Eine Menschengruppe
© Rhein-Kreis Neuss

Sie befinden Sich hier:

Inhalt

Europawettbewerb unter den weiterführenden Schulen des Rhein-Kreises Neuss – Prämierte Schüler/innen des Georg-Büchner-Gymnasiums Kaarst verbringen einen informativen Tag in der Bundesstadt Bonn

Europa |

Nach ihrer erfolgreichen Teilnahme an dem Europawettbewerb unter den weiterführenden Schulen des Rhein-Kreises Neuss waren 10 für ihre Texte und einen Rap zu dem Thema Europawahlen ausgezeichnete Schülerinnen und Schüler mit ihrem Lehrer, Herrn Stephan Haag, vom Georg-Büchner-Gymnasium Kaarst, eingeladen, einen informativen Tag in Bonn zu verbringen. Das Europe Direct Informationszentrum Mittlerer Niederrhein hatte Herrn Haag und die Schüler/innen zu einem Informationsbesuch in den Europa-Punkt Bonn, dem Europainformationszentrum der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn, eingeladen. Dort wurden sie von Frau Judith Schilling, der stellv. Leiterin der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission Bonn, herzlich willkommen geheißen. Zu Beginn ihrer Begrüßung stellte Frau Schilling kurz die Bonner Vertretung der Europäischen Kommission vor: Diese sei für die vier Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland und damit für 30 Mio. Einwohner/innen zuständig. Die Vertretung habe 7 Mitarbeiter/innen und ihre Aufgabe sei in erster Linie das Zuhören und Informieren von Bürger/innen, Schulen, Vereinen, Verbänden und zivilgesellschaftlichen Organisationen. Um ihre Aufgabe der Verbreitung des Europagedankens und der umfassenden Information über die EU und ihre Tätigkeit erfüllen zu können, arbeite die Bonner Vertretung auch mit der Bundesregierung, den Bundesländern, den social media, dem Fernsehen und der Presse zusammen. Da am 26. Mai die Europawahl in Deutschland stattfinde, gebe es derzeit viele Veranstaltungen zu diesem Thema; am Wochenende vor der Europawahl werde es in Bonn ein großes Demokratiefest geben, dies auch vor dem Hintergrund, dass das Grundgesetz vor 70 Jahren in Bonn unterzeichnet worden sei.

Der Europa-Punkt sei 2016 eingerichtet worden und habe 3 Mitarbeiter unter der Führung von Herrn Andreas Christ. Er sei eine Anlauf- und Informationsstelle zur EU und zu allen EU-Themen, besonders für Schulen und zivilgesellschaftliche Organisationen aber auch für die Bundes- und Landesregierungen.

Im Folgenden stellte sich Herr Christ kurz vor und berichtete, dass er bereits während seines Studiums "Feuer" für die Europäische Geschichte und Einigung gefangen habe und daher schon während seiner Studienzeit Redner im Team Europe der Europäischen Kommission Deutschland gewesen sei. Das Interesse an Seminaren, work shops und Planspielen zur EU sei groß, vor allem in den letzten Wochen vor den Europawahlen. Er freue sich über den Besuch der Schüler/innen vom Georg-Büchner-Gymnasium und habe sich, da er erfahren habe, dass das Thema noch relativ frisch bei den Preisträger/innen sei, ein Einführungsseminar überlegt; dieses begann mit einem Film von Ingo Espenschied über den Weg zur Gründung der ersten Gemeinschaft für Kohle und Stahl bis zur Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Die Schüler/innen zeigten sich beeindruckt von der Weitsicht der französischen und deutschen Politiker Robert Schumann, Jean Monnet und Konrad Adenauer. Herr Christ führte nach dem Film aus, dass es nicht bei den sechs Gründerstaaten geblieben sei, sondern dass die EU nach sieben Erweiterungsrunden zwischenzeitlich 28 EU-Mitgliedstaaten habe. Leider drohe immer noch der Austritt Großbritanniens, was sehr bedauerlich sei. Ganz wichtig sei aber, sich bewusst zu machen, dass alle Errungenschaften der EU, vor allem über 60 Jahre Frieden, Freiheit, Wohlstand und politische Stabilität nicht selbstverständlich seien, sondern immer wieder erarbeitet werden müssten. Für die Unterstützung der europäischen Einigung sei auch entscheidend, die Bürger/innen über das politische System der EU zu informieren und ihnen die wichtigsten Politikbereiche mit den entsprechenden Umsetzungsmaßnahmen und die daraus resultierende eigene Betroffenheit zu erläutern. In diesem Zusammenhang wies Herr Christ daraufhin, dass es leider auch immer wieder zu Falschmeldungen im Zusammenhang mit EU-Entscheidungen komme und diese dann unnötig zu einer ablehnenden Haltung der Bürger/innen führe. Ein ganz konkretes Beispiel sei der Mythos zum Krümmungsrad der Gurke; Tatsache sei, dass es diese Verordnung tatsächlich gegeben habe, allerdings gehe diese nicht auf eine ursprüngliche Initiative der Europäischen Kommission zurück, sondern sei auf Drängen der nationalen Handelsverbände erlassen worden. Hintergrund des Anliegens sei gewesen, möglichst viele Gurken in den genormten Transportkisten befördern zu können. Seit 2009 sei diese Verordnung auf Vorschlag von Edmund Stoiber, der einer Sondereinheit der Europäischen Kommission zum Bürokratieabbaue vorgesessen habe, aber wieder abgeschafft.

Um den Schüler/innen den Weg der EU-"Gesetzgebung" zu erklären, spielten sie unter der Anleitung von Herrn Christ einmal den Weg der Initiierung und Verabschiedung der Gurken-Verordnung durch die EU-Organe durch; dabei erfuhren sie, dass die Europäische Kommission das alleinige Initiativrecht hat, das Europäische Parlament aber trotzdem eine wichtige Rolle als "Co-Gesetzgeber" einnimmt und schließlich auch der zuständige EU-Ministerrat, in dem die jeweiligen Fachminister der EU-Mitgliedstaaten vertreten sind, zustimmen müsse.

Zum Ende des Vormittags erläuterte Herr Christ die kommenden Europawahlen und erklärte den Schüler/innen, warum eine hohe Wahlbeteiligung so wichtig für die demokratische Zukunft der EU sei.

Auf Einladung des Europe Direct Informationszentrums Mittlerer Niederrhein ging es danach gemeinsam mit Frau Schilling zur Mittagspause in eine Pizzeria, wo im informellen Rahmen weiter über aktuelle europäische Themen gesprochen wurde. Zum Abschluss des Tages folgte ein Besuch im Haus der Geschichte, in dem die Schüler/innen sich über die Nachkriegs- und Aufbaujahre Deutschlands informierten.