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Europäische Kommission stellt Vision für einen europäischen Bildungsraum bis 2025 vor

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Die Europäische Kommission hat am 14.11.2017 eine Vision für einen europäischen Bildungsraum bis 2025 vorgestellt und will für die Realisierung ihrer Vorschläge fünf Prozent des BIP der EU aufwenden. Ihr Plan für einen europäischen Bildungsraum umfasst folgende Vorschläge:

  • Mobilität für alle: Aufbauend auf den positiven Erfahrungen des Programms Erasmus* und des Europäischen Solidaritätskorps sollen noch mehr Personen an diesen Programmen teilnehmen; außerdem soll ein neuer EU-Studienausweis als nutzerfreundliche neue Möglichkeit zur Speicherung von Informationen über akademische Leistungen eingeführt werden.
  • Gegenseitige Anerkennung von Hochschulabschlüssen: Auf der Grundlage des "Bologna-Prozesses", soll nach dem Willen der Europäischen Kommission ein neuer "Sorbonne-Prozess" eingeleitet werden, um die gegenseitige Anerkennung von Schul- und Hochschulabschlüssen vorzubereiten;
  • Stärkere Zusammenarbeit bei der Ausarbeitung von Lehrplänen: Es sollen Empfehlungen ausgearbeitet werden, um sicherzustellen, dass die Bildungssysteme alle Kenntnisse, Fertigkeiten und Kompetenzen vermitteln, die in der Welt von heute als unverzichtbar gelten;
  • Förderung des Sprachenlernens: Die Europäische Kommission will eine neue Benchmark festlegen, nach der bis 2025 alle jungen Europäerinnen und Europäer beim Abschluss der Sekundarstufe II neben ihrer bzw. ihren Muttersprache(n) über gute Kenntnisse in zwei Fremdsprachen verfügen sollen;
  • Förderung des lebenslangen Lernens: Streben nach Konvergenz und Erhöhung des Anteils der Menschen, die lebenslang weiter lernen, auf 25% im Jahr 2025;
  • Mainstreaming von Innovation und digitalen Kompetenzen in der Bildung: Förderung innovativer und digitaler Lehrmethoden und Ausarbeitung eines neuen Aktionsplans für digitale Bildung;
  • Unterstützung der Lehrkräfte: Vervielfachung der Zahl der Lehrkräfte, die am Programm Erasmus+ und am eTwinning-Netz teilnehmen, und Bereitstellung politischer Orientierungshilfen für die berufliche Entwicklung von Lehrkräften und Schulleitungen;
  • Schaffung eines Netzes europäischer Universitäten, damit europäische Universitäten von Weltrang nahtlos über Grenzen hinweg zusammenarbeiten können, und Förderung der Einrichtung einer Fakultät für europäische und transnationale Governance;
  • Investieren in die Bildung: Unterstützung von Strukturreformen im Rahmen des europäischen Semesters, um die Bildungspolitik zu verbessern, Verwendung von EU-Mitteln und EU-Investitionsinstrumenten zur Finanzierung von Bildung und Festlegung einer Benchmark für die Mitgliedstaaten, die 5% ihres BIP in die Bildung investieren sollen.
  • Schutz des kulturellen Erbes und Stärkung des Bewusstseins für eine europäische Identität und Kultur: Entwicklung einer europäischen Agenda für Kultur unter Ausnutzung der Dynamik des Europäischen Jahres des Kulturerbes 2018 und Ausarbeitung einer Empfehlung des Rates über gemeinsame Werte, inklusive Bildung und die europäische Dimension von Unterricht und Lehre.
  • Stärkung der europäischen Dimension von Euronews, das 1993 von mehreren europäischen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit dem Ziel ins Leben gerufen wurde, einen europäischen Fernsehsender zu schaffen, der Zugang zu unabhängigen, hochwertigen Nachrichten aus europaweiter Perspektive bietet.

Die Vorschläge hat die Europäische Kommission den Staats- und Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen am 17.11.2017 in Göteborg vorgelegt. Ziel der Europäischen Kommission ist der vollständige Abbau von Hindernissen im Bereich der Bildungsmobilität, noch gebe es zu viele Grenzen für lernen und studieren in einem anderen EU-Mitgliedstaat.

Anlässlich der Vorlage der Vorschläge sagte der Vize-Präsident der Europäischen Kommission, zuständig für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit: "Eine der größten Errungenschaften Europas war es, unseren Kontinent durch die Schaffung eines Raumes zu einen, in dem Arbeitnehmer und Bürger sich frei bewegen können. Im Bereich der Bildung ist die Mobilität nach wie vor durch Hindernisse eingeschränkt. Bis 2025 sollten wir in einem Europa leben, in dem wir lernen, studieren und forschen können, ohne von Grenzen behindert zu werden, und in dem es die Norm ist, eine Zeit lang in einem anderen Mitgliedstaat zu lernen, zu studieren oder zu forschen".

Der für Bildung, Kultur, Jugend und Sport zuständige EU-Kommissar, Tibor Navracsics, ergänzte: "Bildung hilft uns, uns an eine Welt im raschen Wandel anzupassen, eine europäische Identität zu entwickeln, andere Kulturen zu verstehen und die neuen Fertigkeiten zu erwerben, die wir in einer mobilen, multikulturellen und zunehmend digitalen Gesellschaft brauchen".

Die Ausarbeitung der Vorschläge geht auf die Erklärung von Rom zurück. In dieser hatten sich die Staats- und Regierungschefs am 25.03.2017 zu einer Union bekannt, "in der junge Menschen die beste Bildung und Ausbildung erhalten und auf dem gesamten Kontinent studieren und Arbeit finden können". Die Europäische Kommission legt bereits seit Jahren einen deutlichen Schwerpunkt auf die Bildung und denkt dabei insbesondere an die jungen Menschen; nach ihrer Auffassung sind Bildung und Kultur von wesentlicher Bedeutung bei der Bewältigung großer Herausforderungen wie der alternden Erwerbsbevölkerung, der fortlaufenden Digitalisierung und der Aneignung des künftigen notwendigen Kompetenzbedarfs, aber auch für die Förderung des kritischen Denkens und der Medienkompetenz im Zeitalter der "alternativen Fakten" und der Falschinformationen im Internets sowie der Notwendigkeit das Zusammengehörigkeitsgefühl in der Union gegen Populismus und Fremdenhass zu stärken.

Hintergrund:

Nach Art. 165 des Vertrags von Lissabon hat die Europäische Kommission keine eigene Kompetenz in Bildungsangelegenheiten, die Zuständigkeit für Bildung und Kultur liegt bei den Mitgliedstaaten und/oder ihren Regionen (in Deutschland bei den Bundesländern). Die Kommission darf jedoch unterstützend tätig werden und die Zusammenarbeit zwischen den Mitgliedstaaten fördern und bei der "Gestaltung des Bildungswesen sowie der Vielfalt ihrer Kulturen und Sprachen unterstützen" (z.B. Förderung der Mobilität von Lernenden und Lehrenden, Förderung der Zusammenarbeit zwischen Bildungseinrichtungen). So hat die Europäische Kommission über die vergangenen 30 Jahre das Erasmus+-Programm finanziell erheblich ausgeweitet; dadurch konnten 9 Mio. Menschen in einem anderen EU-Mitgliedsland studieren, eine Ausbildung absolvieren, lehren oder eine Freiwilligentätigkeit ausüben.

Seit dem Jahr 2000 arbeiten die EU-Mitgliedstaaten auf Initiative der Europäischen Kommission im "Rahmen für die europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der allgemeinen und beruflichen Bildung" zusammen, um gemeinsame Ziele und benchmarks festzulegen.

Im Zusammenhang mit der Strategie Europa 2020 hat die Europäische Kommission in 2010 zwei bildungspolitische Ziele ausgerufen und für beide schon erhebliche Fortschritte erzielt: Die Quote der zu frühen Schulabgänger wurde von 13,9% im Jahr 2010 auf 10,7% im Jahr 2016 gesenkt (das Ziel bis 2020 sind 10%) und die Quote der tertiären Bildungsabschlüsse (Hochschulabschlüsse) ist von 34% im Jahr 2010 auf 39,1% im Jahr 2016 gestiegen (Ziel bis 2020 sind 40%).

Quelle und weitere Informationen:

  • EU-Aktuell vom 14.11.2017