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Kreis und Stadt unterstützen Machbarkeitsstudie: Kanuten schlagen künstlichen Wildwasserkanal am Badesee als Ersatz für die Erft vor

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In die Fluten eines Wildwasserkanals können sich Kanusportler aus ganz NRW künftig möglicherweise am Straberg-Nievenheimer Badesee stürzen. Die Idee zu dieser künstlichen Trainings- und Wettkampfstrecke wird jetzt in einer Machbarkeitsstudie untersucht. Initiator ist der WSC Bayer Dormagen, der das Projekt zusammen mit dem Landeskanuverband entwickelt hat. „Wir suchen mittelfristig Ersatz für unseren Landesleistungsstützpunkt an der Erft in Neuss“, sagt der WSC-Projektverantwortliche Jens Kollosche. Der vorhandene Standort ist spätestens ab 2030 gefährdet, weil dann kein Sümpfungswasser aus dem Braunkohletagebau mehr eingeleitet wird.

„Das Vorhaben ist eine Chance für rund 750 Kanuten aus zahlreichen Vereinen, die jede Woche an der Erft trainieren“, machte Landrat Hans-Jürgen Petrauschke bei der Vorstellung dieser Idee am 11. Dezember im Dormagener Rathaus deutlich. Mehr als die Hälfte aller Kadersportler in NRW sind auf den Stützpunkt in Neuss angewiesen, hinzu kommen zahlreiche Freizeitpaddler und Teilnehmer der kommerziell angebotenen Rafting-Fahrten.

Am Straberg-Nievenheimer See bestünde ebenfalls die Möglichkeit, das Trainingszentrum mit touristischen Angeboten wie Rafting, Wellensurfen und besonderen Paddelerlebnissen zu kombinieren. „Schon heute haben wir dort ein hervorragendes Wassersport-Paradies mit der Wakeboard-Anlage und der großen Segelschule des Bayer-Yachtclubs. Mit der Wildwasserstrecke würde der See sicher zur überregionalen Attraktion werden“, sagt Bürgermeister Erik Lierenfeld. Derzeit beschäftigt sich die Stadt ohnehin mit einem Zukunftskonzept für den gesamten Bereich der Straberg-Nievenheimer Seenplatte. Die Ideen reichen von Rundwegen für Spaziergänger und Jogger über einen Kletter- und Spielpark bis hin zum See-Restaurant. Dem Ziel, hier eine lebendige Freizeitstätte zu schaffen, würde auch der Wildwasserkanal entsprechen.

„Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg“, warnt der Bürgermeister vor vorschnellen Erwartungen. Viele Fragen sind noch zu klären. Der Natur- und Artenschutz an den Seeufern ist ein zentrales Thema. Die Verkehrserschließung und der nötige Bau von Parkplätzen müssen geklärt werden. Ein Knackpunkt wird nicht zuletzt auch die Finanzierung sein. Ein ähnlicher Wildwasserpark, der in Markkleeberg bei Leipzig entstanden ist, hat 11,9 Millionen Euro gekostet. „Ohne erhebliche Fördergelder für einen neuen Landes- oder auch Bundesleistungsstützpunkt wird man das Projekt nicht verwirklichen können“, so Landrat Petrauschke.

Der nächste Schritt ist nun die Machbarkeitsstudie, die von der Unternehmensberatung fwi hamburg erstellt wird. Sie wird den Standort sowohl unter ökologischen als auch ökonomischen Aspekten durchleuchten und eine erste Grobkonzeption für die Anlage erstellen. „Schon in dieser frühen Phase werden wir auch auf die Umweltschutzverbände und die Anwohner zugehen und sie aktiv in die Überlegungen einbeziehen“, sind sich alle Projektpartner einig. Der Landeskanuverband hat sich bereit erklärt, die Studie in Auftrag zu geben. An den Kosten von 17 100 Euro beteiligen sich Land, Stadt und Kreis zu jeweils einem Drittel.

„Für uns hätte der künstliche Wildwasserkanal große Vorteile“, erläutert WSC-Projektverantwortlicher Kollosche. „Die Wasserstände sind konstant, sodass wir im Gegensatz zur Erft immer trainieren könnten. Die Fließgeschwindigkeit und der Schwierigkeitsgrad auch bei den Hindernissen können dabei variiert werden.“ Von solchen optimalen Rahmenbedingungen erhofft sich der WSC, dass er mit seinen Toptalenten weiterhin in der nationalen Spitze und auch bei Europa- und Weltmeisterschaften vertreten ist. Der Club zählt 300 Mitglieder und konnte schon 1972 mit Theo Nüsing und Hans Jakob Hitz zwei Teilnehmer zu den Olympischen Spielen in München entsenden. Aktuell gehört Anna Faber zum Bundeskader im Kanuslalom und zeigt konstant Höchstleistungen auf internationalem Niveau. Mit Maren Lutz und Liv Konrad stellt der WSC die deutschen Junioren-Meisterinnen in der Disziplin Kanuslalom Kajak Mannschaft. Bei den Schülerinnen ist Nele Baikowski deutsche Meisterin. Die beiden Kanu-Freestyler Max Münchow und Robert Büchmann vom WSC nahmen in diesem Jahr an der Weltmeisterschaft in Argentinien teil.

Dem Kanuverband NRW gehören 35 000 Mitglieder in 370 Vereinen an. „Die schauen jetzt alle gespannt nach Dormagen“, ist sich WSC-Vorsitzender Jürgen Münchow sicher. „Das ist ein Projekt, von dem wir denken, dass es ein Erfolg werden kann. Ein großes Dankeschön gilt allen, die diese Idee bisher vorangetrieben haben“, sagt der Vize-Präsident des Landeskanuverbandes, Bernard Verhoef.

Quelle: Stadt Dormagen