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Sie präsentierten die Studie „Die Investitionslücke am Mittleren Niederrhein“ (v.l.): Rupert Lienau (Komplementär Creditreform Krefeld und Vizepräsident Creditreform Deutschland), Chris Proios (Berater Creditreform), Jürgen Steinmetz (Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein) und Gregor Werkle (Referent für Wirtschaftspolitik der IHK Mittlerer Niederrhein). © Industrie- und Handelskammer

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IHK-Analyse zu Investitionen: Rhein-Kreis ist der Treiber am Mittleren Niederrhein

Wirtschaft |

Die Bruttoanlageninvestitionen im Rhein-Kreis Neuss haben sich nach der Wirtschaftskrise 2008 sehr dynamisch entwickelt. Für die Region insgesamt zeigt sich jedoch ein weniger erfreuliches Bild. Die Betriebe aller Branchen würden mehr investieren, wenn die Rahmenbedingungen günstiger wären. Dies sind die wesentlichen Ergebnisse der Studie "Die Investitionslücke am Mittleren Niederrhein", die die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein nun gemeinsam mit Creditreform vorgestellt hat. Zu hohe kommunale Steuersätze, mangelhafte Breitbandanbindung und der schlechte Zustand der Verkehrsinfrastruktur sind aus Sicht der Unternehmen in der Region die schwerwiegendsten Investitionshemmnisse.

"Für die regionale Entwicklung sind private Investitionen von großer Bedeutung", erklärt Jürgen Steinmetz, Hauptgeschäftsführer der IHK Mittlerer Niederrhein. "Investitionen von Unternehmen sind ein Bekenntnis für den jeweiligen Betriebsstandort und sichern damit Arbeitsplätze." Zuletzt beobachtete die IHK im Rahmen der Konjunkturberichterstattung, dass das Investitionsverhalten der Betriebe in der Region eher zurückhaltend war. "Die Investitionsbudgets wurden zwar regelmäßig moderat erhöht, gemessen an der guten Geschäftslage erschien ihr Wachstum jedoch sehr gering", erklärt Steinmetz den Grund für die Erarbeitung der Studie.

Für die Analyse des Investitionsgeschehens griff die IHK unter anderem auf Daten der Wirtschaftsauskunftei Creditreform zurück. Dabei handelte es sich um kumulierte Bilanzdaten der Unternehmen am Mittleren Niederrhein. Die Sachanlagen sind demnach von 2005 bis 2014 um lediglich 19 Prozent angewachsen. Der kumulierte Bilanzwert der Unterposition "Technische Anlagen und Maschinen" lag im Jahr 2014 sogar 1,2 Prozent unter dem Wert von 2005. "Dies ist ein Indiz dafür, dass die Unternehmen im Zeitverlauf bei größeren realen Investitionen zurückhaltender geworden sind", erklärt Rupert Lienau, Komplementär Creditreform Krefeld und Vizepräsident Creditreform Deutschland.

Die IHK nutzte für ihre Analyse auch Daten von IT.NRW. "Demnach sind die Bruttoanlageinvestitionen der Industrie am Mittleren Niederrhein in den vergangenen 15 Jahren zurückgegangen", berichtet Gregor Werkle, IHK-Referent für Wirtschaftspolitik. "Das Niveau aus dem Jahr 2007 konnte nach der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht wieder erreicht werden."

Von den vier Teilregionen am Mittleren Niederrhein ist nur im Rhein-Kreis Neuss eine dynamische Entwicklung der Investitionen seit 2010 zu beobachten. "Der Rhein-Kreis ist der Investitionstreiber am Mittleren Niederrhein", erklärt Werkle. Insbesondere die Chemische Industrie und die Metallerzeugung waren von den industriellen Branchen die investitionsfreudigsten. "Diese beiden Branchen sind für mehr als 60 Prozent der Bruttoanlageinvestitionen im Jahr 2015 im verarbeitenden Gewerbe des Rhein-Kreises verantwortlich", erklärt Werkle.

Die regionalen Ergebnisse sind aus Sicht der IHK bedenklich. Dass sich die Investitionen in der Gesamtregion von 2000 bis 2015 schlechter entwickelt haben als im Bundesland Nordrhein-Westfalen, ist kein gutes Zeichen. Dies erscheint vor dem Hintergrund, dass die Entwicklung der Bruttoanlageinvestitionen in NRW darüber hinaus wiederum schwächer als in anderen westdeutschen Flächenländern verlaufen ist, umso alarmierender. In einer breit angelegten Unternehmensbefragung hat die IHK daher nach den Gründen für diese Investitionszurückhaltung der Unternehmen in der Region geforscht.

"27 Prozent der Unternehmen hätten an ihrem Betriebsstandort in der Region mehr investiert, wenn die Rahmenbedingungen am Standort besser gewesen wären", erklärt Steinmetz. "Dieses Ergebnis variiert zwischen den Teilregionen kaum. Diese Einschätzung gilt somit auch für den Rhein-Kreis Neuss." Nach Meinung der IHK dürften die guten Ergebnisse des Rhein-Kreises bei den Bruttoanlageinvestitionen auch eine Folge der vorausschauenden Gewerbeflächenpolitik sein, die immer wieder zu investitionsstarken Neuansiedlungen im Kreisgebiet führt. "Der Anteil der Unternehmen, der aufgrund der regionalen Standortbedingungen nicht investiert, ist dennoch auch im Rhein-Kreis nicht außer Acht zu lassen", erklärt Steinmetz.

Ein bedeutendes Hemmnis waren für die Hälfte dieser Unternehmen die hohen kommunalen Hebesätze der Grund- und Gewerbesteuer. Ein Drittel der Betriebe beklagt sich darüber, dass die Bevölkerung und die Politik notwendigen Investitionen der Unternehmen ablehnend gegenüberstehen. Aber auch die marode Verkehrsinfrastruktur (27 Prozent), der Fachkräftemangel (26 Prozent) und eine ausbaufähige Informations- und Kommunikationsinfrastruktur (20 Prozent) sind für einen großen Anteil der Unternehmen die Gründe dafür, weniger zu investieren.

"Aber auch bei übergeordneten politischen Themen wie den Arbeitskosten und der Steuerpolitik sehen die Unternehmen Verbesserungsbedarf", sagt Werkle. "Die Industrieunternehmen nennen zudem die hohen Energiepreise und die Umweltgesetzgebung als Faktoren für die Investitionszurückhaltung."

Der IHK-Hauptgeschäftsführer zieht aus der Analyse den Schluss, dass auf regionaler Ebene vor allem auf fünf Gebieten Handlungsbedarf besteht, um das Investitionsgeschehen wieder zu beleben. "Wir müssen mehr in den Erhalt der Verkehrsinfrastruktur investieren. Das zeigt nicht nur das Beispiel der baufälligen Brücke der A1 bei Leverkusen", so der IHK-Hauptgeschäftsführer. Seit Jahren plädiert die IHK zudem dafür, die Breitbandinfrastruktur auf ein wettbewerbsfähiges Niveau zu heben. "Dies ist in Teilen des IHK-Bezirks nicht der Fall. Wird dieser Standortnachteil behoben, ergeben sich hieraus auch wieder mehr private Investitionen."

Steinmetz fordert zudem, dass sich alle Beteiligten noch mehr als bisher für die Bekämpfung des Fachkräftemangels engagieren. "Wenn Unternehmen in der Region keine Mitarbeiter mehr finden, gehen sie dorthin, wo qualifiziertes Personal zu bekommen ist."

Die Haushalte der Städte und Gemeinden sollten nach Ansicht des IHK-Hauptgeschäftsführers über die Ausgabenseite und nicht über eine weitere Erhöhung der Steuersätze konsolidiert werden. Außerdem dauere die Entwicklung von Gewerbegebieten in der Region zu lange. "Wir benötigen aber Erweiterungsflächen für hiesige Betriebe und passgenaue Flächen für ansiedlungsinteressierte Unternehmen. Auf diesen Flächen finden schließlich Investitionen statt." Die guten Werte des Rhein-Kreises Neuss bei der Entwicklung der Bruttoanlageninvestitionen führt Steinmetz insbesondere auf die gute Gewerbeflächenpolitik dort zurück.