Europafahne
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Leitfaden für die Antragstellung

Anzahl und Ausrichtung der EU-Förderprogramme

Die Europäische Union hat in den vergangenen Jahren deutlich die Anzahl der Förderprogramme in den verschiedensten Bereichen ausgebaut: Inzwischen existieren etwa 200 Förderprogramme.

Von diesen Programmen sind immer mehr offen für Gebietskörperschaften (etwa 30-40): Damit Versuch strategische Entscheidung zugunsten eines zusammenwachsenden Europas zu beeinflussen.

Ein Großteil der Förderprogramme legt den Schwerpunkt auf:
  • Erfahrungsaustausch,
  • Transfer vom Know-how der Gebietskörperschaften untereinander (innerhalb der EU, zwischen der EU und den Beitrittsstaaten sowie den Bewerberländern),
  • die Bildung von europaweiten Netzwerken

Antragsverfahren und Antragsbedingungen

sind häufig ähnlich, so dass durch eine wiederholte Teilnahme eine gewissen Routine entsteht, was die Antragsprozedur erleichtert.

Hinweis: Eine Teilnahme an einem EU-Projekt ist nur sinnvoll, wenn auch fachlich-inhaltliches Interesse der Gebietskörperschaft besteht. Denn Aufwand und Finanzeinsatz stehen nicht immer im Verhältnis zur EU-Finanzunterstützung. Auf keinen Fall können EU-Fördergelder Haushaltslöcher schließen helfen. Aber mit fortlaufender Teilnahme an EU-Projekten zwei wichtige Vorteile:

  • Aufbau von dauerhaften Verbindungen zu Gebietskörperschaften innerhalb der EU und zu Drittstaaten, was in einem zukünftigen Europa der Regionen entscheidende Vorteile bringt.
  • Im Rahmen der Durchführung von EU-Projekten häufig Aufbau von wirtschaftlichen, kulturellen, sozialen und wissenschaftlichen Verflechtungen und Verbindungen für die Verwaltung und die heimischer Wirtschaft; insbesondere den kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) kommen diese grenzüberschreitenden Kontakte zugute, denn diese tun sich in der Regel schwer, ein Auslandsengagement zu wagen und neue Märkte zu erobern.
Allgemeine Fördervoraussetzungen

Förder- und Auswahlkriterien ähneln sich vielfach:

  • Die Vorhaben müssen in der Regel grenzüberschreitend sein, d. h. mindestens Teilnahme von Partnern aus zwei EU-Mitgliedstaaten, immer häufiger drei und mehr Mitgliedstaaten sowie zusätzlich Partner aus den Beitrittskandidaten (Kroatien, Türkei und Mazedonien).
  • Die Projekte müssen innovativ sein, d. h. Pilotcharakter haben
  • Die Projektvorhaben müssen einen sogenannten „europäischen Mehrwert„ haben, d. h. sie sollen neuartige, zukunftsweisende Ideen und Verfahren auch auf andere, vor allem auf die weniger entwickelten Regionen in Europa übertragen: Stichwort Kohäsion
  • Die Projekte müssen von den Antragstellern mitfinanziert werden; in der Regel liegt die EU-Unterstützung zwischen 50-70 %, für die neuen Mitgliedstaaten z. Zt. noch bei 75 %-80 %.

Antragsverfahren

Ausschreibungen im EU-Amtsblatt/Publikationen der nationalen Koordinierungsstellen

Die kommunalrelevanten Förderprogramme werden regelmäßig (einmal jährlich) im EG-Amtsblatt ausgeschrieben (Reihe C) oder in Publikationen von nationalen EU-Beratungsstellen veröffentlicht.

Da Ausschreibungsfristen in der Regel sehr kurz, ist Wissen um regelmäßige Ausschreibung wertvoll.

Dies bietet Chance, bereits frühzeitig mit Antragsvorbereitungen zu beginnen.

Partnerwahl und -suche
  • Netz an Partnerschaften der eigenen Gebietskörperschaft, dies von großem Vorteil, da bekannte Ansprechpartner, Verwaltungsstrukturen und -abläufe, was insgesamt eine Zusammenarbeit einfacher und zeitlich schneller ermöglicht
  • Nationale Koordinierungsstellen für EU-Förderprogramme (über bestehende Datenbanken)
  • Rat der Gemeinden und Regionen Europas
Bewertungs- und Förderkriterien
  • Anforderung des jeweiligen „Vademecums“ (Leitfaden zur Antragstellung) und der Antragsformulare
  • Verwendung der offiziellen Antragsformulare unter Beachtung der zwingend geforderten Formalien (Unterschrift, Anzahl der Kopien, Form der Zusendung/Abgabe, per e-mail in der Regel nicht zulässig, nur dann, wenn ausdrücklich erlaubt)
  • Einreichung der vollständigen Antragsunterlagen, wo gefordert mit einer Kurzfassung in englischer oder französischer Sprache
  • Einhaltung der Antragsfrist (Ausschlussfrist)
  • Ausführliche, detaillierte Beschreibung des Projektvorhabens mit genauen Angaben zu Konzept/Idee und der Methoden zur entsprechenden Umsetzung sowie vorgesehener Zeitplan; dazu gehört auch eine Darstellung der organisatorischen und finanziellen Rollenverteilung der verschiedenen Projektpartner
  • Detaillierte und ausgeglichene Finanzskizze (vor allem dann, wenn mehrere Projektpartner zusammen arbeiten), Hinweis: in der Regel muss jeder Projektpartner eine finanzielle Verpflichtungserklärung abgeben; finanzielle Nachmeldungen sind grundsätzlich nicht möglich
  • Nachhaltigkeit: wird immer öfter gefordert und verlangt den Nachweis, der langfristigen Wirkung des Projektvorhabens auch nach Ende der finanziellen Unterstützung
  • Einbringung der Eigenmittel (in der Regel zwischen 50 und 40 %, evtl. auch in begrenztem Umfang über Einbringung von Personal- und Sachkosten möglich)
  • Beachtung der finanziellen Auszahlungsmodalitäten (meistens im Aufruf/in der Ausschreibung genannt): in der Regel Auszahlung des Zuschusses in Raten oder erst nach Beendigung und erfolgter Rechnungslegung des Projektes, daher ist in der Regel Vorfinanzierung durch die Projektpartner notwendig

Die Zeit nach der Antragstellung

  • Feinabstimmung mit allen Projektpartnern über die zeitliche Planung des Projektes und Aufgabenverteilung
  • dezentes Lobbying für den EU-Antrag (z.B. über den jeweiligen Europaabgeordneten, Landesvertretung etc.)

Hinweis: Vor dem Vorliegen des Bewilligungsbescheides kein Start des Projektes, da dies absolut förderschädlich;

Erfahrungen des Rhein-Kreises Neuss mit der Antragstellung von EU-Projekten

  • Ein EU-Projektantrag macht nur Sinn, wenn dahinter inhaltlich-fachliches Interesse des Antragstellers (nicht nur „money-hunting“) steht
  • Programme, die dezentral in den EU-Mitgliedstaaten verwaltet und abgewickelt werden, sind leichter auszunutzen (z.B. INTERREG IV A-Programm)
  • Zeitlicher Aufwand für die Einreichung eines grenzüberschreitendes EU-Projektes (d.h. mindestens zwei Partner) liegt zwischen sechs und zwölf Monaten
  • Für die Bewilligung eines Projektes durch Brüssel ist die Qualität (innovativer Ansatz, gesicherte Finanzierung, durchgehende Organisation) ausschlaggebend
  • Lobbying (Unterstützung des EU-Projektes durch Außenstehende) zur Unterstützung des EU-Vorhabens
  • Über die Jahre Kontakte zur Europäischen Kommission und zu wichtigen EU-Beratungsstellen aufbauen