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Europäische Kommission stellt Bericht über die Rentensysteme der 28 EU-Mitgliedstaaten vor - Sicherheit der Altersbezüge nur bei Erreichen des gesetzlichen Mindestalters gewährleistet

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Am 05.10.2015 hat die Europäische Kommission einen Bericht über die Rentensysteme in den 28 EU-Mitgliedstaaten mit jeweils ausführlichem Länderprofil vorgestellt. Ein wesentliches Ergebnis ist die Feststellung, dass möglichst viele Menschen bis zum Erreichen des gesetzlichen Mindestalters erwerbstätig sein müssen, damit die Rentensysteme in der EU auch künftigen Generationen angemessene Altersbezüge sicherstellen können.

Nach Feststellung der Europäischen Kommission bieten die derzeitigen Renten und Pensionen in der EU den Menschen insgesamt angemessene Einkommenssicherheit und ausreichenden Schutz vor Armut im Rentenalter. Ein Vergleich zeigt, dass die älteren Menschen in der EU einen ähnlichen Lebensstandard wie die Jüngeren haben. In Zahlen ausgedrückt entspricht das mittlere verfügbare Einkommen der über 65jährigen 93% des Einkommens der Menschen unter 65 Jahre.

Die für Beschäftigung, Soziales, Qualifikationen und Arbeitskräftemobilität zuständige EU-Kommissarin, Marianne Thyssen, sagte anlässlich der Vorstellung des Berichts: „Die jüngsten Rentenreformen haben sich darauf konzentriert, dass Renten und Pensionen einer sehr viel größeren älteren Bevölkerungsgruppe zugute kommen können, ohne die öffentlichen Haushalte zu destabilisieren. Dies kann nur erreicht werden, wenn die große Mehrheit der Erwerbstätigen genug Möglichkeiten hat, weiter zu arbeiten, bis das gesetzliche Rentenalter erreicht ist. Das gesetzliche Rentenalter dürfte in der gesamten EU weiter steigen. Wir müssen genug in die Qualifikationen und die Gesundheit der Menschen investieren, damit sie in der Lage sind, diese Möglichkeiten auch zu nutzen. Wir müssen auch solidarisch sein mit denen, die dazu nicht in der Lage sind und die Arbeitslosenleistungen oder Leistungen bei Invalidität benötigen, bevor sie das Rentenalter erreichen“.

Der Bericht stellt fest, dass es in Zukunft immer wichtiger werde, eine vollständige Erwerbslaufbahn mit Beitragszeiten von 40 bis 45 Jahren vorzuweisen, um eine angemessene, d.h. ausreichende Rente beziehen zu können. Nach Beobachtung der Europäischen Kommission haben die jüngsten Rentenreformen in einigen EU-Ländern (z.B. Griechenland, Portugal) die Möglichkeit zur Frühverrentung eingeschränkt und das Renteneintrittsalter schrittweise angehoben. Diese Reformen tragen zum wirksamen Erhalt angemessener Renten bei und bewahren gleichzeitig die finanzielle Tragfähigkeit der Rentensysteme. Die Europäische Kommission betont an dieser Stelle ausdrücklich, dass diese finanzielle Belastbarkeit nur erhalten bleiben könnte, wenn die Reform der Rentensysteme mit Reformen in der Arbeitsmarktpolitik und in der Beschäftigungspraxis einhergingen, denn nur so könnten Frauen und Männer länger arbeiten (der Bericht zur Angemessenheit der Renten und Pensionen wird alle drei Jahre vom Ausschuss für Sozialschutz vorgelegt).

Der Bericht hält weiter fest, dass die Rentenbezüge nach wie geschlechtsspezifische Unterschiede aufweisen. Danach sind Frauen stärker von Armut betroffen und beziehen niedrigere Renten als Männer, weil sie weniger verdienen und vielfach aufgrund familiärer Verpflichtungen ein kürzeres Erwerbsleben haben. Im EU-Durchschnitt erhalten Frauen 40% weniger Rente als Männer. Das geschlechterspezifische Rentengefälle kann nach Ansicht der Europäischen Kommission nur durch langjährige Anstrengungen verlängert werden, dabei müssten die Strategien der Chancengleichheit in mehreren Politikbereichen einhergehen mit Reformen des Rentensystems, lange bevor die Menschen das Rentenalter erreichen.

Quelle und weitere Informationen:

  • EU-Aktuell vom 05.10.2015