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Agile Wind Power AG

Bekanntgabe nach § 5 Absatz 2 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) über die Feststellung der UVP-Pflicht für ein Vorhaben der Firma Agile Wind Power AG, Im Schörli 3, CH-8600 Dübendorf

Aktenzeichen 68.6.02-1.6.2-695/17

Hier: Antrag der Firma Agile Wind Power AG auf Erteilung einer Genehmigung nach § 4 Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG)

Die Firma Agile Wind Power AG, Im Schörli 3, CH-8600 Dübendorf (Schweiz) hat mit Datum vom 22.03.2018 einen Antrag auf Erteilung einer Genehmigung gemäß § 4 BImSchG für die Errichtung und den Betrieb von einer Anlage zur Nutzung von Windenergie mit einer Gesamthöhe von mehr als 50 Metern (Windenergieanlage) auf dem Windtestfeld (Neurather Höhe) in Grevenbroich gestellt.

Antragsgegenstand:

Errichtung und Betrieb von einer Windenergieanlage des Typs Vertical Sky A32 mit einer Nennleistung von 750 kW, einer Nabenhöhe von 78 Meter (Rotormitte), einem Rotordurchmesser von 32 Meter und einer Gesamthöhe von 105 Meter.

Entscheidung:

Im vorliegenden Fall hat die allgemeine Vorprüfung des Einzelfalls ergeben, dass erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen im Sinne des UVPG durch das beantragte Vorhaben nicht zu erwarten sind.

Gemäß § 5 Absatz 1 UVPG stelle ich daher fest, dass für das beantragte Vorhaben eine Verpflichtung zur Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung nicht besteht.

Die Feststellung ist gemäß § 5 Absatz 3 UVPG nicht selbständig anfechtbar.

Begründung:

Gemäß § 7 Absatz 1 des Gesetzes über die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVPG) in Verbindung mit der Ziffer 1.6.2 der Anlage 1 zum UVPG ist eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen, wenn durch das Vorhaben nach Einschätzung der zuständigen Behörde trotz der geringen Größe oder Leistung des Vorhabens nur aufgrund besonderer örtlicher Gegebenheiten gemäß den in der Anlage 3 aufgeführten Schutzkriterien erhebliche nachteilige Umweltauswirkungen zu erwarten sind.

Bei der allgemeinen Vorprüfung ist auch zu berücksichtigen, inwieweit Prüfwerte für Größe oder Leistung, die die Vorprüfung eröffnen, überschritten werden.

Die vom Vorhaben betroffenen Nutzungskriterien lassen, keine erheblichen nachteiligen Auswirkungen auf die Schutzgüter Menschen und sonstige Sachgüter erkennen. Auch aus der Beeinträchtigung verschiedener Qualitätskriterien lassen sich keine erheblichen Auswirkungen auf Reichtum, die Qualität und die Regenerationsfähigkeit von Wasser, Boden, Klima/Luft sowie der Landschaft und von Habitaten ableiten:

Die Versiegelung von Oberflächen wird zu einer unwesentlichen Verringerung der Grundwasserneubildung führen. Die über einen längeren Zeitraum andauernde Vollversiegelung bleibt auf Rekultivierungsböden (aufgeschüttete Abraumhalde) beschränkt (geringe Schwere der Beeinträchtigung).

Kleinräumige Veränderungen des Mikroklimas im Nahbereich der Anlage weisen eine geringe Schwere auf.

Unter Berücksichtigung der Vermeidungs-und vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen sind für keine der (potenziell) betroffenen planungsrelevanten Tierarten erheblich nachteilige Auswirkungen zu prognostizieren.

Die landschaftsästhetische Beeinträchtigung durch die Errichtung einer weiteren Anlage innerhalb eines bestehenden Windparks wird sich aufgrund der visuellen Vorbelastung des stark anthropogen geprägten Landschaftsraumes nur unwesentlich erhöhen. Die negativen visuellen Auswirkungen werden als nicht umwelterheblich eingeschätzt.

Die direkte Betroffenheit eines Schutzkriteriums ist aufgrund der Entfernung nicht erkennbar, mit erheblichen nachteiligen Auswirkungen ist nicht zu rechnen.

Durch die Umsetzung des Vorhabens, der Errichtung einer Vertikalachsen-Windturbine (VAWT), gehen keine essenziellen Lebensräume für planungsrelevante Arten verloren. Die Verringerung eines Lebensraums der in Ackerbereich vorkommenden Arten Feldlerche und Rebhuhn können durch schnellen Rückbau temporär genutzter Baustellenflächen vermieden werden. Individuenverluste lassen sich durch eine Baufeldräumung außerhalb der Brut- und Aufzuchtzeit (Anfang Oktober bis Ende Februar) vermeiden. Sollte es geplant sein, das Baufeld außerhalb dieses Zeitfensters zu räumen, ist vorab erneut durch einen Fachgutachter prüfen zu lassen, ob im Baufeld entsprechend Brutplätze besetzt sind. Nur wenn dies nicht der Fall ist, kann das Vorhaben auch außerhalb des Zeitfensters durchgeführt werden. Erfahrungen bzw. Untersuchungen hinsichtlich Störungspotenzial, Kollisions- und Tötungsrisiko liegen für vertikale WEA bislang nur wenige vor. Gemäß ZHAW (2015) wird eingeschätzt, dass eine vertikale Anlage - wie die hier geplante - im Vergleich zu herkömmlichen, horizontalen WEA aufgrund der zylinderförmigen Struktur des Rotorsystems für Vögel und Fledermäuse besser erkennbar ist, und aufgrund der geringeren Drehzahl vogel- und fledermausfreundlicher ist. Bezüglich der WEA-empfindlichen, nahrungssuchenden Vögel der Arten Uhu und Wanderfalke, Korn-, Rohr- und Wiesenweihe lässt sich ein signifikantes Tötungsrisiko durch die Errichtung der neuen WEA weitestgehend mit der Begründung ausschließen, dass die Frimmersdorfer Höhe nur einen kleinen Teilbereich eines Nahrungshabitats dieser großräumig jagenden Tiere darstellt. Durch entsprechende Maßnahmen, z. B. der Entwicklung und Pflege von Extensivacker und Brachen, lässt sich eine erhöhte Aufenthaltswahrscheinlichkeit verringern. Hinsichtlich der Säugetiere (Fledermäuse) kann eine artenschutzrechtlich relevante Betroffenheit im Hinblick auf baubedingte Tötungen, Störungen und eine Zerstörung von Lebensstätten sicher ausgeschlossen werden. Auch betriebsbedingte Tötungen lassen sich für Fledermäuse durch Vermeidungsmaßnahmen wie z. B. Abschaltalgorithmen auf ein nicht signifikantes Maß senken, sodass eine projektbedingte Erfüllung von Verbotstatbeständen bei Berücksichtigung artenschutzrechtlicher Vermeidungsmaßnahmen nicht zu erwarten ist.

Eine Betroffenheit der planungsrelevanten Amphibienarten Kreuzkröte und Wechselkröte lässt sich weitestgehend sicher ausschießen, da entsprechende vegetationsarme Landlebensräume nicht mehr vorhanden sind.

Zur Beurteilung der Lärmsituation wurde eine schalltechnische Berechnung durchgeführt, welche die Auswirkungen der beantragten Anlage auf die umliegenden schutzbedürftigen Immissionsorte darstellt. Die Berechnung hat den Nachweis erbracht, dass durch den Betrieb der Windenergieanlage Vertical Sky A32 auf dem Windtestfeld (Frimmersdorfer Höhe) keine schädlichen Umweltauswirkungen in Form von Geräuschen ausgehen, da die zulässigen Immissionsrichtwerte eingehalten werden.

Ebenfalls wurde der durch den Betrieb der beantragten Anlage verursachte periodische Schattenwurf im Rahmen einer gutachterlichen Berechnung betrachtet. Mit dem Ergebnis der Berechnung konnte der Nachweis erbracht werden, dass an keinen der umliegenden Immissionsorte schädliche Umwelteinwirkungen durch wiederkehrenden periodischen Schattenwurf auftreten können.

Die optisch bedrängende Wirkung ist vor allem von der Gesamthöhe der Windenergieanlage und der Nähe der Anlage zu Wohngebäuden abhängig. In dem vom Windenergie-Erlass NRW zitierten Urteil des OVG NRW werden Abstände zur Wohnbebauung angegeben. Der geringste Abstand zwischen Wohnbebauung und der beantragten Windenergieanlage liegt weit über dem dreifachen der Gesamthöhe der Anlage. Eine optisch bedrängende Wirkung der Anlage auf die umliegenden Wohnnutzungen wird ausgeschlossen.

Aus Sicht des Denkmalschutzes bestehen gegen die Errichtung und den Betrieb der beantragten Windenergieanlage keine Bedenken.

Beeinträchtigungen von zivilen oder militärischen Flugsicherungseinrichtungen finden nicht statt. Gründe, die einer luftrechtlichen Zustimmung entgegenstehen, sind nicht ersichtlich. Aus luftrechtlicher Sicht bestehen daher gegen das Vorhaben keine Bedenken.

Aus abfallrechtlicher, bodenschutzrechtlicher und wasserrechtlicher Sicht und aus Sicht des Gesundheitsschutzes bestehen keine Bedenken gegen die Errichtung und den Betrieb der beantragten Windenergieanlage.

Im Auftrag
gez.
Jepkens