Stethoskop vor einem Plastikherz
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Meningokokkenmeningitis

Bei der Erkrankung handelt es sich um eine bakterielle Hirnhautentzündung oder bakterielle Sepsis (Blutvergiftung), ausgelöst durch sogenannte Meningokokken (Neisseria meningitidis). Sie sind chemisch und immunologisch unterscheidbar und ermöglichen die Einteilung der Bakterien in verschiedene Gruppen (Stämme) unterschiedlicher gesundheitlicher Bedeutung.

Meningokokken finden sich ausschließlich bei Menschen. Sie können bei symptomlosen Keimträgern im Mund-Nasen-Rachen-Raum vorhanden sein (5 bis 10 % der Bevölkerung) und von diesen wie auch von Erkrankten übertragen werden.

Obwohl Meningokokken beim Menschen häufig vorkommende Bakterien sind, treten Meningokokkenerkrankungen äußerst selten auf.

Über die Ursachen, warum manche Menschen zu Keimträgern werden, wenn sie Meningokokken erwerben, während andere schwer erkranken, ist noch wenig bekannt.

Die Erkrankungshäufigkeit in unseren Breiten liegt bei 1-3 Fällen/100.000 Einwohner pro Jahr. Am häufigsten treten Erkrankungen im ersten Quartal des Jahres (Februar bis April) auf. Am häufigsten erkranken Kleinkinder bis etwa 5 Jahre, Teenager und ältere Menschen. Aber auch andere Altersgruppen sind betroffen.
Meningokokkenerkrankungen kommen weltweit vor. Während es sich in der nördlichen Hemisphäre und so auch in Deutschland häufig um Stämme der Gruppe B (ca. 70 %) und seltener die Gruppe C (10 bis 20 %) handelt, werden in Entwicklungsländern vor allem Stämme der Gruppe A beobachtet. Dies ist von Bedeutung, da ein verfügbarer Impfstoff ab etwa 14 Tage nach Injektion einen guten, drei bis fünf Jahre anhaltenden Schutz verleiht, jedoch nur vor Meningokokken der Gruppen A und C. Der Impfstoff kann Kindern ab einem Alter von 18 Monaten injiziert werden.

Die Inkubationszeit (Zeitraum  zwischen erfolgter Ansteckung und Ausbruch der Erkrankung) beträgt 2 bis 10 Tage, meist aber 3 bis 4 Tage.

Die Übertragung erfolgt nur direkt von Mensch zu Mensch über Tröpfcheninfektion, wobei eine Ansteckung engen körperlichen Kontakt (direktes Anhusten, Niesen, Küssen) voraussetzt. eine Übertragung durch Wasser oder Lebensmittel ist nicht möglich.

Es handelt sich um ein schweres Krankheitsbild, das durchweg zur Krankenhausaufnahme führt. Im Anfangsstadium wird die Erkrankung oft mit einem "grippalen Infekt" verwechselt. Später stellen sich in der Regel Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit, Gelenkschmerzen, Hauteinblutungen und Nackensteife ein.
Bei Kindern in der Frühphase können drei weitere Symptome auftreten:

  • schwere Schmerzen in den Beinen, die die Kinder am Stehen oder Laufen behindern,
  • kalte Hände und Füße bei sonst erhöhter Temperatur und
  • sehr blasse Haut bei blau oder dunkel gefärbtem Lippen-Umfeld.

Die Symptome liegen nicht alle gleichzeitig vor. Sie können sich innerhalb weniger Stunden und Tage entwickeln. Bei Kindern ist die Symptomatik meist weniger charakteristisch.

Achten Sie bei Säuglingen und Kleinkindern deshalb auch auf Nahrungsverweigerung, Durchfälle, Unruhe, auffälliges Schreien, fleckige Haut, schlechte Weckbarkeit.

Die Schwere der Symptome hängt von der Zahl der Erreger im Blut ab und davon, wie weit sich diese im Körper ausbreiten können. Bei Eindringen in die Gehirnflüssigkeit kommt es zur Hirnhautentzündung (Meningitis), die unbehandelt zum Tode führt. Bei rechtzeitig eingeleiteter adäquater Therapie liegt die Sterberate der Meningokokkenmeningitis bei ca. 5 %. Sie muss mit über 80 % angenommen werden, wenn die Erkrankung akut und unbehandelt verläuft.

Die Diagnostik der Erkrankung erfolgt bei Verdacht durch Untersuchung der Hirnflüssigkeit und des Blutes.

Die Behandlung geschieht mit dazu geeigneten Antibiotika, wobei ein sofortiger Beginn nach Stellen der Verdachtsdiagnose erforderlich ist. Vorsorglich ist die Aufnahme des Patienten auf eine Intensivstation notwendig.

Kontaktpersonen (intimer Kontakt, Speichelkontakt, Kinder derselben Spielgruppe etc.) des Erkrankten haben ein erhöhtes Erkrankungsrisiko und müssen deshalb möglichst schnell prophylaktisch mit Antibiotika behandelt werden. Sinnvoll ist eine solche Maßnahme bis 10 Tage nach dem letzten Kontakt zu einem Erkrankten. Mittel der Wahl ist Rifampicin. Es wird über 2 Tage in einer Dosierung von 2 x 10 mg/kg KG/Tag gegeben. Die maximale Einzeldosis beträgt 600 mg. Bei Säuglingen im ersten Monat beträgt die Tagesdosis 2 x 5 mg/kg KG/Tag.

Weiterhin ist eine Prophylaxe mit Ceftriaxon (nur i.m.-Applikation) möglich. Eine einmalige Gabe von 125 mg bei Kindern unter 12 Jahren und 250 mg bei Kontaktpersonen über 12 Jahren führt mit hoher Sicherheit zur Sanierung von Keimträgern.
Bei Schwangeren ist Ceftriaxon das Mittel der Wahl. Bei Personen über 18 Jahren kann auch einmalig oral 500 mg Ciprofloxacin gegeben werden. Bei Patienten, die eine Therapie mit Penicillin G erhalten haben, wird ebenfalls eine initiale Chemotherapie empfohlen, da Penicillin G nicht zu einer Eliminierung der Keime im Nasen-Rachen-Raum führt.

Allerdings treten trotz rechtzeitig durchgeführter Chemoprophylaxe gelegentlich nach Wochen Erkrankungen bei Haushaltskontakten auf. Daher sollten Ungeimpfte sobald wie möglich nach dem Kontakt mit einer impfpräventablen Meningokokken-Infektion geimpft werden.
Der Erkrankte selbst gilt 24 Stunden nach Beginn der adäquaten Behandlung nicht mehr als ansteckend.

Zu weiterführenden Auskünften steht Ihnen neben Ihrem Hausarzt bzw. Kinderarzt die Mitarbeiter des Gesundheitsamtes zur Verfügung.