Naturnaher Bach
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Gewässeranlieger Informationen

Lebendige Gewässer als Lebensraum für Mensch und Natur

Wasser ist die Grundlage allen Lebens. Für den Erfolg jeder Zivilisation war und ist der Zugang zu Wasser unverzichtbar. Bäche und Flüsse sind nicht nur die Lebensadern in unserer Landschaft sondern heute in unserer industrialisierten Welt auch Orte des Erlebens und der Erholung. Gleichzeitig sind unsere Gewässer Heimat unzähliger Tier- und Pflanzenarten und damit auch für das ökologische Gleichgewicht von sehr großer Bedeutung. Unter oberirdischen Gewässern versteht man das ständig oder zeitweilig in Betten fließende oder stehende bzw. aus Quellen abfließende Wasser.

Die mit den Gewässern eng verflochtenen Auen sind dabei ebenso wichtig wie die Gewässer selbst. Unter Auen versteht man die von wechselnden Hoch- und Niedrigwasser geprägten Niederungen an Bächen und Flüssen. Durch den Wechsel von Überflutung und Trockenheit stellen die Auen einen außerordentlich dynamischen Lebensraum für Tiere und Pflanzen dar, den es wie die Gewässer auch zu schützen gilt. Daher dürfen auch insbesondere Exemplare besonders oder streng geschützter Tier- oder Pflanzenarten oder ihre Entwicklungsformen nicht  aus dem Gewässer oder der Aue entnommen werden.

Gewässer liegen vielfach in festgesetzten Naturschutzgebieten oder Landschaftsschutzgebieten, wo über die wasserrechtlichen Regelungen hinaus besondere Bestimmungen des Naturschutzrechts zu beachten sind. Dies können beispielsweise Bauverbote, welche auch über wasserrechtliche Abstandsregelungen hinausgehen oder Schutzbestimmungen für Bäume und Sträucher etc. sein, die sich in der Regel aus den Landschaftsplänen des Rhein-Kreises Neuss ergeben. 

Viele Gewässer in unserer Heimat sind  leider nicht so naturnah und sauber wie sie sein sollten, was insbesondere auf vergangene Siedlungs- und Wirtschaftsaktivitäten zurückzuführen ist. Die Folge ist, dass viele Gewässer heute eingeengt und ihrer natürlichen Dynamik beraubt sind. Auch sind Gewässer mit Stoffen aus Siedlungen, Verkehr, Industrie und Landwirtschaft belastet. Zudem werden oftmals nicht mehr gewollte Teich- oder Aquarientiere in einem Gewässer „entsorgt“, was die heimischen Fischarten bedrohen kann.

Nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie ist es das Ziel, dass alle Gewässer in den kommenden Jahren einen guten ökologischen Zustand bzw. bei erheblich veränderten und künstlichen Gewässern ein gutes ökologisches Potenzial erreichen. Alle Länder in der EU sind verpflichtet, notwendige Maßnahmen durchzuführen, um eine Verschlechterung des ökologischen und chemischen Zustands aller Oberflächengewässer zu verhindern.

Im Rhein-Kreis Neuss liegen in mehreren Stadtgebieten bei natürlicher, unbeeinflusster Grundwassersituation insbesondere in den Fluss- und Bachniederungen Flurabstände von weniger als 1 m vor. Mit dem weiteren Rückgang der bergbaulichen Grundwasserabsenkung werden Gewässer wieder Grundwasserkontakt aufweisen, die heute nur zeitweilig oder gar kein Wasser führen. Diese Gewässer werden somit künftig wieder eine wichtige wasserwirtschaftliche Bedeutung für das gesamte Entwässerungssystem unserer Region haben.

Wer ein Grundstück an einem Gewässer besitzt kann sich im Grunde genommen glücklich schätzen, da er ein Stück Natur und Erholung direkt vor der Haustür hat. Damit besteht aber auch eine Verpflichtung, dies zum eigenen und zum Nutzen der Allgemeinheit zu erhalten.

Helfen Sie als Gewässeranlieger daher bitte mit, unsere Gewässer zu schützen und zu erhalten. Eine gleichlautende Broschüre mit dem Thema "Informationen für Gewässeranlieger" können Sie auch im Amt für Umweltschutz erhalten. All diese Informationen sollen Ihnen aufzeigen, was Sie selbst zum Schutz der Gewässer beitragen können.

Ablagerung von Komposthaufen, Holzstapel und sonstigen Gegenständen

Holzstapel, Komposthaufen, Strohballen und andere Materialien dürfen nicht zu nah am Gewässer abgelagert werden. Sie können bei Hochwasser abgeschwemmt werden und sich stromabwärts an Engstellen wie Brücken und Rohrdurchlässen verkeilen und zu Verklausungen führen. Das kann dazu führen, dass das Wasser an diesen Stellen nicht mehr abfließen kann, über die Ufer tritt und Überschwemmungen verursacht. Hierdurch kann es zu großen Schäden kommen. Daher dürfen diese Materialen nicht im Gewässerrandstreifen abgelagert werden. Ein ausreichender Abstand von mindestens 5 m zur Böschungsoberkante von Gewässern ist in jedem Fall einzuhalten. Darüber hinaus ist in festgesetzten und vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten, wie sie derzeit für den Rhein, die Erft, die Niers, den Gillbach, den Jüchener Bach und den Trietbach festgelegt sind,  die Ablagerungen von Gegenständen verboten, die den Wasserabfluss behindern oder fortgeschwemmt werden können.

Abfallentsorgung

Abfall (z.B. Gras- und Grünschnitt, Bauschutt, Sondermüll) gehört nicht an ein Gewässer, sondern muss ordnungsgemäß entsorgt werden. Wenn er zu nah am Gewässer gelagert wird, kann er bei Hochwasser fortgeschwemmt werden und den Abfluss des Gewässers an Engstellen behindern. Auch können beispielsweise aus Ablagerungen von Rasenschnitt Sickerwässer austreten, die zu erhöhten Nährstoffbelastungen im Gewässer und damit zu mehr Algenwachstum führen. Im Übrigen gilt hinsichtlich des erforderlichen Abstandes zum Gewässer das zum Punkt „Ablagerung von Komposthaufen, Holzstapel und sonstigen Gegenständen“ Gesagte. Durch Ablagerung von Grünschnitt an einem Gewässer können auch gebietsfremde, invasive Arten verbreitet werden, die heimische Arten verdrängen oder zu gesundheitlichen Problemen durch Allergene führen (z.B. phytotoxische Reaktionen bei Riesenbärenklau oder allergische Reaktionen bei der Beifußblättrigen Ambrosie). Auch sollte keinesfalls Aquarien- oder Teichwasser in einem Gewässer entsorgt werden, da dieses Wasser neben Pflanzenresten unter Umständen auch Dauerstadien und Eier von dort gehaltenen Tieren oder deren Parasiten enthält.

Anlagen

Anlagen in, an, über und unter Gewässern unterliegen einer wasserrechtlichen Genehmigungspflicht. Anlagen sind insbesondere bauliche Anlagen wie Brücken, Durchlässe oder Stege, Einfriedungen in Form von Mauern und Zäunen, Geräteschuppen und Gartenhäuschen, Garten- und Uferbefestigungen, Treppen und Pflasterungen. Hecken, Baum- und Strauchbepflanzungen werden ebenfalls als Anlagen bewertet. Anlagen dürfen den Zugang zu Gewässern nicht behindern, damit die Mitarbeiter des Gewässerunterhaltungspflichtigen ihre Aufgaben (z.B. Böschungsmahd) am Gewässer auch erfüllen können. Darüber hinaus können bauliche Anlagen ein Gewässer in seiner natürlichen Entwicklung einschränken und bei Hochwasser ein Abflusshindernis darstellen. Einfriedungen wie Mauern oder engmaschige Zäune stellen auch oft ein unüberwindbares Hindernis für wild lebende Tiere dar. Insbesondere die Gewässerauen sind wichtige Verbundachsen, die für wild lebende Tiere frei zugänglich und durchlässig sein müssen.

Die Errichtung und wesentliche Veränderung oder die Beseitigung von Anlagen in, an, über und unter oberirdischen Gewässern bedürfen einer Genehmigung durch die Untere Wasserbehörde. Bei Erft, Niers, Rhein und Neusser Hafen ist die Bezirksregierung Düsseldorf zuständig. Nähere Informationen und ein Antragsformular finden Sie in der Linkbox.

In festgesetzten und vorläufig gesicherten Überschwemmungsgebieten ist die Errichtung oder Erweiterung baulicher Anlagen grundsätzlich untersagt. Ausnahmen sind genehmigungspflichtig. Beim Rhein und dem Neusser Hafen ist die Bezirksregierung Düsseldorf zuständige Genehmigungsbehörde. Für alle anderen Gewässer liegt die Zuständigkeit bei der  Unteren Wasserbehörde. Nähere Informationen finden Sie hierzu in der Linkbox.

Ufergestaltung

Die Ufer bilden den wichtigen und sensiblen ökologischen Übergangsbereich zwischen Wasser- und Landlebensraum. Ein Bewuchs mit Wurzeln standortgerechter Hölzer, die Verstecke und Rückzugsmöglichkeiten für Tiere bieten, sichert das Ufer auf eine natürliche Art und Weise. Ufer dürfen nicht eigenmächtig mit Betonplatten, Brettern oder ähnlichen Materialien befestigt werden. Eine Uferbefestigung ist nur im Ausnahmefall mit einer Genehmigung möglich.

Wasserentnahme

Zum Gießen von Gärten wird oftmals Wasser aus Gewässern genutzt. Dagegen bestehen grundsätzlich keine Bedenken, solange die Entnahme mit Handschöpfgefäßen wie beispielsweise Gießkannen oder Eimern erfolgt.  Eine Entnahme mit Pumpen bedarf einer wasserrechtlichen Erlaubnis durch die zuständige Wasserbehörde.  In Niedrigwasserzeiten kann die Entnahme generell eingeschränkt oder verboten werden. Darüber hinaus ist auch das Einbringen und Einleiten von Stoffen in ein Gewässer erlaubnispflichtig.

Pflanzenschutzmittel und Dünger

Pflanzenschutzmittel können, wenn sie unsachgemäß und zu nah an einem Gewässer eingesetzt werden, das Gewässer verschmutzen und die Artenvielfalt gefährden. Daher dürfen Pflanzenschutz- und Düngemittel nicht direkt in und an einem Gewässer angewendet werden. Zum Gewässer sollte ein Abstand von mindestens 5 m eingehalten werden. Im Haus- und Kleingartenbereich dürfen zudem nur Produkte verwendet werden, die für diesen Bereich auch zugelassen sind. Auch für die Landwirtschaft gelten bestimmte Anforderungen bei der Bewirtschaftung von Ackerflächen, die zwingend einzuhalten sind, um mögliche Gesundheits- und Umweltschäden zu verhindern.

Duldungs- und Unterlassungspflichten

Gewässereigentümer und Gewässeranlieger haben bei der Durchführung von Unterhaltungsmaßnahmen gegenüber dem Gewässerunterhaltungspflichtigen bestimmte Duldungs- und Unterlassungspflichten. So sind Gewässereigentümer zur Duldung von Unterhaltungsmaßnahmen an einem Gewässer verpflichtet. An einem Gewässer sind Handlungen zu unterlassen, die die Unterhaltung unmöglich machen oder wesentlich erschweren würden. Die Anlieger und Hinterlieger (= Eigentümer der an Anliegergrundstücke angrenzenden Grundstücke) haben im Rahmen der Gewässerunterhaltung zu dulden, dass Grundstücke betreten und vorübergehend benutzt werden. Anlieger haben darüber hinaus beispielsweise zu dulden, dass die Ufer von Unterhaltungspflichtigen bepflanzt werden.

Besonderheiten zur Erft (Perspektivkonzept Erft)

Der Erftverband wird als Körperschaft des öffentlichen Rechts getragen von rund 250 Mitgliedern aus Kommunen, Kreisen, Braunkohlenbergbau und Elektrizitätswirtschaft, Wasserversorgung, Industrie und Gewerbe, Landwirtschaft und Fischerei. Die Mitgliedschaft wird durch das Erftverbandsgesetz und die Erftverbandssatzung geregelt. Der Tätigkeitsbereich des Verbandes  umfasst das Gebiet, das durch den Rheinischen  Braunkohlenbergbau beeinflusst ist.

Der Braunkohlenabbau hat nicht nur unsere Landschaft über Jahrzehnte hinaus geprägt und verändert, sondern auch die wasserwirtschaftlichen Verhältnisse massiv beeinflusst. Ein Beispiel hierfür ist die Erft, die in der Vergangenheit zur Ableitung von Sümpfungswasser aus den Tagebauen genutzt und dazu naturfern ausgebaut wurde. Mit dem Auslaufen der Braunkohlegewinnung um das Jahr 2045 werden sich die Abflüsse der Erft deutlich verringern. Dann wird die Erft nur noch einen Bruchteil des heutigen Abflusses in einem viel zu großen Flussbett abführen. Mit dem Perspektivkonzept Erft wurde hierfür eine Lösung vom Umweltministerium NRW, dem Erftverband und der RWE Power AG erarbeitet. Der 40 km lange Flussabschnitt zwischen Bergheim und Neuss wird bis zum Jahr 2045 auf die zukünftigen Verhältnisse angepasst, wobei eine naturnahe Umgestaltung mit Reaktivierung der Gewässerauen angestrebt wird. Die Erft wird hierdurch wieder zu einem Bestandteil der Natur und damit auch für die Menschen unserer Region attraktiver.

Nähere Informationen hierzu finden Sie in der Linkbox.

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