Menschengruppe steht vor Fahrzeug
Unterwegs für die digitale Zukunft im Rhein-Kreis Neuss: Kai Westermann (l.) und Sebastian Rölke (r.) vom Breitbandbüro des Bundes, IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz (2.v.r.) und Thomas Lörner, der das Thema Breitband bisher im Rhein-Kreis betreut hat © BBB

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Breitband-Bus am Niederrhein: "Flächendeckender Ausbau des Netzes ist die Grundlage für die Digitalisierung"

Wirtschaft |

Er ist neun Meter lang, 2,5 Meter breit und prall gefüllt mit innovativer Technik: Der Breitband-Bus des Breitbandbüros des Bundes (BBB) hat auf Einladung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein am Gründungszentrum im ehemaligen Stahlwerk Becker in Willich Station gemacht. Vertreter von Unternehmen, die Breitbandbeauftragten in der Region, Thomas Lörner vom Amt für Entwicklungs- und Landschaftsplanung des Rhein-Kreises Neuss, IHK-Präsident Elmar te Neues und Willichs Bürgermeister Josef Heyes waren gekommen, um das Infomobil und die mitgereisten BBB-Experten kennenzulernen. Auf Mediawänden, Tablets und Notebooks standen den Besuchern des Breitband-Busses gezielt aufbereitete Programme und interaktive Simulationen, Erklär- und Videofilme, Präsentationen und vieles mehr zur Verfügung. Ein Telepräsenzroboter demonstrierte neue, aktive Kommunikationsmöglichkeiten in Unternehmen, die erst durch eine breitbandige Internetanbindung möglich werden. Und ein kleiner 3D-Drucker zeigte eindrucksvoll, wie sich in kürzester Zeit Einzelstücke produzieren lassen – von der kleinen Plastikfigur bis hin zum Knochenaufbau einer menschlichen Hand.

"Wir freuen uns, dass der Breitband-Bus auf ein bedeutendes Thema aufmerksam macht", sagte IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. "Die Digitalisierung beschäftigt die Unternehmen in der Region – und der flächendeckende Breitbandausbau ist die Grundlage dafür, dass die digitale Transformation gelingt." Die Anbindung an das Breitbandnetz mit Übertragungsraten von 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) sei für Unternehmen ein wichtiger Standortfaktor. "Doch unsere Umfragen zeigen, dass die Betriebe diesen Standortfaktor kritisch beurteilen", berichtete Steinmetz und appellierte an die Anwesenden. "Machen Sie den nötigen Druck in den Verwaltungen, um Fördermittel auszuschöpfen und den Breitbandausbau voranzutreiben."

Der Breitband-Bus ist Teil der Kampagne Breitband@Mittelstand, einer Initiative des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags. Seit Februar ist er in Deutschland unterwegs, im Laufe eines Jahres wird er an 300 Orten Station machen. „Wir sind nicht nur Informationsbringer, sondern auch
-sammler“, berichtete Sebastian Rölke vom BBB. „Einerseits wollen wir erklären, was Digitalisierung bedeutet, warum der Ausbau der Gigabit-Infrastruktur so wichtig ist und wie vor allem Kommunen im ländlichen Raum Fördermittel des Bundes, zum Beispiel aus dem Sonderprogramm Gewerbegebiete, beantragen können, wenn sich der Ausbau für die Telekommunikationsanbieter nicht rentiert. Andererseits wollen wir erfahren, welche Erfahrungen Sie bisher mit dem Thema gemacht haben.“ 82 Prozent der Unternehmen in Gewerbegebieten und 71 Prozent der Unternehmen in Mischgebieten in Deutschland sind ans Breitbandnetz angeschlossen. „Das ist gut, aber nicht genug“, sagte Rölke. „Denn wir hören auch immer wieder von Unternehmern, die ihre Daten zum Beispiel auf einem USB-Stick nach Hause nehmen, um sie von dort aus zu verschicken, weil die Internetverbindung in der Firma so langsam ist.“

Damit so etwas im Rhein-Kreis Neuss niemand tun muss, ist dort seit dem 1. September Breitbandkoordinatorin Marina Cabibbo im Einsatz. Ihre Stelle wird durch ein Förderprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen für einen Zeitraum von drei Jahren finanziert. Sie vernetzt künftig die Akteure der Breitbandversorgung, kümmert sich um Investoren und die Telekommunikationsanbieter, betreut die verschiedenen Förderprogramme von Bund, Land und EU und ist Ansprechpartnerin für Unternehmer und Bürger. „Im Rhein-Kreis Neuss ist die Versorgungslage zwar insgesamt sehr gut, doch bei näherer Betrachtung ergibt sich ein Bild mit Versorgungslücken im Bereich von Gewerbegebieten, in Ortsrandlagen und in kleinen Siedlungsbereichen in den ländlichen Teilgebieten des Kreises“, so Thomas Lörner vom Amt für Entwicklungs- und Landschaftsplanung, der das Thema Breitband bisher betreut hat. „Um diese Lücken zu schließen, werden wir zirka 7,9 Millionen Euro investieren. Davon kommen ungefähr 3,9 Millionen Euro vom Bund und 3,5 Millionen Euro vom Land. 400.000 Euro müssen die Kommunen selbst beisteuern. Für die beiden Städte Grevenbroich und Korschenbroich übernimmt dabei das Land Nordrhein-Westfalen die kommunalen Eigenanteile, um sie bei der Haushaltssanierung beziehungsweise im Rahmen des Stärkungspaktes zu unterstützen.“