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Kreiskrankenhäuser bereiten sich auf Ärztestreik vor

Gesundheit |

Kaum ist der Streik an der Universitätsklinik beendet, müssen sich die Patienten nach dem Streikaufruf des Marburger Bundes an den kommunalen Kliniken auf neuen Ärger einstellen. Ob es an den beiden Kreiskrankenhäusern in Grevenbroich und Dormagen auch zu Streik des ärztlichen Personals kommen wird, ist zunächst noch offen. In Medienberichten wurde allerdings auch das Kreiskrankenhaus Grevenbroich genannt. Kreiskrankenhausdirektor Hubert Retzsch hatte schon in der vergangen Woche das Gespräch mit den Sprechern des Marburger Bundes gesucht. "In den nächsten Tagen gehen wir davon aus, dass am Kreiskrankenhaus Grevenbroich kurzzeitige, befristete Arbeitsniederlegungen einiger Ärzte stattfinden. Größere Auswirkungen auf den Betriebsablauf sind derzeit nicht zu erwarten", so Retzsch. Auf Ausweitungen der Arbeitsniederlegungen haben sich die Kreiskrankenhäuser dennoch vorbereitet. Entsprechende Notdienstvereinbarungen liegen griffbereit in der Schublade. Retzsch geht jedoch in die Offensive. "Anders als bei den Universitätskliniken haben wir an den kommunalen Krankenhäusern einen bestehenden Tarifvertrag mit geregelten Arbeitszeit. "Ein Assistenzarzt verdient mit durchschnittlichen Bereitschaftsdiensten an unseren Krankenhäusern zwischen 61.000 und 65.000 Euro, der Facharzt erhält rund 10.000 Euro mehr und ein Oberarzt verdient rund 100.000 Euro brutto", so Retzsch. Ohnehin sei die Krankenhausleitung seit mehreren Monaten dabei, neue Arbeitszeitkonzepte für das ärztliche Personal zu verabreden. Wenig Verständnis für die Forderung zeigt auch Krankenhausdezernent und Kreiskämmerer Ingolf Graul. Lohnerhöhungen für Ärzte von bis zu 30 Prozent, wie sie der Marburger Bund fordert, sind utopisch. Für die kommunalen Krankenhäuser, die nicht wie die Universtätskliniken durch die Länder, sondern in erster Linie durch die Kassen finanziert werden, ist dies nicht bezahlbar." Graul rechnet vor, dass eine 10- bis 20-prozentige Lohnerhöhung für die 125 beschäftigen Ärzte an den beiden Kreiskrankenhäusern in Grevenbroich und Dormagen rund 1,1 bzw. 2,2 Millionen Euro pro Jahr Mehrkosten verursachen würde. Schon heute schreiben mehr als ein Drittel der Kliniken rote Zahlen. Mit dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes (TVöD) sind Klinikärzte die am besten verdienende Berufsgruppe im öffentlichen Dienst. Darauf weist die Deutsche Krankenhaus Gesellschaft hin. So erzielen junge Klinikärzte an kommunalen Krankenhäusern heute bereits das Einkommen, das der Marburger Bund für die Uniklinikärzte unlängst erstreikt hat. In den vergangenen drei Jahren sind die Tarifgehälter um gut fünf Prozent gestiegen, während die Budgets der Kliniken nur um ein Prozent angehoben wurden. Auch Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke bittet die Tarifparteien um Augenmaß bei den Verhandlungen und warnt vor einem Pyrrhussieg des Marburger Bundes. "Ein zu hoher Abschluss wird das Sterben der öffentlichen Kliniken beschleunigen. Dabei droht auch ein Arbeitsplatzverlust bei Ärzten und beim Pflegepersonal. Am Ende fehlt dann die ortsnahe Versorgung und das wäre ein Verlust für alle."

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