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Computerstimme führt durch die Kreis-Homepage

zwei lächelnde Personen halten ein Laptop

Landrat Patt (l.) und Kreisdirektor Petrauschke stellten den neuen Service im Kreishaus Neuss vor.

Bürgerservice |

Ob Informationen zur neuen Ausstellung im Kreismuseum Zons oder die Verabschiedung einer Erklärung des Kreistages zur Vielfalt, Toleranz und Demokratie: Was bis vor kurzem auf der Homepage des Rhein-Kreises Neuss nur gelesen werden konnte, wird nun auch vorgelesen. Beim Klick auf das Lautsprechersymbol neben einer Meldung ertönt eine vom Computer generierte männliche Stimme. Eine "Voice on the web"-Entwicklung aus Schweden, die die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit eingekauft hat, macht das möglich. Die Firma VoiceCorp ist nach eigenen Angaben insbesondere in Skandinavien mit über 80 Kunden vom Königshaus über Parlament, Behörden und Behindertenorganisationen sehr erfolgreich.

"Internet spielt in der Kommunikation auch zwischen Bürgern und Verwaltung eine zunehmend wichtige Rolle. Der Rhein-Kreis Neuss hat auf diesem Gebiet erhebliche Anstrengungen unternommen und Erfolge erzielt. Mit unserem neuen Service wollen wir beispielsweise auch Menschen mit Lese-Rechtschreibproblemen, Sehschwierigkeiten oder auch Nicht-Muttersprachler den Zugang zu unserem Internetangebot erleichtern", sagt Landrat Dieter Patt. Und Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke ergänzt: "Es gibt häufig noch Zugangsbarrieren im Internet, die Menschen ohne Behinderungen unbekannt sind. Die wollen wir in unserem Internetauftritt für möglichst viele Benutzergruppen abbauen oder wenigstens senken." Für Senioren, die nur gelegentlich ins Internet gehen, kann der neue Service ebenfalls eine Erleichterung darstellen, ist sich Petrauschke sicher.

Auch Annette Höinghaus, Mitglied im Geschäftsführenden Vorstand beim Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., der selbst auch das System einsetzt, lobte die Anstrengungen des Kreises: "Es ist für unsere Betroffenen eine große Hilfe, wenn im Internet Vorleseprogramme wie ReadSpeaker genutzt werden können, die für den Anwender kostenlos sind und vor allem bei hoher Stimmenqualität keine besonderen Softwareanforderungen auf dem PC stellen. Dadurch erhalten Legastheniker, die den Computer überdurchschnittlich viel verwenden, eine Chancengleichheit beim Zugang zu Informationen."

Rund vier bis fünf Millionen Menschen mit Lese-Rechtschreibproblemen sowie weitere vier Millionen Analphabeten soll es nach Expertenmeinungen allein in Deutschland geben. Auf Grundlage von Hochrechnungen der Weltgesundheitsorganisation aus dem Jahre 2002 (WHO) gibt es laut Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV) bundesweit außerdem rund 1,2 Millionen sehbehinderte und blinde Menschen.

Während blinde Menschen sich meist eines eigenen speziellen Bildschirm-Auslese-Programms, so genannte Screen Reader, bedienen, sind viele sehbehinderte Menschen, auch Senioren, auf einfachere Hilfsmittel angewiesen.

So auch die sehbehinderte Dormagener Kreistagsabgeordnete Elisabeth Fittgen, die in wenigen Wochen auch eine Selbsthilfegruppe für Sehbehinderte im Rhein-Kreis Neuss gründen will. Sie zeigt sich hocherfreut über das neue Kreis-Angebot: "Ich kann auf Grund meiner Sehbehinderung nur mit einer Lupe im Internet lesen. Das neue Vorleseprogramm auf der Kreis-Hompage bietet für mich eine große Erleichterung."

Mit der gesetzlich vorgeschriebenen Barrierefreiheit für Behördeninternetseiten, hat der neue Kreis-Service allerdings weniger zu tun, wie Harald Vieten, Pressesprecher und Beauftragter für E-Government und Bürgerservice der Kreisverwaltung betont. "Hierzu hatten wir bereits mit unserem Internet-Neustart Mitte 2007 alle Vorgaben erfüllt. Mehr noch: mit Blinden und Sehbehinderten haben wir zusammen gearbeitet und unsere Homepage auf Barrierefreiheit testen lassen und dabei besonders gut abgeschnitten. Das neue Vorleseprogramm ist aber ein weiterer Baustein, um Barrieren im Internet abzubauen."

Um den kostenlosen Vorleseservice zu nutzen, braucht der Besucher der Kreis-Homepage keine spezielle Software. Ein normal audiofähiger Internet-Browser, eine Soundkarte mit Lautsprecher oder Kopfhörer reichen aus.

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