Auch wenn der Silvester-Dienst genauso wenig beliebt ist wie der Dienst über Weihnachten, so müssen sich die 22 Disponenten an den Feiertagen abwechseln. "Schichtdienst rund um die Uhr gehört nun mal zu unserem Beruf", sagen Lothar Tetard aus Mettmann und Marco Juris aus Bedburg. Das wissen auch ihre Frauen, die dies Mal ohne ihre Männer ins Neue Jahr feiern. Dabei kennt Julia Juris die Problematik aus eigener Erfahrung: Sie ist als Krankenschwester am Kreiskrankenhaus Grevenbroich tätig, hat aber in diesem Jahr keinen Silvesterdienst. Den Neujahrstag werden die Männer von der Kreisleitstelle wohl erst um 4 oder 5 Uhr morgens mit alkoholfreiem Sekt begrüßen - wenn das Telefon vielleicht nicht mehr ständig klingelt.

Hintergrundinformation:

Die Leitstelle für Rettungsdienst und Brandschutz des Rhein-Kreises Neuss ist an 365 Tagen im Jahr rund um die Uhr besetzt. Hier gingen im Jahr 2012 300.000 Notrufe ein. In 65.000 Fällen war die Lage ernst: Rettungsdienst und Feuerwehr mussten ausrücken. Daneben organisiert die Kreisleitstelle Krankentransporte nach Voranmeldung und vermittelt dem Bürger den Kontakt zu Bereitschaftsärzten und -apotheken.

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