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Landrat und Vertreter ziehen nach gut einjähriger Amtszeit Zwischenbilanz

3 Personen an Stehtischen

Landrat Hans-Jürgen Petrauschke (Mitte) und sein Allgemeiner Vertreter Jürgen Steinmetz beim Pressegespräch im Kolping Berufsbildungswerk Neuss mit Beate Hendges, Leiterin der Einrichtung.

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Gute Standortbedingungen für die Wirtschaft und hohe Lebensqualität – der Rhein-Kreis Neuss bietet beides. Und das soll nach den Vorstellungen von Landrat Hans-Jürgen Petrauschke auch im kommenden Jahr so bleiben. Gute Zukunftschancen wurden dem Rhein-Kreis Neuss im gerade erschienenen "Zukunftsatlas 2010" der Schweizer Prognos AG bestätigt, der als bester Kreis in Nordrhein-Westfalen abschnitt. Dennoch sei die kommunale Finanzkrise nicht überwunden. "Arbeitsplätze zu erhalten und möglichst neue zu schaffen, den sozialen Zusammenhalt zu bewahren, Integration zu fördern – das sind Herausforderungen, denen wir uns weiter engagiert stellen wollen und müssen", so der Landrat bei einem Pressegespräch im Neusser Kolpingbildungswerk. Dort zogen Petrauschke und sein Allgemeiner Vertreter, Jürgen Steinmetz, nach gut einem Jahr Amtszeit eine Zwischenbilanz ihrer bisherigen Arbeit und warfen auch einen Blick auf das nächste Jahr.

Trotz schwieriger Ausgangslage habe der Standort Rhein-Kreis Neuss sich in der Finanz- und Wirtschaftskrise gut behauptet, so die beiden Kreisspitzen. Ein Beleg sei die aktuelle Arbeitslosenquote, die mit 6,2 Prozent wieder auf dem niedrigen Vorkrisen-Niveau liegt. "Harte Standortvorteile werden im Rhein-Kreis Neuss durch hohe Lebensqualität und eine mittelstandsfreundliche Politik ergänzt", betonte Petrauschke, der auch die gute Vernetzung des Rhein-Kreises am Niederrhein, nach Düsseldorf und Köln/Bonn hervorhob. Dennoch sei die Positionierung des Rhein-Kreises Neuss in einer denkbaren Metropolregion Rheinland mit rund 6,7 Millionen Einwohnern wichtig.

Als herausragende Investitionsmaßnahmen des Kreises im ablaufenden Jahr nannte Petrauschke die beiden Kreiskrankenhäuser. Insgesamt 22 Millionen Euro wurden unter anderem in das Facharztzentrum in Grevenbroich sowie die neue Geburtshilfe und das Zentrum für Radiologie und Nuklearmedizin in Dormagen investiert. Im Rahmen des Konjunkturpakets II wurden zudem Projekte für etwa sieben Millionen Euro umgesetzt.

Auch wegweisende Kooperationen seien 2010 auf den Weg gebracht worden. So etwa ein medizinisches Versorgungszentrum im Laborbereich zwischen den Kreiskrankenhäusern und dem Lukaskrankenhaus in Neuss. Die bereits laufende Zusammenarbeit von Kreiswerken Grevenbroich, NVV und Stadtwerken Neuss sichere die Trinkwasserversorgung für viele Bürger über Jahrzehnte.

Auch 2010 gab es wieder Auszeichnungen für die Kreisverwaltung - zum Beispiel durch das Institut für europäische Partnerschaften und internationale Zusammenarbeit (IPZ), das mit seinem Europa-Preis die langjährige Partnerschaft mit dem polnischen Kreis Mikolów würdigte. Zudem wurde der Rhein-Kreis Neuss als erster Fairtrade-Kreis Deutschlands ausgezeichnet. Auch beim Thema Inklusion sieht der Landrat den Kreis gut aufgestellt: "Inklusion darf aber nicht zur Gleichmacherei führen. Es kommt darauf an, für jeden den optimalen Förderort zu finden, nicht die Fördervielfalt zu zerstören."

Zum Kreishaushalt 2011 betonte Petrauschke noch einmal, dass rund 60 Prozent der Ausgaben - inklusive Landschaftsumlage - Sozialausgaben sind, davon allein 73 Millionen Euro Hartz IV-Kosten. Trotz steigender Sozialkosten bleibe die Kreisumlage aber in Solidarität zu den Städten und Gemeinden im Ergebnis stabil. Nötig sei dazu ein tiefer Griff in die Ausgleichsrücklage in Höhe von 12,5 Millionen Euro. Im freiwilligen Aufgabenbereich seien außerdem rund 1,3 Millionen Euro Einsparungen geplant. Petrauschke: "Wir leben anerkanntermaßen in einem blühenden Kreis. Und damit er weiter gedeihen kann, dürfen wir ihn nicht kaputtsparen. So wenig Sinn das Verteilen mit der Gießkannen macht, so wenig Sinn macht auch das Sparen nach dem Rasenmäherprinzip."

Sozialausgaben nachhaltig zu begrenzen sei nur möglich, wenn mehr Menschen in Beschäftigung gebracht werden können, so der Landrat: "Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung, berufliche Bildung, Qualifizierung, Technologietransfer sind dabei ein Schlüssel zum Erfolg. Wir müssen schon bei den Kindern ansetzen, um zu verhindern, dass sie als Erwachsene in die Hartz IV-Falle geraten. Auch müssen wir dafür sorgen, dass dem Markt auf Dauer gut ausbildete Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Dazu gehören auch Ausbildungschancen für junge Menschen mit Migrationshintergrund. Sprachförderung und Integration sind hier zentrale Punkte, denen der Rhein-Kreis Neuss zum Beispiel mit seinem 2010 erstmals vergebenen Integrationspreis und seinem Migranten-Stipendium Rechnung trägt."

"Für die künftige Betreuung von Langzeitarbeitslosen hat der Kreistag das Ziel klar vorgegeben und sich für das Optionsmodell ausgesprochen", erläuterte Landrat-Vertreter Steinmetz und unterstrich: "Ein Modell, das nicht teurer ist, dem Kreis und seinen Kommunen aber mehr Einfluss auf die Arbeitsmarktpolitik vor Ort garantiert. Den 130 Seiten umfassenden Antrag auf Anerkennung als Optionskommune, so Steinmetz, werde der Kreis nun fristgerecht beim Land einreichen.

Als wichtiges Instrument der Beschäftigungsförderung stellte Steinmetz auch das kreiseigene Technologiezentrum Glehn heraus, das für 2010 mit 514 Vermittlungen in den ersten Arbeitmarkt wieder eine sehr gute Erfolgsbilanz vorweisen kann. "Mit allen unseren Partnern in der Beschäftigungsförderung wollen wir im Rhein-Kreis Neuss die Arbeitslosenquote im nächsten Jahr unter sechs Prozent drücken", zog Steinmetz eine Ziellinie für 2011. Die Kreiswirtschaftsförderung werde als Arbeitsschwerpunkte unter anderem ihre Außenwirtschaftsförderung fortsetzen und sich mit dem Thema Fachkräftemangel befassen.

Als Kreissportdezernent nannte Steinmetz aktuelle Themen, die den Rhein-Kreis Neuss als Sportstandort weiter nach vorne bringen: zum Beispiel die neue Ringerhalle am Bundesstützpunkt "Ringen weiblich" in Dormagen, den Ausbau des Sportinternats Knechtsteden und das Stichwort Olympia-Stützpunkt Rheinland. 2011 wird der Rhein-Kreis Neuss sich als NRW-Leistungssportzentrum bewerben. Mit der Verknüpfung von Sport und Wirtschaft sowie Sport und Ausbildung würden dabei auch verbesserte Rahmenbedingungen für Leistungssportler angestrebt. Auch die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2012 wird uns im nächsten Jahr beschäftigen" sagte Steinmetz. Ziel sei es, in London mit mehr heimischen Spitzensportlern vertreten zu sein als in Athen 2004 und Peking 2008.

Aber auch die Kreisaktion "Zeig' die rote Karte", die sich gegen sexuelle Gewalt gegenüber Kindern und Jugendlichen im Sport richtet, werde 2011 fortgesetzt.

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