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Europäische Kommission fordert mehr Unterstützung für Lehrkräfte

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Anlässlich des zweiten Europäischen Bildungsgipfels hat der für Bildung, Kultur, Jugend und Sport zuständige EU-Kommissar Tibor Navracsics dazu aufgerufen, Lehrer/innen mehr zu unterstützen und besser auf ihre Bedürfnisse einzugehen. Dabei stützt er seine Forderungen auf den am 26. September 2019 veröffentlichten Monitor für die allgemeine und berufliche Bildung, der sich in diesem Jahr schwerpunktmäßig mit Lehrer/innen, ihrer Stellung und ihren Bedürfnissen befasst und sich dabei auf die Ergebnisse einer Erhebung der Organisation für wortschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) bezieht. Nach dieser Studie über Lehren und Lernen müssen Lehrkräfte besser auf die Bewältigung dringlicher Aufgabenstellungen wie die Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien, inklusiven Unterricht und Unterricht in multikulturellen Klassen vorbereitet werden. Voraussetzung hierfür sei, dass das jeweilige Schulsystem über eine ausreichende Anzahl an Lehrer/innen verfügt und zwar für alle Fächer und sowohl in der Stadt als auch auf dem Land. Gleichzeitig betont der Monitor, dass größere politische Anstrengungen notwendig seien, um die besten Kandidat/innen für den Lehrerberuf anzuwerben und dafür zu sorgen, dass sie gut ausgebildet werden und motiviert bleiben, ihren Beruf dauerhaft auszuüben. Der Studie zufolge fühlen sich nur 18 Prozent der befragten Lehrkräfte von der Gesellschaft geschätzt und anerkannt (z.B. sind Gehälter weiterhin niedrig). Nach der Überzeugung der Autoren sind aber überzeugte und geachtete Lehrkräfte die Voraussetzung für ehrgeizige Reformen, es sei daher notwendig, sie zu einem Eckpfeiler des europäischen Bildungsraums zu machen.

Die jüngsten Ausgabe des Monitors hat auch erfreuliche Nachrichten zu bieten: so haben die Mitgliedstaaten ihre Zielvorgabe für die Senkung der Zahl der vorzeitigen Schulabgänger fast erreicht. Der Anteil derjenigen, die die Schule vorzeitig verlassen, ist zwar von 14,2 Prozent im Jahr 2009 auf 10,6 Prozent im Jahr 2018 zurückgegangen, seit 2016 hat sich dieser Rückgang jedoch verlangsamt. Der Anteil junger Menschen mit Hochschulabschluss ist von 32,3 Prozent im Jahr 2009 auf 40,7 Prozent im Jahr 2018 gestiegen. Der Monitor zeigt außerdem, dass ein Zusammenhang zwischen einem höheren Bildungsabschluss und höheren Beschäftigungsquoten bei jungen Absolvent/innen sowie einer größeren Beteiligung an der Erwachsenenbildung besteht.

Der Anteil der Kinder in der frühkindlichen Erziehung und Bildung stieg von 90,8 Prozent im Jahr 2009 auf 95,4 Prozent im Jahr 2017. Obwohl sich nach Feststellung der Autoren die Bildungsbeteiligung in Europa verbessert hat, ist nach wie vor jeder fünfte 15-Jährige nicht in der Lage, einfache Aufgaben in den Bereichen Lesen, Rechnen und Naturwissenschaften zu lösen, und zu viele Kinder sind weiterhin von Bildungsarmut bedroht.

Hintergrund:

Die Europäische Kommission hat keine eigene Kompetenz im Bereich der Bildung, sie kann jedoch die EU-Mitgliedstaaten durch politische Zusammenarbeit, Benchmarking und die Finanzierung von Bildungsprogrammen wie Erasmus+ unterstützen (Art. 165 AEUV). Der Monitor ist die bedeutendste Veröffentlichung der EU im Bereich der allgemeinen Bildung und soll durch die Vorstellung einer Vielzahl von Maßnahmen und die Förderung des Dialogs den Mitgliedstaaten dabei helfen, ihre Bildungssysteme zu vergleichen und zu verbessern. Nach der Studie sind die öffentlichen Bildungsausgaben in der EU auf EU-Ebene weitgehend stabil geblieben, dennoch investieren die Mitgliedsländer immer noch weniger in den Bereich Bildung als vor der Wirtschafts- und Finanzkrise.

Die diesjährige Ausgabe des Monitors für die allgemeine und berufliche Bildung steht für zehn Jahre europäischer Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung 2020 , die die Mitgliedstaaten im Jahr 2009 vereinbarten. Der jährliche Überblick misst die Fortschritte der EU im Hinblick auf die Ziele der Strategie "Allgemeine und berufliche Bildung 2020" und unterstützt die Behandlung von Bildungsfragen im Rahmen des jährlichen Europäischen-Semester-Prozesses. Ferner ist er ein Hilfsinstrument, die Höhe der Mittel zu bestimmen, die im nächsten langfristigen EU-Haushaltsplan für allgemeine und berufliche Bildung sowie für die Entwicklung von Kompetenzen vorzusehen sind.

Im Monitor werden die Hauptherausforderungen für die europäischen Bildungssysteme analysiert und die politischen Maßnahmen erläutert, mit denen die Bildung besser auf die Erfordernisse der Gesellschaft und des Arbeitsmarktes zugeschnitten werden kann. Der Bericht enthält einen Ländervergleich und 28 ausführliche Länderberichte, außerdem werden auf einer eigenen Website zusätzliche Daten und Informationen angeboten.

Anlässlich der Vorstellung des Berichts sagte Navracsics: "Insbesondere zeigt sich, dass Lehrer sich mehr und bessere Fortbildungen wünschen, um besser gewappnet zu sein für die sozialen und technologischen Herausforderungen, denen sie gegenüberstehen. Eine dieser Herausforderungen besteht darin, neue Technologien bestmöglich zu nutzen und gleichzeitig die damit verbundenen Risiken nicht aus dem Blick zu verlieren. Lehrkräfte bei der Bewältigung der Schwierigkeiten beim Unterricht in kulturell heterogenen Klassen zu unterstützen, ist eine andere. Darüber hinaus brauchen Lehrer Anerkennung. Der Studie zufolge fühlen sich nur 18 Prozent der Befragten von der Gesellschaft geschätzt und anerkannt. Abgesehen den Gehältern, die insgesamt weiterhin niedrig sind, ist es keine Option, sondern ein absolutes Muss, das Ansehen und die Autorität der Lehrkräfte zu verbessern."

Quelle und weitere Informationen:

  • EU-Aktuell vom 26.10.2019