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Hermann Zohren verlässt nach über 30 Jahren das Jugendamt: "Kindergärten sind keine Aufbewahrungs­anstalten"

Ein Mann am Schreibtisch

Hermann Zohren ist im Kreisjugendamt für die Bedarfsplanung und bauliche Förderung der Kindertageseinrichtungen sowie für die Fort- und Weiterbildung der Erzieherinnen zuständig

Jugend |

Seine Examensarbeit schrieb Hermann Zohren 1978 über "Sprachstörungen im Kindesalter" - lange vor den Zeiten der Kindergarten-Fördermaßnahmen "Bielefelder Screening" und "Würzburger Trainingsprogramm". Die Sprachförderung der Kindergarten­kinder sieht er auch im Rückblick als einen Schwerpunkt seiner Arbeit. Nach über 30 Jahren im Jugendamt des Rhein-Kreises Neuss geht der 60-Jährige Ende des Jahres in den Ruhestand.

Als Leiter der Abteilung Kindertageseinrichtungen und Tagespflege seit 1996 stand für Hermann Zohren immer fest: Die Kindergärten sind keine Aufbewahrungsanstalten, sondern frühkindliche Bildungseinrichtungen. Bewegung, Ernährung, die Vermittlung von Sprachkompetenzen - das sind für ihn die Dauerthemen. Gemeinsam mit seinem Team vermittelte er den Erzieherinnen, wie sie Kinder im sprachlichen und auch im naturwissenschaftlichen Bereich fördern. Unvergessen ist für Zohren die Fortbildung im Sandbauernhof, bei der er mit seiner Lerngruppe eine Flasche per Luftdruck versehentlich über das Bauernhofdach katapultierte - fast einem Passanten an den Kopf.

Was hat sich getan in den letzten Jahrzehnten? "Wichtige Neuerungen brachten 1995 der Rechtsanspruch für die 3- bis 6-Jährigen, später kam die Einrichtung der U3-Plätze und Familienzentren hinzu", blickt Hermann Zohren zurück und fügt hinzu: "Langweilig war es nie." Bedauernd stellt er fest, dass heute sehr viel mehr Verwaltungsaufgaben auf die Erzieherinnen warten als früher - und dass immer neue gesetzliche Vorgaben den Kindergartenalltag bestimmen.

Vor seiner Tätigkeit für das Kreisjugendamt war Zohren als Polizist auf Streife unterwegs. Bereits während des ersten Jahres seines Studiums an der Fachhochschule Mönchengladbach stellte der Polizeibeamte fest, dass er die Uniform an den Nagel hängen und sich stattdessen im sozialen Bereich engagieren wollte.

Zunächst im Sozialdienst katholischer Frauen tätig, kam der Diplom-Sozialpädagoge 1980 zum Pflegekinderdienst des Jugendamtes. Ab 1987 übernahm er zusätzlich die Fachberatung für die Kindertageseinrichtungen in Korschenbroich, Jüchen und Rommerskirchen. Sein Vorgesetzter, Kreisjugendamtschef Norbert Dierselhuis, weiß: "Das Hintergrundwissen als ehemaliger Polizist kommt Hermann Zohren häufig zugute, zum Beispiel wenn wir konkrete Fälle im Team diskutieren."

Nach Feierabend arbeitet der gebürtige Wassenberger am liebsten an seiner Werkbank. Treppen, Türen und Möbel will er auch in seinem Ruhestand weiterhin schreinern - und der Vater von drei erwachsenen Kindern hat sich vorgenommen, Italienisch zu lernen. "Denn meine Frau und ich lieben Italien, vor allem den Gardasee", verrät Zohren, der sich auch privat weiterhin mit seinen Kollegen treffen will.

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