Das Braunkohlerevier
Für den Strukturwandel im Rhein-Kreis Neuss liegt jetzt ein erster Maßnahmenkatalog der Kreisverwaltung vor. © Rhein-Kreis Neuss

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Strukturwandel im Braunkohlerevier: Rhein-Kreis Neuss hat Maßnahmenkatalog für Strukturprogramm angemeldet

Wirtschaft |

In seiner Resolution vom Juni hat der Kreistag des Rhein-Kreises Neuss die Bundesregierung und die Kommission "Wachstum, Strukturwandel und Beschäftigung" aufgefordert, den Braunkohleausstieg verantwortungsvoll und mit Augenmaß zu gestalten, um Strukturbrüche im Rheinischen Revier zu vermeiden. Mit diesem Ziel hat die Kreisverwaltung für ein mögliches Sofortprogramm ab 2019 über die Zukunftsagentur Rheinisches Revier (ZRR) bereits ein ganzes Paket an Projekten und Maßnahmen dem Landesministerium für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie gemeldet. Auch der Kohlekommission des Bundes wurde der Maßnahmenkatalog übermittelt.

"Wir wollen aktiv zur positiven Gestaltung des Strukturwandels in unserer Region beitragen. Und wir dürfen keine Zeit verlieren, wenn wir mit dabei sein wollen, wenn die ersten Strukturprogramme starten", betont Landrat Hans-Jürgen Petrauschke zu dem Kreispapier. Von der Bundesregierung hatte der Kreistag zuvor schon gefordert, den Strukturwandel im Rheinischen Revier wegen der besonderen wirtschaftlichen Bedeutung für Gesamtdeutschland durch die Bereitstellung erheblicher Finanzmittel zu unterstützten.

Der Kreis hat sieben Entwicklungsthemen mit einer Vielzahl an konkreten Einzelmaßnahmen zusammengestellt.

Dazu gehört die Einrichtung einer Sonderförderzone mit Überführung des Rheinischen Reviers in die Förderzone C der Bund-Länder Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur".

Bei der Verkehrsinfrastruktur geht es um die vorrangige und kurzfristige Umsetzung von Maßnahmen wie dem Ausbau der A 61 im Bereich Mönchengladbach, der Ortsumgehung in Allrath und Sinsteden (B 59) und der Ortsumgehung Rommerskirchen/Butzheim (B 477). Im Schienenverkehr sind der zweigleisige Ausbau der Strecke Kaldenkirchen-Dülken, die Engpassbeseitigung Möchengladbach-Rheydt, die Realisierung einer S-Bahn-Verbindung Mönchengladbach-Jüchen-Grevenbroich-Rommerskirchen-Köln und eine schnelle Fernverkehrsanbindung von Venlo über Mönchengladbach und Neuss nach Düsseldorf (so genanntes RoCK-Projekt) enthaltene Maßnahmen.

Im Bereich der digitalen Infrastruktur soll der Rhein-Kreis Neuss zu einer Modellregion für die erste flächendeckende Versorgung mit Glasfaser bis in jeden Haushalt in Gigabit-Geschwindigkeit plus Mobilfunk in der Qualität 5G bis 2025 entwickelt werden.

Für innovative  Forschung, Entwicklung und Bildung wird ein "Campus Changeneering" angestrebt, in dem die Bereiche Metall, Chemie, Gesundheit, Wirtschaft und Wissenschaft - auch interdisziplinär – neue Entwicklungen vorantreiben. Mit der Ansiedlung von Hochschul- und Forschungsinstituten soll zudem die Umschulung in der Energiewirtschaft nicht mehr benötigter Fachkräfte mit Anschlussperspektive eröffnet werden.

Bestandteile des "Campus Changeneering" mit möglichem Standort in Grevenbroich-Neurath und/oder am Kraftwerkstandort "Grevenbroich-Frimmersdorf" sind auch die Zukunftsprojekte ALU VALLEY und Campus Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft.

  • Das ALU VALLEY 4.0 hat die Stärkung des Rheinischen Reviers als Zukunftsstandort für die Aluminiumbranche zum Ziel. In dem Innovations- und Anwendungszentrum steht der energieeffiziente Einsatz des Werkstoffes Aluminium und seine verstärkte Anwendung insbesondere in der Bau-, Verpackungs- und Maschinenbauindustrie sowie im Freizeit- und Designbereich im Mittelpunkt. Für das Projekt wurde bereits ein Förderantrag im Rahmen des Bundesprogramms "Unternehmen Revier" gestellt.
  • Beim Campus für Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft soll im Rheinischen Revier mit der Umsetzung eines Gewerbeparkkonzepts - spezialisiert und ausgerichtet auf die dynamischen wirtschaftlichen Wachstumsfelder Medizintechnik und Gesundheitswirtschaft - ein herausgehobenes Wirtschaftscluster entstehen. Zudem soll dieser Campus als ein Deutsches Silicon Valley für die Sparte "Medizin und Gesundheitswirtschaft" entwickelt werden, das auch internationale Bedeutung erlangt.

Um den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien geht es beim Innovationspark Jüchen. Durch dessen Anbindung an einen der größten Onshore-Windparks soll ein neuer Maßstab der Nutzung erneuerbarer Energien in Gewerbegebieten erreicht werden. Die Ergänzung durch ein Science-Center eröffnet zudem neue Möglichkeiten für den Know-how-Transfer "Science to Business". Auch die Etablierung von zukunftsfähigen Speichertechnologien ist ein Projektziel. Es sollen sowohl Batteriespeicher zum Einsatz kommen wie eine Power-to-Gas-Anlage.

Beim Thema Flächennutzung ist die zügige verkehrliche Erschließung des geplanten Interkommunalen Gewerbegebiets Jüchen/Grevenbroich ein Ziel. Zentrale planerische Frage ist hier die Realisierung einer Anbindung möglichst über die Autobahn A 540 – gegebenenfalls mit Abstufung zur Bundesstraße. Außerdem ist eine Brücke zur Führung der Bahn unter der A 46 in das Industriegebiet erforderlich.

Insgesamt werden für das Rheinische Revier Erleichterungen bei der Ausweisung bzw. Entwicklung besonders von Gewerbeflächen sowie ein Flächenbonus gefordert. Durch Verfahrenserleichterung und die Verkürzung von Planungszeiten soll es den Kommunen im Rheinischen Revier erleichtert werden, künftig sowohl Wohnbau- als auch Gewerbeflächen auszuweisen und zu realisieren.

Zur Umnutzung des Kraftwerksstandorts Frimmersdorf soll nach dem Auslaufen der Sicherheitsbereitschaft ein zeitnaher Rückbau mit Entwicklung zur weiteren industriellen und gewerblichen Nutzung erfolgen – zum Beispiel durch Ansiedlung einer landesweiten Rechenzentrums.

Angrenzend an das Kraftwerk Neurath steht eine rund 300 Hektar große Fläche zur Verfügung, die im Landesentwicklungsplan NRW als Standort für flächenintensive Großvorhaben dargestellt ist. Hier soll erreicht werden, dass mit Hilfe von Bund und Land möglichst kurzfristig namenhafte Investoren für die Entwicklung und Erschließung dieser Fläche gefunden werden.

Beim "Masterplan Rheinisches Sixpack" geht es um die qualifizierte Entwicklung der bestehenden, brachen und potenziellen Gewerbe- und Industrieflächen in den Kommunen Bedburg, Bergheim, Elsdorf, Grevenbroich, Jüchen und Rommerskirchen unter Berücksichtigung von vorhandenen oder entstehenden Flächenpotentialen.

Im Bereich Freiraumnutzung und Tourismus soll unter dem Stichwort "Route Kulturlandschaft/Grüner Ring Garzweiler" eine Erhöhung der regionalen Wertschöpfung durch den Fahrradtourismus erreicht werden. Auch hierfür wurde bereits ein Förderantrag im Rahmen des Bundesprogramms "Unternehmen Revier" gestellt.