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Vogelgrippe: Rhein-Kreis Neuss schaltet Hotline

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Nicht erst seit der Vogelgrippe bereitet sich der Rhein-Kreis Neuss auf mögliche Seuchen-Ausbrüche bei Mensch und Tier vor. Vor allem die Erfahrungen in den vergangenen Jahren mit den Verdachtsfällen bei der Maul- und Klauenseuche (MKS) und beim Schweren Akuten Atmungssyndrom (SARS) im Rhein-Kreis Neuss haben die Notfallplanungen weit voran gebracht. "Wir sind auf den Ernstfall vorbereitet", sagt der Landrat zusammen mit Kreisdirektor Hans-Jürgen Petrauschke und Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky sowie dem Krisenstab des Kreises. Von der im Tiefkeller des Grevenbroicher Kreishauses gelegenen Einsatzzentrale werden unter der Leitung des Landrates im Krisenfall die Abwehrmaßnahmen gesteuert. Dafür ist die Einsatzzentrale des Kreises mit moderner Technik ausgerüstet. Das Kreisveterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt und das Kreisgesundheitsamt haben sich bereits seit dem vergangenen Jahr intensiv auf einen möglichen Ausbruch der Vogelgrippe vorbereitet. Im Juni des vergangenen Jahres beschloss der Kreistag, dem Rahmenübereinkommen über die gegenseitige personelle Unterstützung im Tierseuchenkrisenfall beizutreten. Soweit eine Kreisordnungsbehörde eine Unterstützung für erforderlich hält, stellen landesweit die übrigen nicht direkt durch einen Seuchenfall betroffenen Kreisordnungsbehörden Tierärzte und Verwaltungspersonal zur Verfügung. Insbesondere würde die Unterstützung des Kreises Viersen angefordert werden, der den Ausbruch der Geflügelpest im Jahre 2003 erfolgreich bekämpft hat. Anfang Februar diesen Jahres fand eine gemeinsame Informationsveranstaltung mit den örtlichen Ordnungsbehörden, der Feuerwehr, dem Technischen Hilfswerk, weiteren Hilfsorganisationen und Vertretern der Landwirtschaft im Rhein-Kreis Neuss statt. Dabei wurden der Krisenplan und die gegenseitige Unterstützung im Seuchenfall besprochen. Gleichzeitig wurde die Ausstattung der zuständigen Ämter mit Schutzkleidung für die Einsatzkräfte aufgerüstet. Hotline eingerichtet Der Rhein-Kreis Neuss hat ab sofort eine Hotline unter der Rufnummer 02181/601-3930 eingerichtet, unter der Fragen zur Geflügelpest aus veterinärmedizinischer bzw. zur Vogelgrippe aus humanmedizinischer Sicht beantwortet werden. Über die Rufnummer sollen auch Meldungen über Fundorte von verendeten Vögeln durchgegeben werden. Die Hotline steht montags bis donnerstags von 8 bis 17 Uhr und freitags von 8 bis 14 Uhr zur Verfügung. Außerhalb der Hotlinezeiten ist in dringenden Fällen rund um die Uhr der "Beamte vom Dienst" des Rhein-Kreises Neuss unter der Mobilfunknummer 0172/9439015 zu erreichen. Meldungen zu verendeten Vögeln können auch bei den örtlichen Ordnungsbehörden vorgenommen werden. Stallpflicht wird kontrolliert "Die Erfahrungen auf Rügen und jetzt auch auf dem Festland in Mecklenburg-Vorpommern haben gezeigt, wie wichtig die Stallpflicht für Geflügel ist. Diese Verpflichtung ist in der augenblicklichen Situation die wichtigste Vorbeugemaßnahme gegen die Einschleppung der Geflügelpest in Nutztierbestände", erläutert Dr. Gerhard Fischer, Leiter des Kreisveterinär- und Lebensmittelüberwachungsamtes. Erste Überprüfungen am Wochenende haben ergeben, dass der Stallpflicht im Rhein-Kreis Neuss weitgehend, aber noch nicht in allen Fällen nachgekommen wurde. "Die Stallpflicht muss unbedingt ernst genommen werden. Wir werden weiterhin streng kontrollieren und gegebenenfalls ordnungsbehördlich gegen uneinsichtige Geflügelhalter vorgehen", so Fischer. Vor allem Enten und Gänse können mit dem Geflügelpestvirus infiziert sein, aber dennoch nur leicht erkranken. Es ist deshalb davon auszugehen, dass diese infizierten Vögel weite Strecken zurücklegen können und so das Virus verbreiten. Hausgeflügel kann sich dann durch den direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder mit deren Kot sowie durch indirekten Kontakt (z. B. über kontaminiertes Schuhwerk) anstecken. Während eine Infektion durch indirekten Kontakt durch allgemeine Hygienemaßnahmen vermieden werden kann, muss der direkte Kontakt mit infizierten Wildvögeln oder deren Ausscheidungen durch die Stallpflicht des Hausgeflügels unbedingt verhindert werden. Die Pflicht gilt gleichermaßen für Wirtschaftsgeflügel wie für Hobbyhaltung. Untersuchung von Wildvögeln bisher ohne Befund Zu den weiteren Maßnahmen, die der Landrat ergriffen hat, zählt die Untersuchung von verendet aufgefundenen Vögeln. Insgesamt wurden in den vergangenen Tagen 48 Vögel von Mitarbeitern der örtlichen Ordnungsbehörden, Feuerwehren sowie des Kreises dem Staatlichen Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld zur Untersuchung zugeleitet. Die ersten neun Untersuchungen auf den auch für Menschen gefährlichen H5N1-Virus waren negativ. Die weiteren Ergebnisse werden Anfang kommender Woche im Kreishaus erwartet. Fischer geht nach wie vor davon aus, dass es sich bei den verendeten Tieren um die üblichen jahreszeitlichen Winterverluste handelt. Dennoch setzt Fischer weiterhin auf die Unterstützung der Bevölkerung. Falls noch weitere verendete Vögel aufgefunden werden, sollten diese sofort gemeldet werden. Kontakt vermeiden Dabei gilt generell: Kranke oder tote Vögel, unabhängig davon, ob es sich um Haus- oder Wildvögel handelt, sollten nicht mit bloßen Händen angefasst werden. Kommt es trotz aller Vorsichtsmaßnahmen zu einem direkten Kontakt mit einem kranken oder toten Vogel, genügen die normalen Hygienemaßnahmen: Hände gründlich mit Wasser und Seife waschen, ggf. Hände-Desinfektion, durch Ausscheidung verschmutzte Kleidung in der Waschmaschine reinigen. In Zweifelsfällen sollte man das Veterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt informieren. Fischer weist nochmals darauf hin, dass verendetes Wildgeflügel sofort gemeldet werden muss. Rastplätze von durchziehenden Vögeln sollten gemieden werden, um die Tiere nicht unnötig zu beunruhigen und vor allem nicht in den Kontakt mit den Ausscheidungen der Tiere zu kommen. Eilverordnung ergänzt Darüber hinaus weist das Kreisveterinär- und Lebensmittelüberwachungsamt auf folgende neu aufgenommene Bestimmung in der Eilverordnung des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz: Gewerbsmäßig gehaltenes Geflügel darf die Gemeinde des Standortes nur verlassen, wenn es 14 Tage vor dem Inverkehrbringen in geschlossenen Ställen gehalten und längstens zwei Tage vorher tierärztlich untersucht worden ist. Über die Untersuchung muss eine tierärztliche Bescheinigung mitgeführt werden. Das Kreisgesundheitsamt bietet Info-Service Aktuelle Nachrichten zur Vogelgrippe können auch unter www.rhein-kreis-neuss.de/gesundheitsamt im Internet abgerufen werden. Dort wurde auch ein Forum zum Thema eingerichtet. Dr. Michael Dörr, Leiter des Kreisgesundheitsamtes: "Eine Infektion mit dem Vogelgrippevirus H5N1 führt in der Regel beim Menschen zu grippeähnlichen Symptomen. Nach den gegenwärtigen Erkenntnissen erfolgt eine Infektion allerdings nur, wenn ein direkter Kontakt zu den infizierten Tieren, deren Ausscheidungen oder kontaminierten Produkten, Kleidungsstücken und Gegenständen erfolgt. Sollte sich nach Kontakt mit Geflügel ein grippeähnliches Beschwerdebild einstellen, rät das Kreisgesundheitsamt unverzüglich den Hausarzt aufzusuchen."

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