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Europäische Kommission stellt neue Weltraumstrategie für Europa vor

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Die Europäische Kommission hat am 26. September 2016 eine neue Weltraumstrategie für Europa vorgestellt und reagiert damit nach eigener Aussage auf den zunehmenden globalen Wettbewerb, die wachsende Rolle des privaten Sektors und weitreichende technologische Veränderungen in der Raumfahrt. So gehören zu den Vorschlägen den Zugang von Unternehmen und start-ups zu Weltraumdaten zu verbessern, Raumfahrtindustrie-Hubs in europäischen Regionen zu fördern und in den kommenden 10 - 15 Jahren mehr als 30 Satelliten für die EU-Programme Galileo und Copernicus zu starten.

Unter drei Überschriften erklärt die Europäische Kommission ihre Ziele:

Den Weltraum für Gesellschaft und Wirtschaft optimal nutzen

Die Europäische Kommission will erreichen, dass die vorhandenen Weltraumdaten auch von den öffentlichen und privaten Märkten genutzt werden können. So fördert die Europäische Kommission die Nutzung von Galileo (europäisches Navigationssystem) in Mobilgeräten und sog. kritischen (d.h. zu sicherheits- und verteidigungspolitischen Zwecken benötigte) Infrastrukturen und verbessert die Anbindung in entlegenen Gebieten. Auch erleichtert sie innovativen Unternehmen und start-ups den Zugang zu Weltraumdaten über spezielle Plattformen unter Federführung der jeweiligen Branche, um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, Dienste und Anwendungen entwickeln zu können.

Förderung einer wettbewerbsfähigen und innovativen europäischen Raumfahrtbranche

Die Europäische Kommission hat sich zum Ziel gesetzt, in der Europäischen Raumfahrtbranche den sich schnell vollziehenden und marktbeeinflussenden Innovationen, neuen Geschäftsmodellen und dem zunehmenden globalen Wettbewerb stets einen Schritt voraus zu sein. Daher konzentriert die Kommission ihre Finanzmittel stärker auf neue und expandierende Unternehmer im gesamten EU-Binnenmarkt. In Zukunft will die Europäische Kommission mehr private Investitionen für start-ups in diesem Bereich fördern und dies insbesondere im Rahmen der Europäischen Investitionsinitiative sowie des bevorstehenden Risikokapital-Dachfonds. Zusätzlich will sie die Entstehung von Raumfahrtindustrie-Hubs und -Clustern in europäischen Regionen unterstützen.

Europas strategische Unabhängigkeit sichern und seine globale Rolle in der Raumfahrt stärken

Die Europäische Kommission weist ausdrücklich daraufhin, dass Europas unabhängiger Zugang zum Weltraum und dessen Nutzung von ausschlaggebender Bedeutung für die Umsetzung der EU-Poiltik in diesem Bereich, aber auch für die Industrie und Wirtschaft sowie für die Sicherheit, Verteidigung und strategische Unabhängigkeit des europäischen Kontinents ist. Vor diesem Hintergrund plant die Europäische Kommission in den nächsten zehn bis 15 Jahren im Rahmen der EU-Programme Galileo und Copernicus mehr als 30 Satelliten zu starten und sieht hier vor allem eine Chance für die wirtschaftliche Tragfähigkeit künftiger in Europa gebauter Trägerraketen wie Ariane 6 und Vega C.

Im Rahmen einer weiteren Initiative will sie dafür Sorge tragen, dass die europäischen Unternehmen weiterhin Zugang zu den Weltmärkten haben; aufbauend auf einer bestehenden Initiative soll die Arbeit an einem umfassenden EU-Weltraumlageerfassungsdienst aufgenommen werden, der kritische Raumfahrtinfrastrukturen vor Weltraummüll, Weltraumwetter und Cyberattacken schützen soll.

Anlässlich der Vorstellung der neuen Strategie sagte der für die EU-Energieunion zuständige Kommissar, Maros Sefcovic "Die Europäische Union nimmt eine Schlüsselrolle in der Raumfahrtpolitik ein. Darauf wollen wir aufbauen und diese führende Rolle strategisch nutzen, um Arbeitsplätze und Wachstum zu schaffen und in unseren gemeinsamen Prioritätsbereichen Fortschritte zu erzielen: Sicherheit, Klimawandel, Verkehr, datengestützte Wirtschaft, Bewältigung von Naturkatastrophen. Dazu müssen wir mit unseren Partnern und Interessengruppen innerhalb und außerhalb Europas zusammenarbeiten."

EU-Kommissarin Elżbieta Bieńkowska, zuständig für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmen und KMU, erklärte: "Die Raumfahrt ist eine Schlüsselbranche für Europa und bietet einen strategischen Vorteil für Europas Handlungsfreiheit auf globaler Ebene. Doch wir brauchen mehr Unternehmer und mehr private Investitionen, wenn die Raumfahrt ihre Spitzenposition behaupten soll. Deshalb will ich der Industrie, den Start-ups und den Investoren deutlich machen, welche Bedeutung die Raumfahrt hat und dass wir uns dort dauerhaft engagieren müssen."

Hintergrund:

Die Europäische Kommission verweist ausdrücklich darauf, dass Europa insgesamt (EU-Mitgliedstaaten, Europäische Weltraumorganisation, Europäische Organisation für die Nutzung metereologischer Satelliten und die EU) eine führende Rolle in der Welt einnimmt. Europa verfüge über eine leistungs- und wettbewerbsfähige Industrie, z.B. für Satelliten, Trägerraketen und damit zusammenhängende Dienste und Einsätze. Die europäische Raumfahrtindustrie beschäftige über 230.000 Fachkräfte und erwirtschafte einen Umsatz zwischen 46 und 54 Mrd. €. Europa stelle weltweit ein Drittel aller Satelliten her und habe in der Raumfahrt mit bahnbrechenden Technologien und Erkundungsmissionen viele Erfolge erzielt.

In den Jahren 2014 - 2020 werde die EU mehr als 12 Mrd. € in die Entwicklung hochwertiger Weltraumprojekte investieren. So trage das EU-Programm Copernicus als weltweit führender Anbieter von Erdbeobachtungsdaten z.B. zur Rettung von Menschenleben auf dem Meer bei. Das EU-Programm Galileo, Europas eigenes globales Satellitennavigationssystem werde bald in der Lage sein, genauere und zuverlässigere Standort- und Zeitbestimmungsdaten für autonome und vernetzte Fahrzeuge, den Schienenverkehr, den Luftverkehr und andere Bereiche zu liefern. Schließlich biete das Geostationary Navigation Overlay Service (EGNOS) Nutzern an Land, zu Wasser und in der Luft in einem Großteil Europas sicherheitskritische Navigationsdienste.

Quelle und weitere Informationen:

  • EU-Aktuell vom 26.10.2016