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Nachwachsende Rohstoffe

Wirtschaft |

Bambus ist die Pflanze mit der höchsten Wachstumsgeschwindigkeit und damit eine schnell heranwachsende Ressource. Das Riesengras wird für eine Vielzahl von Anwendungen genutzt. Der Grund: kein anderes natürliches Material besitzt mehr Elastizität, Härte und Festigkeit als das "neue Gold" Kolumbiens, wo Bambus in besonderer Qualität wächst. Aufgrund der Verbindungen des Rhein-Kreises Neuss nach Lateinamerika hatte die Wirtschaftsförderung des Kreises zusammen mit der Stiftung Schloss Dyck zu einem Symposium unter der Überschrift "Bauen mit Bambus" eingeladen. Unterstützt wurde die passend zum Jahr des Bambus auf Schloss Dyck stattfindende Veranstaltung von der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen sowie den Unternehmen CONBAM und Bamboo Technologies.

Die Initiative zu dem in Deutschland erstmaligen Bambus-Workshop entstand im Nachgang zur Lateinamerikakonferenz der Deutschen Wirtschaft in Cartagena im Mai dieses Jahres. "Der kolumbianische Generalkonsul Hellmut Lücker hat mich auf die Spur gebracht", erklärt Landrat Dieter Patt, der das hochkarätige Symposium eröffnete. Dass der nachwachsende Rohstoff gefragt und international auf dem Vormarsch ist, hat nicht nur die Weltausstellung in Hannover gezeigt, sondern auch die vielen renommierten Wissenschaftler und Architekten, die nach Jüchen gekommen sind, um über die Verwendung des Bambus als Baumaterial zu beraten.

So referierte Prof. Dr. Walter Liese von der Universität Hamburg, ein weltweit führender Fachmann für Bambusbehandlung, über den Bambus als Pflanze und Rohstoff sowie über die Möglichkeiten Bambus vor Schäden zu schützen. Dr. Michael Tistl von der Gesellschaft Technischer Zusammenarbeit in Kolumbien ist für das Symposium extra nach Deutschland gereist. Er hielt einen Vortrag über die Entwicklung des Bambus in Kolumbien - von der Katastrophenhilfe zur nachhaltigen Forstwirtschaft. Ein weiterer international anerkannter Experte war aus den Niederlanden nach Schloss Dyck gekommen: Prof. Dr. Jules J. A. Janssen, Professor an der Technischen Universität Eindhoven, informierte über die Verfahren zur Normung von Bambus in den USA und Europa und gab praktische Tipps zu deren Anwendung der Verfahren. Über die Entwicklung effizienter Knotenstabtragwerke aus Bambus referierte Dr. Evelin Rottke von der RWTH Aachen. Christoph Tönges von der Firma CONBAM berichtete über innovativen Leichtbau mit Bambus, während der aus dem Sauerland stammende und in Kolumbien lebende Jörg Stamm, dessen Firma Bamboo Technologies weltweit führend im Bereich des Bambusbaus ist, über die Entwicklung von deutscher Handwerkstradition zu kolumbianischen Bambusbrücken vortrug. Mit Marko Brajovic aus der Schweiz und David Guzman aus Spanien referierten zwei weitere internationale Experten über Möglichkeiten beim Bauen mit Bambus.

Die Republik Kolumbien verfügt über ein sehr großes Aufkommen nachwachsender Rohstoffe. Bambus produziert viermal so viel Biomasse wie Eiche und braucht zum Wachstum nur wenig Energie, dabei ist er ein Material mit enormen mechanischen Eigenschaften. Bambus produziert gegenüber den meisten Pflanzen mehr Sauerstoff und bindet mehr Kohlendioxid. Durch sein weit verzweigtes Wurzelsystem verhindert Bambus außerdem Bodenerosion.

"Der Rhein-Kreis Neuss ist im Rahmen des Aufbaus eines Handels- und Distributionszentrums für lateinamerikanische Waren daran interessiert, Kooperationen und neue Transportwege mit den kolumbianischen Häfen Cartagena und Baranquilla aufzubauen", sagt Landrat Patt. Erst kürzlich besuchte eine Unternehmer-Delegation aus Kolumbien im Neusser Hafen Produktionsanlagen für Biodiesel. Ein 40-Fuß-Container mit Bambus, bestellt von der Neusser Holzhandlung Jungbluth und CONBAM, ist bereits im Neusser Hafen eingetroffen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur und dem neuen Institut mit der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf und der RWTH Aachen auf Schloss Dyck ist vorgesehen. Als Werkstoff hat Bambus erst vor kurzem auch im heimischen Handwerk von sich reden gemacht: Beim diesjährigen, von der Tischler-Innung Rhein-Kreis Neuss ausgerichteten Wettbewerb "Die gute Form" wurde ein Gesellenstück aus Bambus mit dem 1. Preis ausgezeichnet.

Im November wird es in Cartagena eine Nachfolgekonferenz zu den Themenbereichen Häfen, Umwelt, Logistik, Nahrungsmittel und Bambus geben. "Unternehmen aus dem Rhein-Kreis Neuss und der Region haben hier die Möglichkeit, neue Kooperationspartner in diesem wichtigen Markt zu finden", so Patt.

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