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Forschung und Erhaltung seltener Geflügelrassen

Tiere |

Über die Arbeit des Wissenschaftlichen Geflügelhofs in Rommerskirchen-Sinsteden informierte jetzt Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky gemeinsam mit Prof. Dr. Gerd Rehkämper von der Heinrich-Heine Universität Düsseldorf, wissenschaftlicher Leiter des Geflügelhofs, und Dr. Gerhard Fischer, Leiter des Kreisveterinäramts. Am Wissenschaftlichen Geflügelhof des Bundes Deutscher Rassegeflügelzüchter wird die Biologie des Rassegeflügels erforscht, um zur biologischen Grundlagenforschung und zum wissenschaftlichen Tierschutz beizutragen. "Der Rhein-Kreis Neuss hat dieses in Europa wohl einzigartige Projekt von Anfang an unterstützt und hier beim Landwirtschaftsmuseum in Sinsteden das Grundstück für den Geflügelhof zur Verfügung gestellt. Heute sind wir froh, diese wissenschaftliche Einrichtung vorweisen zu können," betonte Kreisgesundheitsdezernent Karsten Mankowsky. "Mehr als die Hälfte des Kreisgebiets wird landwirtschaftlich genutzt. Die Landwirtschaft ist daher ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Rhein-Kreis Neuss." Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit am Geflügelhof stehen zwei über mehrere Jahre angelegte Forschungsprojekte, an denen Prof. Dr. Rehkämper zusammen mit zwei Biologinnen arbeitet. Zum einen wird eine alte Geflügelrasse, die Landente mit Haube, erforscht. Bei dieser Rasse hat die Zucht zu einer Fetteinlagerung im Gehirn geführt, die bei den Tieren zu schweren Bewegungsstörungen führen kann. "Ein Tierschutzproblem, das zum Aussterben der Rasse führen könnte. Hier zeigt sich, wie praxisrelevant unsere Forschungsarbeit ist", erläuterte Prof. Rehkämper. Zusammen mit der Biologin Julia Cnotka entwickelt er Testverfahren, um die Auswahl gesunder Zuchttiere zu gewährleisten. "So kann die Zucht wieder in ein gesundes Fahrwasser geführt werden und die Rasse bleibt erhalten. Die bisherigen Erfolge bestärken uns auf diesen Weg", so Prof. Rehkämper. Das zweite Projekt ist von grundlegender Bedeutung für die Evolutionsbiologie und befasst sich mit der Entstehung neuer Arten. Die Frage, ob sich im Zuge der Haltung und Züchtung durch den Menschen eine neue Tierart entwickeln kann, wird am Beispiel der Holländer Haubenhühner untersucht. Diese Rasse unterscheidet sich durch ein größeres Gehirn und durch ihre Lernleistungen von anderen Hühnerrassen. Nach einem strengen Begutachtungsverfahren wird dieses Projekt jetzt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft finanziell unterstützt. Neben der Forschung bildet die Erhaltung der genetischen Vielfalt des Rassegeflügels einen Schwerpunkt der Arbeit des Wissenschaftlichen Geflügelhofs. "Wenn Tierrassen selten werden, droht ein unwiederbringlicher Verlust durch Aussterben. Durch die erfolgreiche Vermehrung seltener Rassen leistet der Wissenschaftliche Geflügelhof einen Beitrag zur Erhaltung genetischen Vielfalt," stellte Prof. Dr. Rehkämper fest. Aufgrund der Zuchterfolge können Jungtiere inzwischen an andere Einrichtungen wie zum Beispiel den Zoo Duisburg und den Kinderbauernhof in Neuss abgegegeben werden. Rund 200 Hühner, Enten und Tauben umfasst der ständige Bestand des Wissenschaftlichen Geflügelhofs. Darunter sind viele Vertreter seltener Rassen. "Das Veterinäramt hat besondere Vorkehrungen getroffen, um diesen wertvollen Bestand im Falle einer Ausbreitung der Vogelgrippe zu schützen," erklärte Dr. Gerhard Fischer, Leiter des Veterinäramts beim Rhein-Kreis Neuss. "Vorbeugende Maßnahmen wie die Abschirmung vor Kontakten mit Zugvögeln und ausschließliche Fütterung im Stall sind vereinbart. Außerdem hat das Veterinäramt bereits eine Ausnahmegenehmigung der EU eingeholt, damit der gesamte Bestand des Wissenschaftlichen Geflügelhofs bei drohender Ausbreitung der Vogelgrippe geimpft werden kann."

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