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Internationaler Frauentag: Europäische Kommission dringt auf mehr Gleichstellung von Frauen und Männern und legt eine "Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2020 - 2025" vor

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Frauen sind in Europa gegenüber Männern immer noch benachteiligt, zu diesem Ergebnis kommt die Europäische Kommission aufgrund umfassender Recherchen in allen EU-Mitgliedstaaten und stellt als Antwort ihre Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter vor.

Nach den Untersuchungen hat bisher kein EU-Mitgliedstaat die vollständige Gleichstellung von Frauen und Männern erreicht. Zudem würden Fortschritte nur langsam gemacht, wobei die grundsätzlichen geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Bereichen Beschäftigung, Bezahlung, Pflege und Renten fortbestehen würden. Die Europäische Kommission will mit der vorgelegten Strategie nicht nur die Gerechtigkeitslücke schließen, sondern will Europa auch in die Lage bringen, sein Potential in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft voll auszuschöpfen. Die Strategie für die Gleichstellung der Geschlechter 2020 – 2025 legt als Antwort auf die vielfältigen Defizite zentrale Maßnahmen für die kommenden fünf Jahre fest, und die Europäische Kommission verpflichtet sich selbst, die Gleichstellungsperspektive in alle Politikbereiche der EU einzubeziehen ("Gender-Mainstreaming"). Um diesen Politikansatz sicherzustellen, hat die Europäische Kommission eine Task-Force für Gleichstellungspolitik eingerichtet. Zusätzlich zeigt sich die Europäische Kommission entschlossen, den Gleichstellungsansatz auch in die internationalen Beziehungen mit einzubringen.

Zu den Maßnahmen gehören:

  • Beendigung von geschlechtsbezogener Gewalt und Geschlechterstereotypen,
  • Gewährleistung der gleichen Teilhabe und der gleichen Chancen am Arbeitsmarkt, einschließlich des gleichen Entgelts, und
  • Verwirklichung einer ausgewogenen Vertretung von Frauen und Männern in Entscheidungspositionen und Politik.

Die Ergebnisse der Untersuchungen der Europäischen Kommission zur Gleichstellung der Geschlechter im Einzelnen:

  1. 33 Prozent der Frauen in der EU haben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, 55 Prozent wurden sexuell belästigt. Europa müsse daher Gewalt und bestehende Stereotypen gegen Frauen überwinden. Um dies zu erreichen, werden in der Strategie rechtliche Maßnahmen gefordert, um Gewalt gegen Frauen unter Strafe zu stellen. Die Kommission beabsichtigt insbesondere, die Straftatbestände, in denen eine Harmonisierung in ganz Europa möglich ist, auf bestimmte Formen der Gewalt gegen Frauen auszudehnen, einschließlich sexueller Belästigung, Missbrauch von Frauen und Genitalverstümmelung bei Frauen. Darüber hinaus wird die Kommission das Gesetz über digitale Dienste vorschlagen, um klarzustellen, welche Maßnahmen von Plattformen erwartet werden, um illegale Aktivitäten und Gewalt gegen Frauen im Internet zu bekämpfen.
  2. Frauen in der EU verdienen im Durchschnitt 16 Prozent weniger als Männer, und sie sind noch immer mit Hindernissen konfrontiert, wenn sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen wollen. Die Europäische Kommission betont an dieser Stelle ausdrücklich, dass die Gleichstellung von Frauen und Männern die Grundlage für eine innovative, wettbewerbsfähige und florierende europäische Wirtschaft ist. Angesichts der demografischen Herausforderungen und des ökologischen und digitalen Wandels werde sich die Unterstützung für Frauen, um Jobs in Bereichen mit Fachkräftemangel zu finden - insbesondere im Technologie- und KI-Sektor - positiv auf die europäische Wirtschaft auswirken. Um das Problem der ungleichen Bezahlung zu beheben‚ leitete die Kommission am selben Tag eine öffentliche Konsultation zur Entgelttransparenz ein und will bis Ende 2020 verbindliche Maßnahmen vorlegen. Um es Frauen zu ermöglichen, sich auf dem Arbeitsmarkt zu entfalten, werde sich die Kommission verstärkt bemühen, die EU-Standards für die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben durchzusetzen, damit Frauen und Männer wirklich die Chance haben, sich gleichermaßen persönlich wie auch beruflich zu entwickeln. Die Gleichstellung der Geschlechter auf dem Arbeitsmarkt, bei sozialer Inklusion und Bildung werde zusätzlich im Rahmen des Europäischen Semesters ständig überwacht.
  3. Frauen sind in Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert, auch in den größten Unternehmen in der EU, in denen nur 8 Prozent der Vorstandsvorsitzenden Frauen sind. Damit Frauen unter anderem in Unternehmen Führungspositionen bekleiden können‚ werde die Kommission auf die Annahme ihres Vorschlags für eine ausgewogene Vertretung von Frauen und Männern in den Leitungsorganen von Unternehmen aus dem Jahr 2012 drängen. Ebenso werde sie die Teilhabe von Frauen an der Politik fördern, so etwa bei den Wahlen zum Europäischen Parlament 2024 und durch die Bereitstellung von Mitteln und den Austausch bewährter Verfahren. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, habe sich die Kommission zum Ziel gesetzt, bis Ende 2024 auf allen Führungsebenen Geschlechterparität zu erreichen.

Zitate:

Anlässlich der Vorstellung der Gleichstellungsstrategie sagte Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen: "Die Gleichstellung zwischen Frauen und Männern ist zwar ein wesentlicher Grundsatz der Europäischen Union, sie ist aber noch lange nicht verwirklicht. In der Wirtschaft, in der Politik und in der Gesellschaft als Ganzes können wir unser volles Potenzial nur entfalten, wenn wir unsere Kompetenzen und Vielfalt vollumfänglich zum Einsatz bringen. ... "Nur die Hälfte unserer Bevölkerung, unserer Ideen oder unserer Energie einzusetzen, reicht einfach nicht aus. Mit der Gleichstellungsstrategie drängen wir auf mehr und raschere Fortschritte bei der Förderung der Gleichstellung von Männern und Frauen".

Die für Werte und Transparenz zuständige Kommissions-Vizepräsidentin Vera Jourová sagte: "Europa ist trotz aller Defizite ein guter Platz für Frauen. Unsere Gesellschaft befindet sich in einem grundlegenden ökologischen und digitalen Wandel. Wir müssen sicherstellen, dass Frauen und Männer die gleichen Chancen haben und dass bestehende Ungleichheiten durch diesen Wandel nicht noch weiter verschärft werden. Vielmehr müssen wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass Frauen als Akteurinnen für einen gerechten Übergang fungieren können - sowohl im beruflichen als auch im privaten Bereich."

Quelle und weitere Informationen:

  • EU-Aktuell vom 05. März 2020