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Trend zur Bodenversiegelung: Lössböden nimmt im Rhein-Kreis Neuss ab

Person untersucht Lössboden

Diplom-Geograph Karl-Heinz Olk von der Unteren Bodenschutzbehörde des Rhein-Kreises Neuss untersucht das typische Bodenprofil eines tiefgründigen und sehr fruchtbaren Lössbodens (Parabraunerde).

Umwelt |

Vom Winde verweht - das ist nicht nur ein Filmtitel, sondern vom Winde verweht ist auch der Löss und der ist nicht minder erfolgreich. Karl-Heinz Olk von der Unteren Bodenschutzbehörde des Rhein-Kreises Neuss weiß, das Lössböden, die im Kreisgebiet über 50 Prozent der Fläche bedecken, weltweit zu den fruchtbarsten und ertragreichsten Böden überhaupt gehören.

Umso mehr bedauert Diplom-Geograph Olk, dass immer mehr Böden vernichtet oder versiegelt werden. Diesen Trend beobachtet er seit Jahrzehnten. Neue Wohn- und Gewerbegebiete sowie Infrastrukturmaßnahmen, hier insbesondere der Straßenbau, sind dafür verantwortlich, dass allein im Rhein-Kreis Neuss jährlich über 120 Hektar Boden verloren gehen. Das sind umgerechnet etwa 150 Fußballplätze pro Jahr. Karsten Mankowsky, Umwelt- und Gesundheitsdezernent des Rhein-Kreises Neuss, ruft zu einer sinnvollen Bodennutzung auf: "Bodenschutz bedeutet vor allem auch die sparsame Inanspruchnahme der Böden, zum Beispiel gesteuert durch ein intelligentes Bodenmanagement."

Zum Hintergrund: Lössböden bestehen aus Partikeln, die feiner als Sand und gröber als Ton sind. Der Löss ist also - einfach formuliert - vom Wind verfrachtetes, staubartiges Bodenmaterial. Daher kann der Lössboden viel Wasser und die Nährstoffe aufnehmen und auch pflanzenverfügbar speichern. Dies ist natürlich nicht nur in Trockenzeiten von großer Bedeutung.

Der Löss wurde vor allem während der letzten Eiszeit in Staubwolken aus vegetationslosen Gebieten herangeweht und im Kreisgebiet über Jahrtausende hinweg abgelagert, teilweise sogar über 20 Meter mächtig. In den wärmeren Klimaphasen bildete sich unter der aufblühenden Vegetation ein Boden, in kälteren Zeiten wurde dieser Boden zum Teil wieder überweht und praktisch vergraben.

Im Raum Jüchen wurden in etwa 20 Meter Tiefe etwa 120 000 Jahre alte Humusböden entdeckt. Diese Humusböden verweisen auf eine Zwischeneiszeit. Damals war es im Jahresmittel sogar noch einige Grad wärmer als heutzutage. In Fachkreisen wird diese Phase, die etwa 10 000 Jahre andauerte, als Eem-Warmzeit bezeichnet. Der überwehte Humusboden erinnert also an eine längst vergangene Epoche in der Erdgeschichte.

Diese sehr fruchtbaren Lössböden sind aber auch dafür verantwortlich, dass der Kreis so waldarm ist. Bereits die ersten Ackerbauern, die sogenannten Bandkeramiker, haben vor über 7 000 Jahren die Fruchtbarkeit der Lössböden erkannt. Um Ackerland, Bau- und Feuerholz zu gewinnen, wurden bereits zu dieser Zeit, also in der Jungsteinzeit, die Wälder gerodet.

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