Ein Pferd mit zwei Mädchen
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Reiten im Rhein-Kreis Neuss

Die Reitregelung nach dem Landesnaturschutzgesetz in Nordrhein-Westfalen

Ob Sport oder Freizeitvergnügen: Reiten macht Spaß! Besonders im direkten Kontakt mit der freien Natur, also in der Landschaft und im Wald.

Hierhin zieht es aber nicht nur die Reiterinnen und Reiter. Auch Wanderer, Spaziergänger und Radfahrer lieben den Naturgenuss.

Und: Die freie Natur ist ein unverzichtbarer Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren, die auf diesen Lebensraum angewiesen sind.

Damit alle in der Natur leben und diese genießen können, gibt es verschiedene Verhaltensempfehlungen, die Sie beim Ausritt beachten sollten, und gesetzliche Regeln, die Sie beachten müssen:

Verhaltensempfehlungen und -hinweise

  • Reiten Sie erst dann in der freien Landschaft und im Wald, wenn Ihr Können und Ihr Ausbildungsstand und die Leistungen Ihres Pferdes dies zulassen.
  • Halten Sie Ihr Pferd unter Kontrolle.
  • Tragen Sie Sorge für ausreichenden Versicherungsschutz!
  • Nehmen Sie bitte Rücksicht auf die anderen Erholungssuchenden und betrachten Sie diese auch aus Ihrer "gehobenen" Sicht nicht "von oben herab". Aufgetretene Probleme werden kleiner, wenn man aufeinander zugeht und miteinander spricht.
  • Reiten Sie Schritt bei Begegnungen.
  • Beachten Sie die Beschränkungen aus der Jagd und der forstlichen Nutzung. Haben Sie bitte Verständnis dafür, dass Jagd und Holzeinschläge zu zeitweiligen Behinderungen führen können.
  • Nehmen Sie besondere Rücksicht auf Tiere in der Nist- und Brutzeit.
  • Reiten Sie bitte nicht auf vernässten witterungsempfindlichen Wegen, besonders im Wald.
  • Klären Sie bitte andere Reiterinnen und Reiter über richtiges Verhalten auf, wenn Sie Fehlverhalten bemerken.
  • Denken Sie daran, dass Sie oft auf privaten Flächen reiten. Dies ist insbesondere im Wald auf Waldwegen der Fall. Stellen Sie sich immer vor, Sie wären die Eigentümerin oder der Eigentümer.
  • Sie reiten immer auf eigene Gefahr.
  • Das Führen des Pferdes ist dem Reiten gleichgestellt.

Zu beachtende gesetzliche Regelungen

Das Reiten in der freien Landschaft und im Wald ist in Nordrhein-Westfalen insbesondere im Landesnaturschutzgesetz1 und der zugehörigen Durchführungsverordnung2 geregelt. Hieraus, wie auch aus anderen Gesetzen wie z.B. der Straßenverkehrsordnung und dem Forstrecht, ergeben sich wesentliche Regelungen, die Sie beachten müssen:

  • Im Wald ist das Reiten neben dem Gemeingebrauch an den öffentlichen Straßen auf den nach der Straßenverkehrsordnung gekennzeichneten Reitwegen (rundes blaues Verkehrszeichen mit einem weißem Reitersymbol -Verkehrszeichen (VZ) 239-) sowie auf privaten Straßen und Fahrwegen (befestigte oder naturfeste Waldwirtschaftswege) gestattet. Sollten sich aus dieser gesetzlichen Grundregelung besondere Konflikte zwischen Reiterinnen und Reitern und anderen Erholungsuchenden ergeben, wird die Reitbefugnis auf privaten Straßen und Fahrwegen durch Allgemeinverfügung der Unteren Naturschutzbehörde eingeschränkt werden.
  • In der freien Landschaft können Sie jeden öffentlichen oder privaten Weg bereiten. Ausgenommen sind Hofräume und andere, zum Wohn- oder Gewerbebereich gehörende Flächen sowie ausdrücklich gesperrte Wege (nach Straßenverkehrsordnung durch ein rundes weißes Schild mit rotem Rand und schwarzem Reitersymbol -VZ 250-, nach dem Landesnaturschutzgesetz mit Genehmigung der Naturschutzbehörde durch eine rechteckige grüne Tafel mit weißem Handsymbol und Zusatz "Bitte nicht reiten").
  • Generell gilt, dass in Naturschutzgebieten, Landschaftsschutzgebieten, Geschützten Landschaftsbestandteilen, Nationalparken und Geschützten Biotopen das Reiten außerhalb der Straßen und Wege verboten ist.
  • Ihr Pferd muss Reitkennzeichen führen (s.u.). Dies gilt generell für das Reiten in der freien Landschaft und im Wald.
  • Für das Führen eines Pferdes gelten die Bestimmungen wie für das Reiten.

Die Reitbefugnis gilt nur für das Reiten zur Erholung. Sportliche Veranstaltungen oder Wettbewerbe bedürfen im Einzelfall einer besonderen Zulassung.

Die Kennzeichnungspflicht für Reitpferde

Wer in der freien Landschaft oder im Wald reitet, muss nach dem Landesnaturschutzgesetz ein gut sichtbares, beidseitig am Pferd angebrachtes Kennzeichen führen.

Das Kennzeichen ist 80 x 80 mm groß, gelb und aus verformbarem Kunststoff. Es enthält die Buchstaben NE für den Rhein-Kreis Neuss, eine laufende Nummer und jährlich wechselnde farbige Aufkleber, ähnlich einer Kennzeichen-Plakette an Ihrem Kraftfahrzeug. Die Jahresaufkleber gelten vom 01.01. bis zum 31.12. des Jahres.

Die Kennzeichen sind beidseits am Zaumzeug zu befestigen. Sie dienen der Identifikation der Reitpferde und dem Nachweis der Entrichtung der gesetzlich festgelegten Reitabgabe.

Die Kennzeichen sind auf die Halterin bzw. den Halter des Reitpferdes bezogen. Sie werden durch die Untere Naturschutzbehörde am Wohnort der Halterin bzw. des Halters gegen Entrichtung der Reitabgabe ausgegeben. Reitkennzeichen aus dem Rhein-Kreis Neuss erhalten Sie demnach nur, wenn Sie Ihren Wohnsitz im Kreis Neuss haben.

Die Reitabgabe nach dem Landesnaturschutzgesetz

Bau und Unterhaltung von Reitwegen kosten Geld, ebenso wie die Regulierung von Schäden aus dem Reiterverkehr an Grundstücken und Wegen. Die bei der Ausgabe der Kennzeichen für Reitpferde durch die Untere Naturschutzbehörde zu erhebende Reitabgabe ist für diese Zwecke gebunden, d.h. sie wird für keinen anderen Zweck eingesetzt. Sie fließt der Höheren Naturschutzbehörde (Bezirksregierung) zu und wird auf Antrag für diese Zwecke verwendet.

Sie sehen: Die von Ihnen zu entrichtende Reitabgabe kommt Ihnen unmittelbar wieder zu Gute.

Kosten der Kennzeichen für Reitpferde

Die Reitabgabe ist in der Durchführungsverordnung zum Landesnaturschutzgesetz festgelegt. Sie beträgt jährlich

  • für privat genutzte Pferde: 25,00 €
  • für Reiterhöfe: 75,00 €

je Kennzeichen. Hinzu kommen zu erhebende Gebühren in Höhe von 10,00 € und die Kosten der Kennzeichen (Auslagen) in Höhe von 3,00 € bei der erstmaligen Erteilung.

In den Folgejahren, in denen nur die Jahresaufkleber gewechselt werden, um die Kennzeichen für das laufende Jahr zu aktualisieren, fallen nur die Reitabgabe (25,00 € bzw. 75,00 €) und Gebühren in Höhe von 5,00 € an. Auslagen werden dann nicht mehr erhoben.

Ihre Kosten betragen also

bei privat genutzten Reitpferden
  • für die erstmalige Erteilung: 38,00 €
  • für die Folgejahre: 30,00 €
bei Reiterhöfen
  • für die erstmalige Erteilung: 88,00 €
  • für die Folgejahre: 80,00 €

je Kennzeichenpaar. Die Erteilung von neuen Kennzeichen bei Verlust wird wie eine Ersterteilung gewertet.

Sie können Ihre Kennzeichen auf verschiedene Art erhalten:

  • Per Einzelanforderung; Sie erhalten dann die Kennzeichen mit Aufklebern oder (in den Folgejahren) die Jahresaufkleber allein per Post mit einem Überweisungsträger. Vergessen Sie bitte nicht die jährliche Neuanforderung.
  • Durch ein Kennzeichen-Abonnement. Wir senden Ihnen dann die jährlichen Aufkleber mit einem Überweisungsträger immer vor dem 01.01. zu. Sie können das Abo jederzeit widerrufen.
  • Durch ein Kennzeichen-Abonnement (s.o.) mit Lastschrift-Einzug. Sie ersparen sich damit die Überweisung, die dann von uns veranlasst wird.
  • Sie können die Kennzeichen und Jahresaufkleber auch online beantragen.

Ein wichtiger Hinweis:

Bitte denken Sie daran: Die Kennzeichnung von Reitpferden, wie sie vorstehend erläutert ist, ist eine gesetzliche Pflicht, ähnlich der Kennzeichnungspflicht für Kraftfahrzeuge. Beachten Sie diese bitte! Sie würden Ihr Auto ja auch nicht ohne Kennzeichen führen!

Anmerkungen:

1 Gesetz zum Schutz der Natur in Nordrhein-Westfalen (Landesnaturschutzgesetz NRW - LNatSchG NRW) vom 15.11.2016 (GV. NRW. S. 934 / SGV NRW 791) in der zurzeit geltenden Fassung

2 Verordnung zur Durchführung des Landesnaturschutzgesetzes (DVO LNatSchG NRW) in der zzt. geltenden Fassung (SGV NRW 791)