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Bericht über die Europaveranstaltung "Der Rhein-Kreis Neuss und die euregio rhein-maas-nord - wir wählen Europa"

Europa |

Auf Einladung von Landrat Petrauschke und der euregio rhein-maas-nord kamen am 10. April 100 niederländische Schülerinnen und Schüler von vier Berufsschulen aus Venlo, Venray, Weert und Roermond zu einer grenzüberschreitenden Begegnung mit den Schülerinnen und Schülern des Berufsbildungszentrums für Wirtschaft und Informatik in Neuss zusammen, um sich über die Projekte der euregio für junge Menschen zu informieren und über die Europawahlen in den beiden Nachbarländern zu diskutieren.

Andy Dritty, der Geschäftsführer des Zweckverbandes der euregio rhein-maas-nord, begrüßte alle Gäste zweisprachig und schon bei der Vorstellung der beiden Musiker Johann May und Sven Jungbeck, die den Morgen musikalisch begleiteten, wurde deutlich, wie nah sich beide Nachbarländer sind; beide hatten in Arnheim Musik studiert und musizieren jetzt in Deutschland.

Der Leiter der Berufsschule, Herr Dieter Bullmann, bestätigte die großen Chancen in Europa und verwies auf die neun Europa- und internationale Klassen, die das BBZ anbiete, um seinen jungen Menschen den Weg in ein grenzüberschreitendes Leben und Arbeiten zu ebnen.

Im Anschluss verwies Landrat Hans-Jürgen Petrauschke noch einmal darauf, wie normal heute freies Reisen mit einer einheitlichen Währung sei, zu keiner Zeit habe es größere Chancen in Europa gegeben, seine Interessen und seinen Einfluss geltend zu machen. Daher forderte er die jungen Leute auf, dies auch mit ihren Möglichkeiten zu tun. Der Sondergipfel zum möglichen Austritt von Großbritannien habe auch sein Positives, es werde über Europa diskutiert und über die Vorteile der Mitgliedschaft in dem Staatenverbund. Der Rhein-Kreis Neuss sei daher seit langer Zeit proaktiv unterwegs und habe seit über zwei Jahrzehnten ein Europabüro, das auch mit der euregio rhein-maas-nord regelmäßig zusammenarbeite. Petrauschke forderte die Schüler/innen auf, die Chancen eines freien Europas zu sehen und stolz auf die Europäische Union zu sein, die bereits 2012 den Friedensnobelpreis für die Aufrechterhaltung des Friedens auf unserem Kontinent seit nunmehr 60 Jahren erhalten habe. In Zukunft sei die weitere Friedenssicherung eine der größten Aufgaben und Herausforderungen der EU.

Da der Rhein-Kreis Neuss Träger eines Europe Direct Informationszentrums für die Region Mittlerer Niederrhein ist, war auch der Leiter der Regionalen Vertretung der Europäischen Kommission in Bonn, Jochen Pöttgen, gekommen. In seinem Grußwort richtete Herr Pöttgen den jungen Leuten Grüße von Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker aus, dem er von seinem heutigen Besuch berichtet habe. Juncker habe darauf hingewiesen, dass Grenzen verbindende Elemente seien oder wie es seinerzeit Robert Schumann ausgedrückt habe, "Berührungsenden". Der Sondergipfel zum "Brexit" sei leider das Ergebnis von Lügen, Unwahrheit und Populismus und daher sei es ganz besonders wichtig, zur Europawahl zu gehen. Und er bat alle Schüler/innen, jeweils 10 weitere Personen mit ins Wahlbüro zu nehmen.

In seiner Einführung stellte Herr Dritty die euregio rhein-maas-nord vor, die seit 1978 auf nunmehr 30 deutsche und niederländische Mitglieder angewachsen sei und 24 Mio. Einwohner habe. Ihre Aufgabe sei es, grenzüberschreitende Akteure zusammenzubringen, vor allem deutsch-niederländische Projekte mit zu initiieren und über die Antragstellung und Durchführung zu beraten. Für junge Menschen sei das Projekt "euregio Xperience" von besonderem Interesse, es biete jungen Auszubildenden die Chance, Unternehmen im jeweils anderen Land zu besuchen, Praktika in Firmen zu machen und Sprach- und Bewerbungskurse zu belegen.

In der folgenden Diskussionsrunde wurden die Jugendlichen zuerst befragt, ob sie schon über die Europawahl nachgedacht hätten und wählen gehen wollten, vor allem, welche Gründe sie hätten, um an der Wahl teilzunehmen. Allgemeiner Tenor war, dass zu wenig Fakten über das Europäische Parlament bekannt seien und es auch über die EU und Ihre Politiken allgemein zu wenig an Informationen geben würde. Landrat Petrauschke bestätigte dies und zeigte Verständnis, dass es für die jungen Menschen eine schwierige Entscheidung sei, auch weil kaum Wahlkampf stattfinde und in den social media eine Flut an Informationen erhältlich sei, die jedoch nicht leicht zu filtern seien; er bat jedoch die Jugendlichen ausdrücklich darum, keine antieuropäische oder populistische Partei zu wählen.

In diesem Zusammenhang informierte Herr Pöttgen, dass die Europäische Kommission in Bonn und in Den Haag über die aktuellen EU-Themen, aber auch über das politische System der EU, die Kompetenzen ihrer Organe und ihre Zusammenarbeit bei der "Gesetzgebung" informiere.

Landrat Petrauschke wandte sich im Folgenden an die Schüler/innen und fragte nach ihren Wünschen für eine europäische Zusammenarbeit. Es zeigte sich, dass die Themen Sicherheit, polizeiliche Zusammenarbeit, die Verteidigung der Sicherheit Europas und der Umweltschutz die jungen Leute besonders interessierte. Eine größere Diskussion entwickelte sich bei den Themen Ausbildung und Studium und zur neuen Urheberrichtlinie. Herr Pöttgen machte den Jugendlichen Mut, mit finanzieller Unterstützung aus dem EU-Programm "Erasmus+ in einem anderen EU-Mitgliedstaat einen Teil ihrer Ausbildung zu absolvieren oder zu studieren, die Abschlüsse würden jeweils im Heimatland anerkannt. An dieser Stelle beklagte Maike Hajjoubi, von der Fontys Hogeschool Sittard, dass es gerade bei der Anerkennung der Studiumsabschlüsse Probleme gebe, ermutigte aber zugleich die Schüler/innen später einmal in dem einen Land zu arbeiten und in dem anderen Land zu wohnen. Herr Bram Jacobs, Beigeordneter der Gemeente Beesel und Herr Hans Gillissen, Bürgermeister der Gemeinde Venray waren der Ansicht, dass es am wichtigsten sei, die jungen Leute bei dem Schritt über die Grenze zu unterstützen; schon in der Schule und während der Ausbildung müsse auf die Möglichkeiten und Chancen einer grenzüberschreitenden Ausbildung und/oder Studiums mit den später daraus folgenden beruflichen Chancen hingewiesen werden.

Im Rahmen der Diskussion um die neue Urheberrichtlinie verteidigte Herr Pöttgen die Regelungen, die dazu gedacht seien, den Künstlern, Schriftstellern und Freischaffenden auch ein Ihnen zustehendes Entgelt für ihre Kreativität zu sichern. Es sei nicht richtig, dass der Art. 17 der Urheberrichtlinie eine Zensur darstelle, da upload-Filter nicht Voraussetzung für eine jeweilige Überprüfung beim Hochladen von Werken seien; eine Lösung biete sich auch über Algorithmen an. Es gehe um die Herstellung von fairen Wettbewerbsbedingungen und um den Lebensunterhalt derjenigen, die die Werke erschaffen hätten. Im Übrigen verwies Herr Pöttgen darauf, dass die Urheberrichtlinie in den Niederlanden und in vielen anderen EU-Mitgliedstaaten kein Thema sei, nur in Deutschland werde so deutlich protestiert.