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Auf dem Weg zum ersten Fairtrade-Kreis in Deutschland

Mehrere Personen sitzen an einem Tisch

Landrat Hans-Jürgen Petreauschke (3.v.l.) lud zur konstituierenden Sitzung der Steuerungsgruppe ins Neusser Kreishaus ein.

Fairtrade |

Der Rhein-Kreis Neuss bewirbt sich als erster Kreis in Deutschland um das internationale Siegel "Fairtrade towns" (Städte fairen Handels). Bis September soll erreicht werden, dass öffentliche Einrichtungen verstärkt Produkte aus Fairem Handel verwenden und im Kreisgebiet eine Mindestzahl von Geschäften, Gaststätten und Cafés fair gehandelte Waren anbieten.

Im März hatte der Kreistag einstimmig den politischen Willen auf den Weg gebracht. Einen Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen aus dem Vorjahr hatte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke aufgegriffen und in Gesprächen mit Gisela Welbers und Manfred Holz von der Neusser Eine Welt Initiative (NEWI) erweitert.

Ziel

Ziel der Fairtrade-Kampagne ist es, benachteiligte Kleinbauern und Arbeiter in Afrika, Lateinamerika und Asien zu fördern und durch Fairen Handel ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen zu verbessern. Zum Beispiel decken die festgelegten Mindestpreise auch in Zeiten von Wirtschaftskrisen die Produktionskosten und sichern so das Existenzminimum von Kleinbauern in den Entwicklungsländern. Die gezahlten Aufschläge ermöglichen eine Investition in die Zukunft und Kinderarbeit wird vermieden. Fairness steht in Deutschland trotz Wirtschafts- und Finanzkrise weiter hoch im Kurs. Verbraucher greifen immer häufiger beim Einkaufen zu fair gehandelten Produkten. Schokolade, Blumen, Obst, Tee oder Kaffee aus fairer Erzeugung finden sich deshalb zunehmend auch in den Regalen von Supermärkten und Discounter.

"Ein Fairtrade-Kreis zu werden, bedeutet ein konkretes Zeichen für Fairen Handel zu setzen. Anders als der Wahlbürger kann der Konsumbürger täglich seine Wahl treffen und verstärkt fair gehandelte Produkte kaufen, und auf diese Weise unsere Welt ein bisschen gerechter machen", betont Petrauschke. Mit gutem Beispiel geht die Kreisverwaltung voran. Künftig werden im Büro des Landrates und seines Allgemeinen Vertreters und bei allen Sitzungen der Ausschüsse nur noch  fair gehandelter Kaffee und Tee ausgeschenkt.

Weltweite Kampagne

Die Beteiligung an der Kampagne"Fairtrade towns" würde den Rhein-Kreis Neuss zum Mitglied einer weltweiten Kampagne machen, an der sich bisher über 700 Städte in 18 Ländern beteiligen, darunter auch Metropolen wie London, Rom, Brüssel, und San Francisco. Seit Januar 2009 können sich deutsche Städte, Kreise und Gemeinden bei TransFair e.V., dem Verein zur Förderung des Fairen Handels in Deutschland, um den Titel bewerben. Im Rhein-Kreis Neuss gibt es bereits eine langjährige Tradition im Engagement für den Fairen Handel. Zahlreiche entwicklungspolitische und kirchliche Gruppen und Institutionen leisten seit Jahrzehnten hier vorbildliche Arbeit. Angefangen hat die Arbeit meist in den Siebzigerjahren mit den ersten Verkaufsständen auf Märkten und nach Gottesdiensten in den Kirchen. Allen voran auch das Engagement der Stadt Neuss, die 2009 erste Fairtrade-Stadt in Nordrhein-Westfalen wurde.

Steuerungsgruppe

Zur Begleitung des Zertifizierungsprozesses zum "Fairtrade-Kreis" konstituierte sich im Neusser Kreishaus eine Steuerungsgruppe aus Vertretern der Kreisverwaltung, der Eine-Welt-Initiative und kirchlichen Gruppen. Zur Projektleiterin wurde Renate Kuglin von der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Kreisverwaltung und Gisela Welbers von der NEWI zur Sprecherin der Gruppe gewählt. Zur bundesweiten Fairen Woche plant die Steuerungsgruppe in Zusammenarbeit mit den Weltläden und Institutionen aus den Städten und Gemeinden einen Informations-Marktplatz rund um das Thema Fairer Handel während des großen Familienfestes am 19. September auf Schloss Dyck. Daneben soll auch in Schulen und Bildungseinrichtungen das Thema  stärker verankert werden.

Über die zu erfüllenden Bewerbungskriterien hinaus will der Kreis mit seinen Partnern nachhaltig das Bewusstsein für den Fairen Handel in der Bevölkerung und in der heimischen Wirtschaft verankern. So plant die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit einen virtuellen Fairtrade-Einkaufsführer für das Internet aufzubauen, auf der sich auch die kreisweiten Akteure präsentieren können. Unternehmen aber auch alle Bürger sind eingeladen, ihre fairen Einkaufs- und Genussstätten mitzuteilen.

"Ob im Kreis- oder Rathaus, in der Werkskantine, im Weltladen, in Schulen, in Cafés, in Sportvereinen oder im Lebensmitteleinzelhandel – der Faire Handel bietet viele Anknüpfungspunkte für ein Engagement", so Welbers.

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