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Ernstfall im Kreiskrankenhaus geprobt

Menschen in einem Korb

Nach dem Brandausbruch wurden auch Menschen über Drehleitern gerettet

Sicherheit |

Den Ernstfall probten Feuerwehr, Rettungsdienst und Katastrophenschutz jetzt im Kreiskrankenhaus Dormagen. Das fiktive Szenario: Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg wird bei Ausschachtungsarbeiten an der Paul-Ehrlich-Straße gefunden. Ein Abtransport der "scharfen" Bombe ist nicht möglich, sie muss vor Ort entschärft werden. Vor Beginn der Entschärfung müssen aus Sicherheitsgründen Wohnhäuser im Umkreis von 300 Metern und das nahe gelegene Krankenhaus geräumt werden. "Der Alarm kam für die Einsatzkräfte nicht überraschend, trotzdem war die angekündigte Übung für alle Beteiligten eine große Herausforderung", sagte Bürgermeister Heinz Hilgers in einer ersten Bilanz der Übung am Samstag.

Mehr als 300 Kräfte waren allein bei der Feuerwehr und den Hilfsorganisationen aus dem Rhein- Kreis Neuss im Einsatz. Über 60 Jugendfeuerwehrleute spielten Patienten, die aus den Stationen des Kreiskrankenhauses verlegt werden mussten. Das Krankenhaus setzte seinen Alarmplan in Gang. Gehfähige Patienten wurden über den Hauptausgang herausgeführt, liegende Patienten mit Rettungswagen abtransportiert. Ein Teil der "Patienten" wurde in umliegende Kliniken verlegt, andere konnten für die Dauer der Bombenentschärfung im Notkrankenhaus untergebracht werden. Das Notkrankenhaus wurde von den Kräften der Hilfsorganisationen Malteser, Johanniter, DRK und THW auf dem Gelände des benachbarten Schulzentrums errichtet. Dort wurden nicht lebensgefährlich erkrankte Patienten provisorisch versorgt. Zügig aber ruhig sollten die Patienten aus dem Gefahrenbereich gebracht werden, nicht selten mussten die Einsatzkräfte auch mal ein paar aufmunternde Worte parat haben. Eine besondere Herausforderung war die Registrierung der Patienten und deren Verbleib, damit die Kollegen im Call-Center des Rhein-Kreises Neuss auch zeitnah die wichtigen Informationen zur Verfügung standen und keine Patient verloren ging.

Der Rhein-Kreis Neuss aktivierte ebenfalls seinen Krisenstab. Er besetzte ein Call-Center, das den Angehörigen Auskunft über den Verbleib der Patienten gibt. "Auch für die vielen Anrufe der umliegenden Bevölkerung steht das Call-Center im Ernstfall zur Verfügung", sagte Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke.

Für die Feuerwehrkräfte ließ sich die Übungsleiterin Sabine Voss eine zusätzliche Herausforderung einfallen: Künstlicher Rauch einer Nebelmaschine simulierte einen Brand, der während der fiktiven Evakuierung des Krankenhauses durch Unachtsamkeit in einer Station ausgebrochen war. "Wir haben die Einsatzkräfte voll gefordert", so Einsatzleiterin Sabine Voss. Schnell mussten die Patienten der betroffenen Station in rauchfreie Bereiche gebracht werden. Die realitätsnah geschminkten Jugendfeuerwehrleute spielten ihre Rolle gut. Sie trieben mit ihren Hilferufen und ihrer gespielten Panik manch einer gestandenen Einsatzkraft den Schweiß auf die Stirn.

Reale Patienten der Klinik beobachteten aufmerksam die Übung. In rheinischer Gelassenheit meinte eine ältere Patientin: "Endlich is he ens jet loss.", ihre Zimmernachbarin fügte hinzu: "Jod dat esu vill Minsche helpe kumme, wenn ens jet es." Auf Grund der frühzeitigen Information durch die Klinik waren die Patienten nicht beunruhigt.

"Die Sicherheit unserer Patienten steht für uns an oberster Stelle. Deshalb bitten wir um Verständnis für Einschränkungen, die sich bei solchen Übungen für die Patienten und Besucher des Krankenhauses nicht vermeiden lassen", sagt Krankenhausdirektor Hubert Retzsch.

Der ärztlicher Direktor Dr. Hans-Heinrich Jens lobte in einer ersten Bilanz die Einsatzkräfte und das Klinkpersonal gleichermaßen: "Während der aufwändigen Übung lief der normale Krankenhausbetrieb weiter. Es kamen bei uns Kinder zur Welt, möglicherweise ist auch jemand gestorben - das ist so im Krankenhaus."

Ziel der Übung war, die Evakuierungsplanung für das Krankenhaus einem realitätsnahen Test zu unterziehen. Weiterhin konnten die Einsatzkräfte so realitätsnah Erfahrungen sammeln, die auch auf ähnliche Objekte, wie zu Beispiel Alten- und Pflegeheime übertragbar sind. Die gute Zusammenarbeit aller beteiligten Einheiten und Einrichtungen konnte weiter ausgebaut und für spätere Einsätze konnten neue und wichtige Erkenntnisse gewonnen werden.

Quelle: Pressemitteilung der Stadt Dormagen

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