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Das EU-Bildungsprogramm Erasmus+ wird 30 Jahre - Europäische Kommission zieht Bilanz und verzeichnet Teilnehmerrekord

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Das EU-Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport feiert in 2017 sein dreißigjähriges Jubiläum; aus diesem Anlass finden zahlreiche Veranstaltungen auf europäischer, nationaler und lokaler Ebene statt, auf denen ehemalige Erasmus-TeilnehmerInnen von ihren individuellen Erfahrungen berichten werden. Ziel der Europäischen Kommission ist, durch den Erfahrungsaustausch auf diesen Veranstaltungen und durch zusätzliche online-Konsultationen einen offenen Dialog mit den BürgerInnen zu führen und herauszufinden, wie das Programm weiter gestärkt werden kann.

Für Deutschland startete die Kampagne auf der Veranstaltung "30 Jahre EU-Bildungsprogramm Erasmus des Bundesministeriums für Forschung und Bildung am 24.01.2017 in Berlin. An der Veranstaltung nahm auch der für Bildung, Kultur, Jugend und Sport zuständige EU-Kommissar Tibor Navracsics teil und rief junge Menschen und Lehrer auf, das Beste aus dem Programm zu machen. Er bezeichnete in seiner Rede das Programm als gutes Beispiel dafür, was die EU für Ihre Bürgerinnen und Bürger bewirken könne, nicht nur für Studenten, sondern auch für Auszubildende, Freiwillige, Hochschullehrer und Anbieter von beruflicher Weiterbildung.

Erasmus+ ist das Nachfolgeprogramm von Erasmus, es hat eine Laufzeit von sieben Jahren (2014 bis 2020) und ist mit 14,7 Mrd. Euro ausgestattet, das ist eine Steigerung der Finanzmittel um 40% im Vergleich zum vorherigen Förderzeitraum (2007 - 2013). Nach dem Willen der Europäischen Kommission soll es 4 Millionen EuropäerInnen die Möglichkeit geben, im Ausland Freiwilligenarbeit zu leisten (für junge Menschen ab 17 Jahren), ein Praktikum zu machen (für SchülerInnen und StudentInnen), eine Berufserfahrung zu machen (Auszubildende), sich weiterzubilden (Erwachsene und LehrerInnen) und zu studieren (StudentInnen). An dem Programm sind zurzeit die 28 EU-Mitgliedstaaten und die EWR-Staaten Island, Norwegen und Liechtenstein sowie die Türkei und Beitrittskandidat Mazedonien beteiligt.

Für StudentInnen, die ein Masterstudium im EU-Ausland absolvieren wollen, wurde im Februar 2015 gemeinsam mit der Europäischen Investitionsbank ein Darlehensprogramm in Höhe von 3 Mrd. € aufgelegt; dieses soll bis zum Ende der Programmzeit 200.000 StudentInnen die Möglichkeit geben, in einem anderen EU-Mitgliedsland ein vollständiges ein- oder zweijähriges Masterstudium zu absolvieren (entweder 12.000,- oder 18.000,- € Unterstützung). Die Darlehen werden zinsbegünstigt vergeben und frühestens zwei Jahre nach dem Masterabschluss muss mit der Rückzahlung begonnen werden.

Zwischenzeitlich ist die Finanzierung von Austauschmaßnahmen von europäischen Hochschulen und Hochschulen aus der ganzen Welt zusätzlich aufgenommen worden; im Rahmen dieser Aktion wurden über 28.000 Teilnehmerinnen mit insgesamt 11 Mio. Euro gefördert.

Das frühere EU-Programm Erasmus startete in Deutschland im Jahr 1987, aus Deutschland nutzten 657 StudentInnen die Chance, ein oder zwei Semester im EU-Ausland zu studieren, im gesamten damaligen EG-Raum waren es 3.200 StudentInnen aus 11 Ländern. Seit 1987 haben mehr als 1,3 Mio. deutschen StudentInnen an dem Programm teilgenommen, für den Zeitraum 2014 bis 2020 erwartet die Europäische Kommission 660.000 TeilnehmerInnen aus Deutschland.

Der Schwerpunkt der jetzigen Programmgeneration liegt auf der Verbesserung von Arbeitsplatzperspektiven für junge EU-BürgerInnen (unter 25 Jahre) und der Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit, die besonders in einigen südeuropäischen Ländern wie Griechenland und Spanien besonders hoch liegt. Erasmus konnte nach Angaben der Europäischen Kommission im Jahr 2015 687.000 Stipendien an Studierende, PraktikantInnen, Lehrende und Freiwillige (davon 83.100 aus Deutschland) vergeben, was einen Rekord darstellt. Die beliebtesten Zielländer waren 2013/2014 Spanien (39.277), Deutschland (30.964) und Frankreich (29.621).

Die Europäische Kommission legt im Rahmen von Erasmus+ zudem einen zusätzlichen Schwerpunkt auf die Förderung sozialer Inklusion, bürgerschaftliches Engagement und Toleranz. Im Jahr 2015 wurde für neu angekommene MigrantInnen und Flüchtlinge, die einen verstärkten Bildungsbedarf haben, zusätzlich vier Mio. Euro bereitgestellt, damit die Online-Sprachhilfe in den kommenden drei Jahren von 100.000 Flüchtlingen genutzt werden kann. Bei der Förderung der sozialen Integration haben Bildungsangebote und Jugendprojekte eine Schlüsselfunktion. In diesem Zusammenhang verweist die Europäische Kommission auf Weiterbildungsangebote für JugendbetreuerInnen in ganz Europa und in benachbarten Regionen, damit sie die Inklusion junger Menschen besser unterstützen können; so nahmen in 2015 an solchen Erasmus+-Projekten 38.000 Jugendliche teil, die mit rd. 28 Mio. Euro finanziell unterstützt wurden.

Für 2016 wurden 13 Mio. Euro für die Förderung von Projekten für die Inklusion von Minderheiten und MigrantInnen sowie anderer benachteiligter Gruppen bereitgestellt. Die Europäische Kommission betont ausdrücklich, dass Erasmus+ allen Menschen offenstehe und das Programm denjenigen einen Zugang eröffnet, die mit Hindernissen und Benachteiligungen konfrontiert sind - aufgrund ihrer wirtschaftlichen Lage, einer Behinderung, aufgrund des sozialen Status, wegen geografischer Abgelegenheit oder aus gesundheitlichen Gründen. Diese Fördergruppe macht derzeit 10 Prozent der Teilnehmerinnen an Austauschmaßnahmen aus und erhält gem. nationaler Förderkriterien 100 - 200 Euro mehr im Monat, insgesamt erhalten zurzeit 39.000 benachteiligte Studierende ein solches Zusatzstipendium. Im Jugendbereich kommt laut Angaben der Europäischen Kommission jeder dritte Teilnehmende aus benachteiligten sozioökonomischen Verhältnissen

Die Europäische Kampagne zum 30jährigen Jubiläum startete am 26. Januar 2017. Bei der Vorlage des Jahresberichts 2015 sagte Navracsics: "Seit mittlerweile drei Jahrzehnten eröffnet Erasmus jungen Menschen große Chancen, hilft ihnen dabei, wichtige Fähigkeiten wie soziale und interkulturelle Kompetenz zu entwickeln, und fördert bürgerschaftliches Engagement. Das Programm verbindet Menschen miteinander, unterstützt ihre Zusammenarbeit und versetzt so unsere Jugend in die Lage, eine bessere Gesellschaft aufzubauen. Genau diese Solidarität braucht Europa - heute mehr denn je. Ich möchte dafür sorgen, dass mit Erasmus+ künftig noch mehr Menschen mit unterschiedlichstem Hintergrund gefördert werden."

Der Vizepräsident der Kommission, zuständig für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit und selbst ehemaliger Erasmus-Studierender an der Universität Leicester, Jyrki Katainen (Vereinigtes Königreich), erklärte: "Durch Bildung erwerben wir die Kenntnisse, Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten, die es uns ermöglichen, unser Potenzial voll auszuschöpfen und unsere Chancen zu nutzen. Mobilität erweitert unseren Horizont und stärkt unser Selbstbewusstsein. Erasmus kann beides bieten. Als ehemaliger Erasmus-Studierender kann ich dies aus meiner persönlichen Erfahrung heraus bestätigen. Ich rufe alle Studierenden und insbesondere auch Lehrkräfte, Ausbilder, Jugendbetreuer und Auszubildende dazu auf, die Möglichkeiten, die Erasmus+ ihnen bietet, zu nutzen."

In jedem teilnehmenden Land gibt es nationale Behörden und Agenturen, die für das Programm verantwortlich bzw. für dessen Umsetzung zuständig sind. In Deutschland sind das Bundesministerium für Bildung und Forschung, das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend sowie die Kultusministerkonferenz verantwortlich. Für die Umsetzung gibt es vier nationale Agenturen:

  1. Die Nationale Agentur "Jugend für Europa" für den Bereich Jugend in Bonn
  2. Die Nationale Agentur im Pädagogischen Austauschdienst (PAD) der Kultusministerkonferenz für den Schulbereich in Bonn
  3. Die Nationale Agentur für die EU-Hochschulzusammenarbeit beim DAAD für den Bereich der Hochschulbildung in Bonn und
  4. Die Nationale Agentur "Bildung für Europa" beim Bundesinstitut für Berufsbildung für den Bereich Bildung und Erwachsenenbildung in Bonn

Quelle und weitere Informationen

  • EU-Aktuell vom 23.01.2017
  • EU-Aktuell vom 24.01.2017
  • EU-Aktuell vom 26.01.2017
  • länderspezifische Informationen und Statistiken zu Erasmus+