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Schutz vor Hochwassergefahren

Hochwasser sind im jahreszeitlichen Ablauf völlig natürliche Ereignisse. Allerdings sind die dadurch auftretenden Schäden in den letzten Jahrhunderten stetig gewachsen, da den Flüssen zunehmend die natürlichen Ausbreitungsflächen (Retentionsräume) genommen wurden. Zudem wuchsen die größer werdenden Städte immer näher an die begradigten Flußläufe heran. Durch diese "Kanalisierung" der Flüsse wurde deren Aufnahmekapazität eingeschränkt.

In den letzten Jahren haben wir in Deutschland immer wieder extreme Wetterlagen beobachtet, die zu besonders rasch auftretenden und besonders hohen Wasserständen führten. Die Schäden an privatem und öffentlichem Eigentum gehen dabei schnell in die Millionen. Zwar sind die Deichanlagen im Rhein-Kreis Neuss in einem überwiegend sanierten und modernen Zustand, doch können auch Deichüberströmungen oder -brüche in benachbarten Regionen erhebliche Auswirkungen auf das Kreisgebiet haben.

So können Sie die Hochwassergefährdung einschätzen

Auch wenn Sie nicht über eine Wohnlage mit "Rheinblick" verfügen, kann Ihnen der Fluß sehr viel näher kommen, als Ihnen lieb ist. Um den Grad der Hochwassergefährdung Ihres Wohnortes besser einschätzen zu können, empfehlen sich die sehr anschaulichen digitalen Karten, die das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW (LANUV) auf seiner Interseite bereit hält.

Darüber hinaus wird sich der Trend zu sehr heftigen Regenfällen nach Auffassung vieler Meteorologen künftig verstärken. Vollgelaufene Keller und unpassierbare Straßen beschränken sich längst nicht mehr auf die Umgebung von Fließgewässern, vielmehr kann an nahezu jeder Stelle des Kreisgebietes durch plötzlichen Starkregen eine Hochwassersituation entstehen.

Letztlich zeichnet sich unsere rheinische Landschaft durch ihre hohen Grundwasserstände aus, wie sich an vielen Stellen noch aus der Namensendung auf Broich (von Bruch = Sumpflandschaft) erkennen läßt.

Es ist nicht die Frage, ob uns ein Hochwasserereignis treffen wird, sondern nur, wie wir damit umgehen. Die nachfolgenden Hinweise sollen einerseits für die Gefahr sensibilisieren, aber zugleich auch dazu anregen, im eigenen Umfeld Vorsorge zu treffen, um die Auswirkungen zumindest in gesundheitlicher und wirtschaftlicher Hinsicht zu minimieren.

Deichverbände

Der Rhein-Kreis Neuss erstreckt sich von Süd nach Nord oder stromabwärts gesehen von Rhein-Strom-Kilometer 711,2 bis 760,5. In diesem Bereich sind vier Deichverbände für den Bau, die Unterhaltung und ggf. auch die Verteidigung der Deiche verantwortlich (diese werden auch als Hochwasserschutzpflichtige bezeichnet):

  1. Deichverband Dormagen-Zons,
  2. Hochwasserdienst der Stadt Neuss,
  3. Deichverband Neue Deichschau Heerdt,
  4. Deichverband Meerbusch-Lank.

Der Unterhalt und die Wiederherstellung von Deichen ist eine öffentlich-rechtliche Aufgabe, die denjenigen obliegt, die den Deich errichtet haben. Diese Aufgaben wurden den zu diesem Zweck gegründeten Deichverbänden übertragen. Die Aufsicht über die Deichverbände führt die Bezirksregierung Düsseldorf.

Für kleinere Gewässer ist meist ein Verband alleine zuständig, der sich heute als Dienstleister rund um das Gewässer versteht. Die wasserwirtschaftlichen Aufgaben sind vielfältig, von der Instandhaltung des Gewässers, der Regelung des Abflusses, der Überwachung der Wassergüte über die Renaturierung bis zum Erhalt des Erholungswertes für die Bevölkerung.

Alle Deichverbände im Rhein-Kreis Neuss verfügen über Deichverteidigungspläne. Darin ist festgelegt, welche Maßnahmen der Verband bei welchen Wasserständen trifft (z.B. Deichkontrollgänge, Schließen von Wehren, Errichten von Schutzwänden usw.), wer vor Ort zuständig ist, wo Material eingelagert ist und vieles mehr. Ab einer gewissen Größe des Ereignisses geht die Gesamteinsatzleitung von den Hochwasserschutzpflichtigen auf den Landrat über (Großschadenereignis).

Wenn Sie sich ausführlicher über Deichverbände, ihre Geschichte und ihre rechtlichen Grundlagen, aber auch über die Deiche selbst, ihren Bau und ihre Technik, informieren möchten, wird das umfassende Internet-Angebot der Bezirksregierung Düsseldorf empfohlen.

Selbsthilfe bei Hochwassergefahren

Trotz aller technischen Vorsorgemaßnahmen läßt sich ein Hochwasser nicht verhindern. Vielmehr sind sich Klimatologen und Katastrophenschützer einig in der Auffassung, dass wir in den nächsten Jahrzehnten mit einer Zunahme von Extremwetterlagen und den sich daraus entwickelnden Folgen zu rechnen haben. Um nun der Unwetter- nicht noch eine Umwelt- oder eine persönliche Gesundheitskatastrophe hinzuzufügen, sollten Sie prüfen, welche der nachfolgenden Tipps Sie in ihrem eigenen Umfeld umsetzen können bzw. sollten.

Zunächst einmal sollten Sie sich bei entsprechenden Wetterlagen laufend über die aktuellen Hochwasserstände informieren. Dies können Sie z.B.

  • auf den Videotafeln 800 bis 804 des Westdeutschen Rundfunks (WDR),
  • auf der Internetseite des Landesamtes für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz,
  • mittels der automatischen Pegelansage der Stadt Düsseldorf unter der Telefon-Nummer 0211 19429.

Vorbereitende Maßnahmen

  • Sichern Sie Ihren Heizöltank gegen aufschwimmen und abreißen der Leitungen.
  • Installieren Sie eine schmutzwassergeeignete Tauchpumpe.
  • Treffen Sie bauliche Vorbereitungen, z.B. für die Montage von Spundwänden.
  • Überprüfen Sie regelmäßig die Hausentwässerungsanlage und die Rückstauklappen.
  • Legen Sie Material zum Abdichten von Kellerschächten usw. (Schalbretter, Sandsäcke) bereit.
  • Legen Sie sich eine Prüfliste für alle zu treffenden Maßnahmen an; weisen Sie den Familienmitgliedern Aufgaben zu.
  • Falls die Zentralheizung im Keller eingebaut ist, schaffen Sie eine stromunabhängige Heizmöglichkeit.

Bei drohendem Hochwasser

  • Halten Sie ein netzunabhängiges UKW-Radio mit ausreichenden Batterien, ferner netzunabhängige Lichtquellen wie Taschenlampen und Kerzen vor.
  • Nehmen Sie elektrische Geräte in tiefer gelegenen Räumen vom Netz, schalten Sie falls möglich den Strom ganz ab.
  • Entfernen Sie chemische oder giftige Substanzen aus hochwassergefährdeten Räumen, schließen Sie Ölleitungen. Wenn gefährliche Stoffe freigesetzt wurden, informieren Sie die Feuerwehr.
  • Bringen Sie wertvolle Gegenstände, Dokumente, Bekleidung, Kommunikationsmittel und Notverpflegung in höher gelegene Räume.
  • Bereiten Sie Notgepäck (Bekleidung, Licht, Medikamente, wichtige Dokumente) für den Fall einer Räumung Ihrer Wohnung vor.
  • Informieren Sie Nachbarn, wenn Sie Ihre Wohnung vor der behördlichen Evakuierung verlassen.

Während des Hochwassers

  • Pumpen Sie eingedrungenes Wasser nicht ab, sofern es sich nicht erkennbar um eingeströmtes Oberflächenwasser handelt.
  • Betreten Sie Keller und besonders Tiefgaragen nicht mehr, da diese ohne Vorwarnung plötzlich volllaufen können.
  • Halten Sie Kontakt mit Nachbarn, falls gegenseitige Hilfe erforderlich wird.
  • Kümmern Sie sich um Haus- oder Nutztiere, die auf bedrohliche Situationen schnell panisch reagieren.

Nach dem Hochwasser

  • Nehmen Sie keine elektrischen Geräte in Betrieb, wenn nicht sichergestellt ist, dass diese trocken und unbeschädigt sind.
  • Lassen Sie Ihren Öltank auf Schäden überprüfen.
  • Entsorgen Sie verschmutzte Möbel und Lebensmittel.