Stapel regionaler Zeitungen

Sie befinden Sich hier:

Inhalt

Interessante "Wertpapiere" aus früheren Tagen des Kreisgebietes

Schule |

"Wie bitte? Eine Million Mark von der Stadt Neuss? Für diesen Wisch? Nie im Leben!" Was heute zu Recht als Aprilscherz eingestuft und Reaktionen wie diese fiktive hervorrufen würde, war in den frühen 20er Jahren für die deutsche Bevölkerung bittere Realität. Inflationsgeld, so der bezeichnende Name der bedruckten Papiere, von denen im Archiv des Rhein-Kreises an der Zonser Schloßstraße eine beachtliche Anzahl von Exemplaren lagert. "Das Inflationsgeld kam um das Jahr 1922 durch die Reparationszahlungen für den Krieg und die Ruhrbesetzung auf", erklärt Dr. Karl Emsbach, Kreisarchivdirektor und Leiter des Archivs in Zons. "Die Stelle, die auf dem jeweiligen Schein unterzeichnet hatte, bürgte offiziell für den angegebenen Wert." Doch trotz der astronomischen Beträge auf dem Papier - zum Teil einige Milliarden oder sogar Billionen Mark - sei das "Geld" in jenen Tagen faktisch nichts wert gewesen. Auch wenn das so genannte Notgeld aus der Zeit des Ersten Weltkriegs deutlich bescheidenere Summen aufweist, macht es optisch betrachtet doch mehr her als seine inflationären Nachfolger. Neben bunten Scheinen zu fünf Mark oder fünfzig Pfennig aus Nordfriesland, dem Ruhrgebiet, dem Frankenland und anderen Teilen des damaligen Deutschen Reiches sind im Kreisarchiv auch Stücke mit dem Neusser Obertor oder einer Zonser Stadtansicht zu bestaunen. "Dieses Zahlungsmittel wurde aufgrund eines Mangels an Münzen, deren Metalle man für die Rüstung benötigte, eingesetzt", so Dr. Emsbach. Insgesamt beinhaltet die beeindruckende Archivsammlung von Not- und Inflationsgeld etwa 5000 Exemplare. Gesucht werden noch weitere Firmenemissionen, besonders in Form von Blechmünzen und Lederflicken. Wer sich für diese und andere Zeugnisse der nationalen wie lokalen Vergangenheit interessiert, ist herzlich eingeladen, im Kreisarchiv vorbeizuschauen. Geöffnet ist von montags bis donnerstags zwischen 8 und 12.30 Uhr sowie zwischen 13.30 und 16 Uhr. Freitags ist am Nachmittag geschlossen.

Wichtiger Hinweis: Sie sehen eine Archivseite. Diese Informationen geben den Stand des Veröffentlichungstages wieder () und sind möglicherweise nicht mehr aktuell.