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Europäische Kommission stellt Maßnahmen zur Verbesserung von Qualität und Vergleichbarkeit von Kompetenzen und Qualifikationen in Europa vor

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Die Europäische Kommission hat am 10.06.2016 zehn Maßnahmen vorgestellt, die helfen sollen, die Qualität und Vergleichbarkeit von Kompetenzen und Qualifikationen in Europa zu verbessern. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass 51,2 Prozent der Arbeitgeber in der EU angeben, dass sie Schwierigkeiten hätten, Mitarbeiter mit passenden Kompetenzen zu finden, der EU-Durchschnitt liegt bei 40 Prozent. Die Beschäftigungsrate junger Menschen mit geringen Qualifikationen liegt in Deutschland bei 52,1% (im EU-Durchschnitt bei 53,1%), bei jungen Menschen mit hohen Qualifikationen beträgt sie 93,1% (EU-Durchschnitt 80,5%).

Die Europäische Kommission hat durch ihre Recherchen festgestellt, dass ungefähr ein Viertel der EU-Bevölkerung nicht richtig schreiben und lesen kann und zudem schwache Rechen- oder digitale Kompetenzen aufweist; mehr als 65 Mio. Menschen in der EU haben keine Qualifikationen, die einen Abschluss der Sekundarstufe II entspricht; wobei sich die Zahlen je nach EU-Mitgliedsland sehr unterschiedlich darstellen.

Die Europäische Kommission hat daher ihre Vorschläge auch vor dem Hintergrund der notwendigen Integration von Flüchtlingen und Migranten in den Arbeitsmarkt gemacht. Der für die Themen Euro und sozialer Dialog zuständige EU-Kommissar Valdis Dombrovskis, sagte anlässlich der Erläuterung der Ergebnisse: "In der EU sind derzeit Millionen von Menschen arbeitslos. Wir müssen deshalb alles in unserer Macht stehende tun, damit sie sich die Kompetenzen aneignen können, die auf dem sich wandelnden Arbeitsmarkt gebraucht werden.".

Der Vize-Präsident der Europäischen Kommission und zuständige EU-Kommissar für Arbeitsplätze, Wachstum, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit, Jyrki Katainen, ergänzte:" In einer von raschen Veränderungen geprägten Welt müssen wir in unser wichtigstes Kapital investieren - die Menschen. Sie brauchen ein breites Spektrum von Kompetenzen, um ihr Potenzial als aktive Bürgerinnen und Bürger und als Arbeitskräfte voll auszuschöpfen. Kompetenzen sind somit ein entscheidender Faktor für Wohlstand, Beschäftigung, Wachstum und dauerhaftes Wohlergehen".

Die zehn Maßnahmen der Europäischen Kommission

Die neue europäische Agenda für Kompetenzen soll nach dem Willen der Europäischen Kommission die Vermittlung und Anerkennung von Kompetenzen - "Grundfertigkeiten und komplexere Kompetenzen genauso wie übergeordnete und Bürgerkompetenzen - verbessern und damit die Beschäftigungsfähigkeit fördern. Sie hat damit zwei Ziele gleichzeitig, einmal soll niemand "auf der Strecke bleiben" und zum zweiten soll sie die für die Wettbewerbsfähigkeit und Innovation entscheidenden Spitzenkompetenzen fördern: Die Maßnahmen sind:

  • Die Kompetenzgarantie soll gering qualifizierten Erwachsenen dabei helfen, ein Mindestniveau an Lese-, Schreib- und Rechenkompetenzen sowie digitalen Kompetenzen zu erreichen, und ihnen letztlich den Erwerb eines Abschlusses der Sekundarstufe II ermöglichen.
  • Der Europäische Qualifikationsrahmen wird überarbeitet, damit Qualifikationen verständlicher und vorhandene Fertigkeiten auf dem europäischen Arbeitsmarkt besser genutzt werden.
  • Die Kommission ruft die "Koalition für digitale Kompetenzen und Arbeitsplätze" ins Leben. Sie soll es Akteuren aus den Mitgliedstaaten, dem Bildungswesen, dem Arbeitsmarkt und der Wirtschaft ermöglichen, gemeinsam ein großes Reservoir an IT-Fachkräften zu schaffen und dafür zu sorgen, dass die Bürgerinnen und Bürger und insbesondere die Arbeitskräfte in Europa über angemessene digitale Kompetenzen verfügen.
  • Die "Blaupause zur Branchenzusammenarbeit für Kompetenzen" soll die Erfassung von Daten über Kompetenzen verbessern und dem Fachkräftemangel in spezifischen Wirtschaftszweigen entgegenwirken.

Die nächsten Schritte 2015/2016:

  • Das neue "Instrument zur Erstellung von Kompetenzprofilen für Drittstaatsangehörige" soll die frühzeitige Ermittlung und Erfassung der Kompetenzen und Qualifikationen von Asylbewerbern, Flüchtlingen und anderen Migranten fördern.
  • Durch die Überarbeitung des Europass-Rahmens sollen den Menschen bessere, leichter nutzbare Instrumente an die Hand gegeben werden, um ihre Kompetenzen zu präsentieren und nützliche aktuelle Informationen über den Kompetenzbedarf und dessen Entwicklung abzurufen, die ihnen als Orientierungshilfe bei Entscheidungen innerhalb des Berufs- und Bildungswegs dienen können.
  • Die Berufsausbildung soll zur "ersten Wahl" werden; zu diesem Zweck sollen Lernende in der Berufsbildung mehr Möglichkeiten erhalten, um berufspraktische Erfahrungen am Arbeitsplatz zu sammeln, und die Erfolge der Berufsbildung auf dem Arbeitsmarkt sollen stärker in den Vordergrund gerückt werden.
  • Die Empfehlung zu Schlüsselkompetenzen soll überarbeitet werden, um mehr Menschen den Erwerb bestimmter grundlegender Kompetenzen zu ermöglichen, die im 21. Jahrhundert zum Leben und Arbeiten benötigt werden. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Förderung des Unternehmer- und Innovationsgeistes und entsprechender Kompetenzen gelegt.
  • Eine Initiative zur Nachverfolgung des Werdegangs von Hochschulabsolventinnen und absolventen soll die Datenlage über deren Vorankommen auf dem Arbeitsmarkt verbessern.
  • Die Europäische Kommission will einen Vorschlag vorlegen, um die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte ("Brain Drain") eingehender zu analysieren und bewährte Vorgehensweisen bei der Eindämmung dieses Phänomens auszutauschen.

Die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige EU-Kommissarin verwies bei der Vorstellung darauf, dass die wettbewerbsfähigsten Mitgliedstaaten diejenigen sind, die am meisten in die Kompetenzen ihrer Bürgerinnen und Bürger investieren. Sie rief daher die Mitgliedstaaten und deren Unternehmen und Sozialpartner dazu auf, gemeinsam mit der Europäischen Kommission an der erfolgreichen Umsetzung der neuen Kompetenzagenda zu arbeiten.

Zur Umsetzung der Agenda wird die Europäische Kommission gemeinsam mit den Mitgliedstaaten die einschlägigen EU-Förderprogramme prüfen, wie z.B. den Einsatz des Europäischen Sozialfonds, des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung, des Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds (AMIF) sowie das Forschungsprogramm Horizont 2020 und das Programm Erasmus* (Programm für allgemeine und berufliche Bildung, Jugend und Sport).

Quelle und weitere Informationen:

  • EU-Aktuell vom 10.06.2016