Stethoskop vor einem Plastikherz
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Windpocken

Ein Kind Ihrer Einrichtung ist an Windpocken erkrankt. Anlässlich dieses Falles informiert das Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss:

Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz

Eltern oder Sorgeberechtigte sind gemäß Infektionsschutzgesetz verpflichtet, die Leitung eines Kindergartens oder einer Schule über bestimmte, bei ihren Kindern aufgetretene Infektionskrankheiten zu informieren. Hierzu zählt auch die Erkrankung "Windpocken" oder "Varizellen". Verantwortliche von Kindergärten oder Schulen wiederum leiten diese Meldung namentlich an das Gesundheitsamt weiter. Seit dem 01.04.2013 besteht ebenfalls eine Meldepflicht für Ärzte und Laboratorien.

Wiederzulassung eines Kindes zur Gemeinschaftseinrichtung

Das Kind darf die Einrichtung erst dann wieder aufsuchen, wenn es gesund ist, bzw. nach ärztlichem Urteil eine Weiterverbreitung der Windpocken nicht mehr zu befürchten ist.

Das Gesundheitsamt achtet auf die Einhaltung des Besuchsverbotes und erhält außerdem die Möglichkeit, eine regionale Häufung von Krankheitsfällen rechtzeitig zu erkennen, um Maßnahmen wie Informationskampagnen und Beratungen durchzuführen bzw. im Bedarfsfall die Verabreichung einer Impfung anzuregen.

Impfempfehlung

Die ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt generell alle Kinder zu impfen (vorzugsweise im Alter von 11 bis 14 Monaten). Ungeimpfte 9- bis 17-jährige ohne Windpockenerkrankung in der Vorgeschichte, sollten wegen erhöhter Komplikationsrate der Erkrankung besonders bald geimpft werden. Frauen mit Kinderwunsch, die gegen Windpocken keine Abwehrstoffe gebildet haben, sowie Risikopersonen, sollten ebenfalls geimpft werden. Unter bestimmten Voraussetzungen sollte eine passive Impfung für bestimmte Personen nach Kontakt zu einer an Windpocken erkrankte Person durchgeführt werden. Zu diesem Personenkreis gehören z.B.: ungeimpfte Schwangere sowie abwehrgeschwächte Personen ohne Windpockenerkrankung in der Vorgeschichte.

Weshalb hat der Gesetzgeber überhaupt ein Besuchsverbot, das doch offensichtlich der Verringerung des Infektionsrisikos dienen soll, vorgesehen?

Hintergrund ist die Tatsache, dass die Erziehungsberechtigten die Erkrankung des eigenen Kindes nicht notgedrungen in Kauf nehmen sollen. Immerhin gibt es nämlich in 16 % der Fälle schwere Krankheitsverläufe bei Komplikationsraten von 6 % (bakterielle Hautinfektionen, Lungenentzündung, Mittelohrentzündung). Besonders empfänglich sind hierbei abwehrgeschwächte oder an Neurodermitis leidende Kinder oder Erwachsene. Zudem kann auch eine Schwangerschaft bei bislang nicht durchgemachten Windpocken ungünstig beeinflusst werden.

Somit gibt es hinreichend Gründe, eine Infektionskette in Kindergarten oder Schule durch ein Besuchsverbot rechtzeitig zu unterbrechen.