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Europäische Kommission verstärkt ihr Engagement für Aufforstung und Schutz der Wälder in der Welt

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Die Europäische Kommission hat vor dem Hintergrund der Klima- und Umweltschutzmaßnahmen ihre Maßnahmen zum Schutz von Wäldern verstärkt. Am 23. Juli 2019 hat sie hierzu eine umfassende Strategie vorgelegt. Diese sieht vor, durch nachhaltigeren Konsum innerhalb der EU, gezielte internationale Zusammenarbeit, bessere Information und Aufklärung und eine Neuausrichtung von Finanzmitteln die Gesundheit der Wälder zu schützen und die Flächen zu erhöhen, die von nachhaltigen Wäldern mit großer biologischer Vielfalt bewachsen sind.

Hintergrund der intensiven Bemühungen der Europäischen Kommission ist, dass Wälder 80 Prozent der Artenvielfalt an Landlebewesen beherbergen und diese die Existenzgrundlage von rund einem Viertel der Weltbevölkerung sind. Die Wälder der Erde speichern große Mengen an CO2, die aus der Atmosphäre gezogen und in Biomasse und Böden aufgenommen werden.

In der Mitteilung nennt die Europäische Kommission fünf Prioritäten:

  1. Verringerungen des Flächen-Fußabdrucks der EU und Förderung des Verbrauchs von Erzeugnissen aus entwaldungsfreien Lieferketten in der EU; hier untersucht eine neue Multi-Stakeholder-Plattform für Entwaldung, Waldschädigung und Walderneuerung notwendige Maßnahmen
  2. partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Erzeugerländern zur Verringerung des Drucks auf die Wälder und zur Sicherung der Entwicklungszusammenarbeit der EU gegen Entwaldung; die Europäische Kommission will z.B. ihre Partner unterstützen, umfassende nationale Schutzrahmen für Wälder zu entwickeln und zu verwirklichen sowie die nachhaltige Nutzung der Wälder und die Nachhaltigkeit der forstbasierten Wertschöpfungsketten zu verbessern. Die Handelsabkommen, die die Europäische Kommission mit den Erzeugerländern abschließt, sollen zum verantwortungsvollen und nachhaltigem Management globaler Lieferketten beitragen und den Handel mit land- und forstwirtschaftlichen Erzeugnissen, die nicht zur Entwaldung oder Waldschädigung führen, fördern. Für diese Länder sollen gleichzeitig Anreizsysteme für Kleinbauern entwickelt werden, damit Ökosystemdienstleistungen erhalten und verbessert werden sowie eine nachhaltige Land- und Forstwirtschaft gefördert werden können.
  3. Stärkung der internationalen Zusammenarbeit, um Entwaldung und Waldschädigung zu stoppen und die Wiederherstellung der Wälder zu fördern;
  4. Neuausrichtung der Finanzierung zur Unterstützung nachhaltigerer Landnutzungspraktiken;
  5. Förderung der Verfügbarkeit und Qualität von Informationen über Wälder und Rohstofflieferketten, Sicherung des Zugangs zu diesen Informationen sowie Unterstützung von Forschung und Innovation; hier schlägt die Europäische Kommission die Einrichtung einer EU-Beobachtungsstelle für Entwaldung und Waldschädigung vor, mit der Aufgabe, die Veränderungen der weltweiten Bewaldung und der damit verbundenen Faktoren zu messen und zu überwachen. Auch soll geprüft werden, zur besseren Überwachung das Copernicus-Satellitensystem zu nutzen.

Die Europäische Kommission verweist darauf, dass zwischen 1990 und 2016 eine Fläche von 1,3 Mio. km2 Wald verloren ging, was 800 Fußballfeldern pro Stunde entsprechen würde. Die häufigsten Gründe für die fortschreitende Entwaldung sind die Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln, Biokraftstoffen, Holz und anderen Rohstoffen. Die mit der Entwaldung einhergehenden Treibhausgasemissionen sind laut Europäischer Kommission die zweitwichtigste Ursache des Klimawandels, sie machen 12 Prozent aller Treibhausgasemissionen aus und liegen damit noch vor dem Verkehrssektor. Die Verpflichtung zum Schutz der Wälder habe daher auch etwas mit den Verpflichtungen im Zusammenhang mit der Erreichung der Ziele des Pariser Klimaabkommens zu tun.

Anlässlich der Vorstellung der Strategie sagte der Vize-Präsident der Europäischen Kommission, Frans Timmermanns, zuständig für die Bereiche bessere Rechtsetzung, interkulturelle Beziehungen, Rechtsstaatlichkeit und Grundrechtecharta: "Wir werden unsere Klimaziele nicht erreichen, ohne die Wälder der Welt zu schützen. Zwar befinden sich die größten Primärwälder der Welt nicht im Hoheitsgebiet der EU, jedoch wirken sich die Handlungen jedes Einzelnen von uns und unsere politischen Entscheidungen erheblich aus. Heute senden wir ein wichtiges Signal an unsere Bürgerinnen und Bürger und unsere Partner in der ganzen Welt, dass die EU bereit ist, in den nächsten fünf Jahren und darüber hinaus eine Führungsrolle in diesem Bereich einzunehmen."

Hintergrund:

Seit 2003 setzt die EU den Aktionsplan für Rechtsdurchsetzung, Politikgestaltung und Handel im Forstsektor (FLEGT) um und bekämpft damit den illegalen Holzeinschlag und den damit verbundenen Handel. In einer Mitteilung aus 2008 erläutert die Europäische Kommission Maßnahmen mit dem Ziel, den weltweiten Verlust von Waldflächen spätestens bis 2030 zu stoppen und die Bruttoentwaldung in den Tropen bis 2020 um 50 Prozent zu reduzieren.

Der Stand der Dinge zeigt der Europäischen Kommission, dass die damals formulierten Ziele nicht zu erreichen sind, ohne dass die Anstrengungen vervielfacht werden. Daher hat sie die aktuelle Mitteilung mit umfassend formulierten Maßnahmen vorgelegt. An dieser Stelle verweist die Europäische Kommission darauf, dass die Mitteilung das Ergebnis ausgiebiger Konsultationen der Interessenträger zu Entwaldung und Walschädigung und zu möglichen Maßnahmen der EU ist, u.a. zwei Konferenzen in 2014 und 2017, eine öffentliche Konsultation in 2019 und drei Studien.

Quelle und weitere Informationen:

  • EU-Aktuell vom 23.07.2019