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Inhalt

Kreisentwicklungskonzept

Rhein-Kreis Neuss – die Kulturlandschaft

Als lebens- und liebenswert gilt der Rhein-Kreis Neuss – wohl die maßgebliche Ursache der besonders ausgeprägten Heimatverbundenheit der hier lebenden Menschen. Auf der einen Seite die Spitzenstellung im Wirtschaftswachstum, auf der anderen die „grüne Seite“ des Kreises: Gemeinsam sind sie die Basis für ein hohes Maß an Lebensqualität, dem „weichen Standortfaktor“ schlechthin.

Noch in den 1970er Jahren stand beim Thema Landschafts- und Naturschutz gemäß dem damals noch gültigen Reichsnaturschutzgesetz landesweit allein der konservierende Gedanke, also das Bewahren noch wertvoller natürlicher Lebensräume auf der Tagesordnung. Mit dem Bundesnaturschutzgesetz und dem nordrhein-westfälischen Landschaftsgesetz ab Mitte der 70er Jahre traten dann gezielte Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft gleichrangig hinzu.

Mit dem Instrument der Landschaftsplanung auf der Kreisebene wurde ein ökologisch fundiertes Vorgehen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung der Landschaft ermöglicht. Die Landschaftspläne des Rhein-Kreises Neuss schützen die besonders wertvollen Lebensräume, sorgen aber auch für eine Verbindung bzw. Vernetzung untereinander. Sie werten die Gesamtlandschaft auf und stärken die besonders wertvollen Kernzonen, z. B. Naturschutzgebiete, durch funktionale Verknüpfung mit der Umgebung.

Jeder, der sich aus der Luft ein Bild vom Rhein-Kreis Neuss machen kann – sei es real oder virtuell – ist beeindruckt von der landschaftlichen Vielfalt im Kreisgebiet: Der Rhein–Kreis Neuss ist ein „grüner“ Kreis. Schnell wird klar, dass die Entwicklung der Landschaft hier als besondere Verpflichtung und Aufgabe von herausgehobener Bedeutung gesehen wird.

Seine „Waldarmut“ – etwas über 8% der Fläche sind Wald – aufgrund seiner guten Böden, verbunden mit einer bereits jungsteinzeitlichen Landnahme, scheint zunächst dagegen zu sprechen. Attraktive Grün- und Freiraumbereiche, Erholungs- und Wasserflächen sowie eine von der bäuerlichen Landwirtschaft geprägte alte Kulturlandschaft – die gemeinsam über 65% der Fläche des Kreises einnehmen – kennzeichnen das Erscheinungsbild der Landschaft im Rhein-Kreis Neuss und gleichen die relative „Waldarmut“ aus. Das meist kleinteilige Mosaik der Flächennutzung zeugt von Vielfalt und hoher Qualität der landschaftlichen Grünstrukturen.

Nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft, wie sie im Rhein-Kreis Neuss betrieben wird, erfüllt immer

auch Funktionen des Klimaschutzes. Zuckerrüben, Getreide, Gemüse, Obst, Zier- und Gartenpflanzen – all das bindet CO2. Dennoch erfordert gemäß einer Studie des MUNLV der fortschreitende Klimawandel  auch in NRW Wege zu einer Anpassungsstrategie, die gerade für Ackerbauregionen die Entwicklung von Zweifrucht-Nutzungssystemen zur Optimierung der CO2-Ausnutzung und damit der Biomasseproduktion sowie Anbausysteme mit ganzjähriger Bodenbedeckung für den Erosionsschutz vorsieht. Auch die Einbeziehung trockenheitstoleranter Sorten zur Optimierung der Wassernutzung gehört dazu. Umwelt- und Landwirtschaftsminister Eckhard Uhlenberg hat die Vorbereitung einer politischen Anpassungsstrategie für NRW angekündigt.

Die heimische Landwirtschaft ist Teil der Wirtschaft, sie hat also Anteil am wirtschaftlichen Erfolg im Kreis und schafft Arbeits- und Ausbildungsplätze. Denn von ihr profitieren traditionell auch Ernährungsindustrie und -gewerbe, die sich vor allem im Neusser Hafen konzentrieren. Die nachhaltige bäuerliche Landwirtschaft, vom hier traditionellen Ackerbau auf höchstem Niveau über die Grünlandwirtschaft und den Gartenbau bis zur Baumschulwirtschaft, hat die abwechslungsreiche Kulturlandschaft und das grüne Gesamtbild des Rhein-Kreises Neuss erst ermöglicht. Seit vielen Jahren engagiert sich der Rhein-Kreis Neuss für die Landwirtschaft, sei es im Rahmen der euregio rhein-maas-nord, der Agrobusinessinitiative am  Niederrhein oder mit seinem Programm für die Landwirtschaft. Die internationale Bedeutung von Baumschulen aus dem Rhein-Kreis und damit zusammenhängende Exportchancen verdeutlichen unsere heimischen Betriebe z. B. mit Baumexporten in die Türkei und Dachbepflanzungen des Deutschen Hauses bei den olympischen Spielen in Peking.

Eine Besonderheit, die die notwendige Inanspruchnahme von Freiflächen aus ökonomischer Sicht betrifft, ist im Rhein-Kreis Neuss natürlich der Braunkohletagebau zur Sicherstellung der nationalen Energieversorgung. Aber gerade hier ist in Fragen der Kompetenz für die Reduzierung der Immissionsbelastung sowie die Renaturierung und Rekultivierung ein international gefragter Wissenspool mit großen Exportchancen entstanden, der weltweit einzigartig ist. Im Institut für Rekultivierungsforschung in Jüchen-Hackhausen hat sich bei der Planung und dem Umsetzen neuer Landschaften diese hohe wissenschaftliche und technische Kompetenz entwickelt. Hier verzahnen sich forstliche und landwirtschaftliche Rekultivierung mit dem Naturschutz, hier entstehen wertvolle Erkenntnisse für die Landschaftsplanung. Rekultivierungsforschung dokumentiert die Entwicklung der neuen Landschaft, überprüft die ökologische Wirksamkeit und liefert Ideen zur Verbesserung der Rekultivierung. Davon profitieren sowohl die Land- als auch die Waldwirtschaft und dann der Klimaschutz.

An der Waldvermehrung arbeitet der Kreis seit 1988 sehr erfolgreich. Bis 2006 erwarb er  164 Hektar für die Waldvermehrung. Im Einvernehmen mit der heimischen Landwirtschaft stieg der Waldanteil kontinuierlich. Bis heute kamen mehr als 170 Hektar Erstaufforstungen hinzu.

Mit seiner richtungweisenden Waldagenda 21 (einstimmiger politischer Beschluss des Kreisausschusses aus dem Jahre 2002) will der Kreis die Schwelle zur Waldarmut von 12% nach NRW-Standard bis zum Jahr 2100 überschreiten.

Akzente setzte der Rhein-Kreis Neuss mit seinen Aktionen „Autos für Bäume“, „Ein Herz für Bäume“, diversen Pflanzaktionen gemeinsam mit Kindergärten und Schulen sowie durch die kontinuierliche und erfolgreiche Zusammenarbeit mit der Stiftung Wald in Not und verschiedensten Sponsoren aus der regionalen Wirtschaft. Alles dient dem Anliegen des Kreises, privates Engagement in die Waldvermehrung einzubinden und über die hohe Wohlfahrtswirkung von Wald und Freiraum aufzuklären.

Denn die Aktivitäten zur Waldvermehrung sind nur ein Baustein der Entwicklung der Landschaft im Rhein-Kreis Neuss. Im Rahmen der Landschaftsplanung konnten in den letzten zwei Jahrzehnten zahlreiche weitere Maßnahmen realisiert werden, die Teil der Kreisentwicklung sind, aber auch der Sicherung und dem Ausbau der Standortstärke des Kreises dienen. Heute werden allein 480 landschaftliche Anlagen des Kreises fachgerecht gepflegt und erhalten. Hierzu gehören Alleen, Einzelbäume, Obstwiesen und Feldgehölze. Auch die Pflege der Naturdenkmale, ca. 1.500 oft über 200 Jahre alte Baumriesen, wird fachgerecht vom Kreis durchgeführt. In vielen Fällen wird die Pflege der Landschaft gemeinsam mit der örtlichen Landwirtschaft durchgeführt. Das Kreiskulturlandschaftsprogramm bietet hier ideale Voraussetzungen für den kooperativen Vertragsnaturschutz.

Von der Sicherung und Entwicklung des Freiraumes profitieren Boden-, Wasser- und Luftqualität. Die schnellstmögliche Senkung der CO2-Belastung ist eine drängende und schon jetzt eine Daueraufgabe für den gesamten Planeten und jede Region, insbesondere in den Industriestaaten. Dem Thema Klimaschutz hat sich der Kreis mit seinem Lokalen Energiepakt in besonderer Weise verschrieben.

Die Konzeption des Rhein-Kreises Neuss zur Entwicklung der landschaftlichen Grünstrukturen orientiert sich an den naturräumlichen Grundstrukturen im Kreisgebiet und der seit Jahrhunderten gewachsenen Kulturlandschaft.

Schon die durchgreifende Romanisierung bis ins 5. Jahrhundert nach Christus sorgte dafür, dass wir beim Rhein-Kreis von einem als weitgehend gerodeten, nur in den sumpfigen Fluss- und Bachtälern waldbestandenen Raum ausgehen müssen, der sich nach der Römerzeit größtenteils wieder mit Wald überzog. Hohe Bodengüte und intensive ackerbauliche Nutzung sorgten letztlich doch sukzessiv für die augenfällige „Waldarmut“.

Parks und Gärten gehören zum kulturellen Erbe und werden von der Öffentlichkeit mit wachsendem Interesse wahrgenommen. Die Geschichte der Landschaftsgestaltung wie auch aktuelle Trends sind die Themen, denen sich das Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur der Stiftung Schloss Dyck widmet. Ein engmaschiges Netzwerk zu anderen Institutionen und Partnern aus der Wirtschaft ist entstanden. Mit dem European Garden Heritage Network wurde ein europäisches Netzwerk für Parks und Gärten aufgebaut.

Die Vegetation, die sich auf einem Standort entwickeln würde, wenn jeglicher menschlicher Einfluss unterbliebe, nennt man die potentielle natürliche Vegetation. Diese würde im Rhein-Kreis Neuss nahezu vollständig aus verschiedenen Waldgesellschaften bestehen:

  • Buchenwald: Auf Grund der hervorragenden Standorteigenschaften sind diese Flächen überwiegend landwirtschaftlich genutzt.
  • Eichen-Hainbuchenwald: Dieser Standort eignet sich besonders als Grünland.
  • Auenwald wurde durch Flussbegradigungen vergangener Jahre zurückgedrängt.
  • Bruchwald ist in Folge von Grundwasserabsenkung und Entwässerungsmaßnahmen selten geworden.

Ziel ist es, die jeweiligen Qualitäten der Landschaftseinheiten aufzugreifen, zu stärken und miteinander zu einem zusammenhängenden Grünkonzept zu vernetzen. Bürger und Bürgerinnen aus dem Kreis, aber auch unsere Gäste sollen die Attraktivität des Grüns im Rhein-Kreis Neuss erleben und wertschätzen können.

Diese Attraktivität lässt sich vorzüglich vom Fahrrad aus erleben, denn regional bedeutsame Radwege wie die Fietsallee, der Erftradweg, der Erlebnisweg Rheinschiene, die Kaiser-Route Aachen-Paderborn führen durch den Rhein-Kreis Neuss. Diese Achsen sind in Verbindung mit dem dicht ausgebauten Radwegenetz im Kreisgebiet die optimale Basis für ein intensives Erleben der abwechslungsreichen Landschaft. Landschafts- und Naturschutz sowie sanfter Tourismus gehören zusammen, ein Weg, der z. B. auch in unserer portugiesischen Partnerregion Grandola erfolgreich beschritten wird.

Ebenso intensiv lässt sich das fruchtbare Gartenland mit den sattgrünen Weiden, den Alleen und Wasserläufen per pedes auf dem fast 2000 Jahre alten Weg der Jakobspilger durch das Rheintal von Nimwegen nach Köln/Bonn erleben. Denn die Etappen 8, 9 und 10 der durch den Landschaftsverband Rheinland (LVR) wiederbelebten „Wege der Jakobspilger im Rheinland“ führen durch den Rhein-Kreis Neuss. Auf der von den Römern angelegten Straße zu den Fernzielen Rom und Santiago bekommt man eine Ahnung von dem verloren gegangenen Paradies, so der LVR. Stationen der Reise im Kreisgebiet sind u. a. die Pankratiuskapelle des Weilers Ossum, der Herrenbusch, die Ilvericher Rheinschlinge, Haus Meer und die Wallfahrtskapelle in Niederdonk. Von Neuss-Vogelsang geht es am Nordkanal entlang durch den Neusser Stadtwald bis ins Zentrum der Stadt des hl. Quirinus. Durch das mittelalterliche Obertor geht es auf den Spuren des römischen Limes weiter nach Uedesheim. Weiter führt der Weg auf dem Rheindeich nach Stürzelberg am Rand des NSG Zonser Grind entlang. Eine Lindenallee führt schließlich auf das Rheintor von Zons zu.

 

Die 7 Achsen des Grün- und Freiraumverbundes im Rhein-Kreis Neuss

Die markante Nord-Süd-Achse des Grün- und Freiraumverbundes im Rhein-Kreis stellt die Rheinaue dar. In ihr befinden sich zahlreiche Naturschutzgebiete, mit der Ölgangsinsel, einer früheren Rheininsel, das älteste im Kreisgebiet. Weiter sind dies die Spey, ein ehemaliger Abgrabungsbereich, die überregional bedeutsame Ilvericher Altrheinschlinge, eine verlandete Flussschleife, der Uedesheimer Rheinbogen im Überflutungsbereich, das Zonser Grind und die Rheinaue Zons. Eingebettet in Landschaftsschutzgebiete wird der Biotopverbund entlang des Rheins gesichert. Auf dieser sehr dominierenden Achse finden zudem Artenschutzprojekte für den Ameisenbläuling, einen gefährdeten Tagfalter, und für die ebenfalls gefährdete Schwarzpappel statt. Die Rheinaue gilt als Radfahrerparadies, wozu sicher auch die Rheinfähren Langst-Kierst und Zons beitragen. Mit dem Sporthafen Neuss, der Jugendherberge Uedesheim und der Feste Zons finden sich weitere attraktivitätssteigernde Elemente in der Rheinaue, die auch wegen der Gastronomie entlang des Stroms geschätzt wird.

Eine weitere bedeutende Achse des Grünverbundes verläuft in Nordost-Südwest-Richtung. Dabei handelt es sich um die Erftniederung. Im Schutze großflächiger Landschaftsschutzgebiete befindet sich dort das NSG Schwarze Brücke, ein Waldbereich mit Erft-Altarmen. Die Erftaue ist im Kreisgebiet praktisch durchgängig bis zur Mündung in Neuss als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen und damit als großflächiges Erholungsgebiet gesichert.

Mit der Museumsinsel Hombroich liegt eine Kulturstätte von internationalem Rang in der Flussniederung. Das Arboretum / Baummuseum im Selikumer Park beherbergt Bäume und Sträucher, die vor 20 Mio. Jahren hier wuchsen, während der Eiszeit jedoch ausstarben. In direkter Nachbarschaft befindet sich der Neusser Kinderbauernhof. Weiter flussaufwärts liegt in der Niederung das Kloster Langwaden, weitere attraktive Punkte sind die Mühlen an der Erft. Auf Grevenbroicher Gebiet komplettieren der Stadtwald, die Klärteiche der ehemaligen Zuckerfabrik Pfeiffer & Langen, das Landesgartenschaugelände von 1995 sowie der Bend diese bedeutende Verbundachse. Auch der Golfplatz Erftaue trägt zum grünen Gesamtbild bei.

Die naturnahe Aufwertung der Erft und ihrer Aue wird derzeit über die europäische Wasserrahmenrichtlinie initiiert. Das Bild der Erft wird sich nachhaltig ändern. Nach Beendigung der Tagebauaktivitäten in der Region wird kein gehobenes Grundwasser mehr abgeleitet werden müssen. Der Abfluss in der Erft wird sich deutlich verringern. Ein Masterplan für die Erftumgestaltung, bestehend aus Perspektivkonzept (als Grundlage für die Abstimmung in der Region) und Maßnahmenprogramm mit zeitlicher und räumlicher Abfolge bis 2045, erläutert das Rückbauprogramm des begradigten Flusses in einen naturnäheren Zustand. Die Anbindung von verlandeten Altarmen z. B.  und die ökologische Aufwertung der gesamten Erftaue wird eine völlig neue Gewässerlandschaft entstehen lassen. Finanziert wird das Vorhaben zum großen Teil vom Land NRW (52,5 Mio. €), vom Erftverband (9,5 Mio. €) und RWE (8 Mio. €).

Als teilweise schmaler, aber durchgängiger Grünzug stellt sich der Raum beiderseits des Nordkanals im Rhein-Kreis Neuss dar. Beginnend mit dem Rheinpark Neuss führt er in nordwestlicher Richtung über städtische Grünflächen in Neuss wie Stadtgarten/Stadtwald und Jröne Meerke und erfährt eine Aufweitung durch angrenzende Baumschulflächen. Jenseits des unmittelbaren Stadtgebietes Kaarst schwenkt der Grünzug in eine westliche Richtung um. Über die Freizeitanlagen Kaarster See, den Vorster Wald und das NSG Pferdsbroich, ein Bruchwaldgebiet/Niedermoor in einer ehemaligen Stromrinne zwischen Rhein und Maas, findet der Grünzug Anschluss an die östliche Niersaue. Im „grünen“ Rhein-Kreis Neuss liegt der als Wasserfläche erlebbare Teil des Nordkanals. Die „Fietsallee am Nordkanal“ auf den Spuren Napoleon Bonapartes, entstanden im Rahmen der EUROGA 2002plus, wurde gerade als Radroute des Jahres 2009 ausgezeichnet.

Größte zusammenhängende Waldfläche im Kreisgebiet sind die Wälder der Niederterrasse bei Dormagen. Von Norden nach Süden heißen sie Mühlenbusch, Knechtstedener Busch und Chorbusch, der zum großen Teil bereits auf dem Stadtgebiet von Köln liegt. Es handelt sich um eine wichtige regionale Grünverbindung, die im Zuge der Regionale 2010 gestärkt werden soll.

Die Grünverknüpfung zur Schaffung von Kulturlandschaftsnetzwerken zwischen der Regionale 2010 und dem Rhein-Kreis Neuss im Rahmen ergänzender Projektentwicklungen bietet sich an. Das Projekt „RegioGrün“ der Regionale 2010 hat die Freiraumentwicklung und –sicherung in der Region Köln/Bonn zum Inhalt. Hierbei stehen solche Vorhaben im Vordergrund, die ein Natur- und Landschaftserlebnis und/oder Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen bedeuten. Die gebildeten „Landschaftskorridore“ werden durch „Erlebnis-Routen“ erfahrbar gemacht. Die RegioGrün-Route als Hauptverbindung des Korridors „Am alten Rhein“ endet beim Kloster Knechtsteden in Dormagen. Nach der Entwicklungskonzeption verläuft der Korridor aus dem Rhein-Erft-Kreis über die Parklandschaft Stommeler Busch und den Chorbusch bis in den Rhein-Kreis Neuss nach Dormagen und Rommerskirchen.

Das große zusammenhängende Waldgebiet Mühlenbusch/Knechtstedener Busch/Chorbusch ist an die Nord-Süd ausgerichtete Rheinaue angebunden. Somit ist auch hier der Grün- und Freiraumverbund gesichert. Die Terrassenkante ermöglicht weitreichende Blicke zum Rhein. Im Knechtstedener Busch liegt ein Wald-Naturschutzgebiet. Artenschutzprojekte, wie z. B. zum Schutz der Ringelnatter, finden hier statt. Die Biologische Station Rhein-Kreis Neuss ist im Kloster Knechtsteden zu Hause. Das Kloster selbst genießt kulturell überregionale Bedeutung.

Wie schmale grüne Bänder durchziehen Bäche und Rinnen das Jüchener Land. Jüchener Bach, Kommerbach und Kelzenberger Bach streben gleichsam dem großen grünen Bereich um Schloss Dyck zu, einem liebevoll renovierten Kleinod und gleichzeitig einem der bedeutendsten kulturhistorischen Bauten des Niederrheins. Umgeben von einem historischen Landschaftspark im Stil englischer Gärten mit wertvollem Baumbestand – einem Park, der von dem schottischen Landschaftsarchitekten Blaikie gestaltet wurde – und den Neuen Gärten auf dem Dycker Feld – diese wurden sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene mit Landschaftsarchitekturpreisen ausgezeichnet – war Dyck 2002 das Zentrum der Landesgartenschau im Rahmen der Regionale EUROGA 2002plus. Seit 1999 wird es von der Stiftung Schloss Dyck verwaltet.

2003 entstand dort das bereits genannte Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur. Originelle Veranstaltungen, wie die alljährlichen „Schloss Dyck Classic Days“ zugunsten der Stiftung mobilisieren viele tausend Menschen. Schloss Dyck mit seinem erlesenen Bestand und das zum Schloss gehörende und nicht weit entfernte Nikolauskloster bereichern den „grünen“ Rhein-Kreis Neuss und sind auch von touristischem Interesse.

Schmale Straßen, gesäumt von Jahrhunderte alten mächtigen Alleebäumen, Parks und Gärten kennzeichnen das Dycker Ländchen. Die etwa einen Kilometer lange Esskastanien-Allee zwischen Kloster und Schloss mit ihren über 200 Jahre alten Bäumen ist ein ganz außergewöhnliches geschichtliches Naturdenkmal.

Als geologische Besonderheit – und deswegen auch als Naturschutzgebiet ausgewiesen – ist die Quarzitkuppe Liedberg das einzige Festgesteinsvorkommen der Region. Sie ist abwechslungsreich mit zum Teil sehr alten Laubhölzern, vorwiegend Eichen und Buchen, bestanden. Burg, historischer Ortskern und Sandbauernhof locken viele Besucher an.

Das verbindende Element zwischen Rheinaue und Nordkanal ist der Nord-Süd verlaufende breite Grünzug Meererbusch/Stingesbachaue. Geprägt wird der gesamte Bereich von der Seenlandschaft Broicherseite, diversen Kies-Abgrabungsseen auf der Niederterrasse, und vergleichsweise großen Waldflächen (Meerbusch/Strümper Busch). Im Naturschutz- und Waldgebiet Meerbusch finden sich Teile einer Altstromrinne. Das NSG Die Buersbach bei Ossum-Bösinghoven stellt ebenfalls eine alte verlandete Altstromrinne des Rheins dar. Die touristisch vergleichsweise wenig genutzte waldreiche Altstromrinnenlandschaft dieses Grünzuges lässt viel Raum für stille Erholung. Die behutsame und naturschonende Entwicklung des Freizeitparks Eisenbrand am Westrand Büderichs, der Golfplatz Haus Schackum, Niederdonker Kapelle und Siebenschmerzenweg, ein früher öffentlich genutzter Fuhrweg, sowie Gestüt und Villa Lauvenburg mit einem Trainingszentrum für den Trabrennsport, aber auch Haus Meer passen in das Bild dieser ganz besonderen Landschaft.

Die wichtige grüne Verbindung zwischen den Wäldern des Knechtstedener Buschs und der Rheinaue wird von Süd nach Nord durch den Tannenbusch – hier ist die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald mit Wildpark, Geopark, Erlebnispfad und Waldschule sowie der Präsentation schützenswerter Landschaften im Haus Tannenbusch sehr aktiv – das Naturschutzgebiet Balgheimer See, die Freizeit- und Erholungsanlagen Straberger und Nievenheimer See sowie das NSG Wahler Berg, eine Binnendüne nördlich von Dormagen, hergestellt. Heidschnuckenbeweidung stellt hier wie auch in der benachbarten Hannepützheide den Schutz der Heidelandschaft vor einer Bewaldung sicher. Denn die Heideflächen sollen erhalten und optimiert werden.

Der Rhein-Kreis Neuss ist ein „grüner“ Kreis. Seine Lagegunst und seine überaus fruchtbaren Böden führten bereits durch die Römer zu einer intensiven Inanspruchnahme des Gebietes. In der gesamten Region Niederrhein ist er bis heute der traditionsreiche Ackerbaustandort auf höchstem Niveau geblieben. Die dadurch bedingte relative „Waldarmut“ wird von einer durch die bäuerliche Landwirtschaft geprägten alten und abwechslungsreichen Kulturlandschaft mehr als ausgeglichen, einer Landschaft, die von Grünstrukturen durchzogen eine hohe Freiraum- und Lebensqualität im Rhein-Kreis Neuss sicherstellt.