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Das INTERREG IV A-Programm der euregio rhein-maas-nord - Förderkategorien und Projektarten

Das majeure Projekt  "EurSafety Health-net" - Gesundheitsprojekt über vier euregio - Federführung des Rhein-Kreises Neuss für das euregio-Gebiet

Die Gemeinschaftsinitiative INTERREG A hat die Europäische Kommission 1990 aufgelegt, um die integrierte Regionalentwicklung in benachbarten Grenzgebieten zu fördern. Durch die verstärkte wirtschaftliche und soziale Kooperation zwischen den Nachbarregionen sowie gemeinsame Strategien und Entwicklungsprogramme für den Grenzraum soll die trennende Wirkung der Grenzen verringert und starke grenzüberschreitende wirtschaftliche und soziale "Pole" und Kooperationsachsen aufgebaut werden.

Das INTERREG A-Programm befindet sich zurzeit in der vierten Phase (2007-2013). Für das Arbeitsgebiet der euregio rhein-maas-nord hat die Europäische Kommission für den Zeitraum 2007-2013 insgesamt 22.8 Mio. € für grenzüberschreitende, praxisnahe Pilotprojekte bewilligt, die helfen sollen, die strukturellen Defizite in der euregio zu beseitigen. Da die euregio-Projekte nur zu 50 % durch EU-Mittel gefördert werden, und die restlichen 50 % durch nationale und regionale Cofinanzierung bereitgestellt werden müssen, entsteht insgesamt ein Fördervolumen von ca. 45,6 Mio. €. Die Finanzmittel verteilen sich auf folgende drei Projektkategorien:

  1. Wirtschaft, Technologie und Innovation (hat mit 58% der Finanzmittel Priorität gemäß den Vorgaben der Lissabon-Strategie)
  2. Stärkung der (nachhaltigen) regionalen Entwicklung (erhält 18 % der Finanzmittel)
  3. Integration und Gesellschaft (erhält 18 % der Finanzmittel)

Es gibt vier Projektarten im Rahmen des jetzigen INTERREG IV A-Programms:

Die majeuren Projekte gehen über zwei oder alle vier euregios im deutsch-niederländischen Grenzraum (euregio rhein-maas-nord, Euregio Rhein-Waal, EUREGIO Gronau und Ems-Dollart-Region) und sind entsprechend zeitlich und finanziell große Projekte. Im Mittelpunkt dieser Vorhaben steht die Kooperation von Wissenseinrichtungen und Vertretern der Wirtschaft.

Im Rahmen der "normalen Projekte" müssen mindestens ein deutscher und ein niederländischer Partner aus dem Gebiet der euregio rhein-maas-nord grenzüberschreitend in einem gemeinsamen praktischen Vorhaben zusammenarbeiten und ein Mindestfördervolumen von 100.000,- € haben.

Die Rahmenprojekte sind als Kleinstprojekte gedacht und fördern in den Kategorien Business2Business, Government2Government und People2People kleinere grenzüberschreitende Vorhaben von Kommunen, Vereinen, Verbänden, Schulen, Bildungseinrichtungen, kleinen und mittleren Unternehmen etc. über einen max. Zeitraum von 3 Jahren, der Zuschuss beträgt max. 25.000,- €.

Die Mini-Projekte sind für Tagesvorhaben von Schulen, Sportvereinen, kulturellen Einrichtungen sowie Vereine und Organisationen aus dem sozio-kulturellen Bereich gedacht, die sich im kleinen Rahmen grenzüberschreitend austauschen wollen; die Antragstellung ist unkompliziert und es wird ein Zuschuss in Höhe von 1.000,- € gewährt.

Der Rhein-Kreis Neuss hat regelmäßig die INTERREG A-Programme der Europäischen Union erfolgreich für zukunftsweisende Projekte in den Bereichen Qualifizierung, Umwelt, Gesundheits- und Verbraucherschutz sowie Mittelstandsförderung ausnutzen können.

Das majeure Projekt "EurSafety Health-net"

Ziel von EurSafety Health-net ist, Patienten vor Infektionsgefahren zu schützen, denen sie behandlungsbedingt u.a. in Krankenhäusern ausgesetzt sind. Hierbei ist insbesondere der Schutz vor Erregern mit Antibiotikaresistenz

(z.B. Methicillin-resistenter Staphylokokkus aureus - MRSA) von herausragender Bedeutung.

Im Rahmen dieses über 66 Monate laufenden Vorhabens (25.11.2008 bis 25.04.2014) soll der Schutz der Patienten vor Infektionen und Antibiotikaresistenz mittels Schaffung eines grenzüberschreitenden Netzwerks der Teilnehmer des Gesundheitswesens entlang der gesamten deutsch-niederländischen-belgischen Grenze geschaffen  werden, daher sind neben Partnern aus den vier deutsch-niederländischen euregios rhein-maas-nord, Rhein-Waal, Gronau-Enschede und Ems-Dollart auch Partner aus der deutsch-niederländisch-belgischen euregio Maas-Rhein beteiligt.

Der Rhein-Kreis Neuss mit seinem Gesundheitsamt hat die fachliche und organisatorische Federführung für die Durchführung des Projektes in der  euregio rhein-maas-nord übernommen.

Auf euregionaler Ebene sind hierbei die Gesundheitsämter der Euregio (Rhein-Kreis Neuss, Mönchengladbach, Krefeld, Viersen, Kleve und auf der niederländischen Seite Limburg-Noord) in einem Netzwerk partnerschaftlich verbunden. Auf der Ebene des Rhein-Kreises Neuss gehören dem Netzwerk die Vertreter aller Krankenhäuser im Rhein-Kreis Neuss, Vertreter der niedergelassenen Ärzte, Vertreter der Alten- und Pflegeheime, Labormediziner, Mikrobiologen und der Ärztliche Leiter Rettungsdienst an. Hier stehen bei den regelmäßigen Treffen im Besonderen die Beseitigung typischer Schnittstellenprobleme, wie die Weitergabe relevanter Informationen, und der rationale, nicht stigmatisierende Umgang mit MRSA - besiedelten Patientinnen und Patienten, im Vordergrund. 

Alle Akutkrankenhäuser im Rhein-Kreis Neuss erfüllen die gleichen, hohen Anforderungen, die in einem 10-Punkte umfassenden Qualitätssiegel des Projekts formuliert wurden.

Diese 10-Punkte lauten:

  1. Nachweis innerbetrieblicher Fortbildungen zu MRSA
  2. Die Übermittlung von Netzwerk-relevanten, anonymisierten statistischen Daten, wie z.B. Anzahl der Patiententage, Gesamtpatientenzahl, etc. pro Krankenhaus
  3. Regelmäßige Teilnahme an Veranstaltungen des Netzwerks (Netzwerktreffen, Fortbildungen)
  4. Durchführung eines so genannten Prävalenzscreening. Im Laufe einer Woche werden alle stationär aufzunehmenden Patientinnen und Patienten auf MRSA untersucht. Auf diese Weise kann ein Risikoprofil für das jeweilige Krankenhaus ermittelt werden und die Sensibilität der Mitarbeiter für das Thema wird erhöht.
  5. Regelmäßig aktualisierte Hygienekommissionsbeschlüsse, die im Umgang mit MRSA dem jeweiligen Stand der Wissenschaft und den Empfehlungen der Fachgesellschaften folgen.
  6. Weitergehende intensivierte Untersuchungen der identifizierten MRSA-Stämme, um genaue Informationen über die epidemiologische Situation im Euregio-Gebiet zu erhalten.
  7. Konsequente Umsetzung der Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts zu Barrieremaßnahmen, Hygiene, Desinfektion, Isolierung, etc.
  8. Übermittlung aller Daten zu MRSA (Anzahl der Träger, Anzahl der aus Blutkulturen gewonnenen MRSA, etc. an das lokale Gesundheitsamt (ÖGD-Report)).
  9. Weitergabe der relevanten Informationen an die weiterbehandelnden Ärzte, um den MRSA - Zyklus unterbrechen zu können (Sanierung im ambulanten Bereich).
  10. Konsequente, risikoadaptierte Umsetzung der Screeningempfehlungen.

Im Rahmen des Qualitätssiegelerwerbs wurde im letzten Jahr  in allen Krankenhäusern ein einwöchiges Prävalenzscreening aller stationär aufgenommenen Patientinnen und Patienten durchgeführt, hierbei wurden insgesamt 1206 Patienten untersucht und 16 MRSA - Träger identifiziert. Die Rate ist dabei mit 1,33% erfreulich niedrig.

Um eine sektorenübergreifende barrierearme Informationsquelle zu schaffen, wurde aktuell eine Smartphone-Applikation (MRSApp) geschaffen, die Patienten, ihren Angehörigen, ärztlichem und pflegerischem Personal konzentriert, unkompliziert und schnell, wichtige Informationen zum Umgang mit MRSA - Trägern, zur Standardhygiene und zu Fragen der Isolierung  liefert. Jetzt bereits gut 2200 Downloads zeigen das große Interesse an diesem Thema und dieser Art der Wissensvermittlung und Informationsgewinnung.

Weitere Informationen zum INTERREG IV A-Projekt EurSafety Health-net:

Gesundheitsamt des Rhein-Kreises Neuss,
Umweltmedizinischer Dienst/Projektkoordinator
Herr Jürgen Graw
Auf der Schanze 1
41515 Grevenbroich
Tel.: 02181-601-5425
Fax: 02181-601-5399
e-mail: juergen.graw@rhein-kreis-neuss.de