Von Amts (arzt) wegen - eine Podcast-Reihe des Gesundheitsamtes des Rhein-Kreises Neuss Juli 2011 ZECKENALARM Liebe gesundheitsbewusste Bürgerinnen und Bürger aus dem Rhein-Kreis Neuss, vielleicht werden Ihnen die Namen des Schweizer Eidgenossen und Arztes Willy Burgdorfer und des seinerzeitigen Profi-Fußballers Andreas Neuendorf nicht allzu viel sagen und möglicherweise wissen ja auch beide nichts voneinander. Und dennoch verbindet sie eine Gemeinsamkeit: Beide Lebensläufe prägte nämlich ein Spinnetier, und zwar die Zecke. Häufig wird diese nur als brauner Punkt auf der Haut wahrgenommen und nach Aufenthalten im Freien entdeckt. Die hinzugezogene Lupe verschafft Klarheit und so kann das Tierchen nun mit Hilfe einer Zeckenzange senkrecht zur Haut entfernt werden. Es muss weder im Uhrzeigersinn noch entgegen des Uhrzeigersinnes herausgedreht werden und bedarf übrigens auch keiner Klebemittel- oder Ölnarkose. In der Stadt Lyme in Connecticut erkrankte 1975 eine Reihe von Personen an einer ominösen Infektionskrankheit nach Zeckenbiss. Willy Burgdorfer konnte schließlich den Erreger nachweisen, eine sogenannte Borrelie. Ihm zu Ehren wurde das schraubenförmige Bakterium Borrelia burgdorferi getauft. Die dazugehörige Erkrankung heißt Borreliose. Hierbei bildet sich innerhalb von wenigen Tagen ein roter Kreis um die Bissstelle, der sich zunächst ausdehnt, später aber wieder verschwindet. Unbehandelt geht der Betroffene das Risiko ein, unter Beteiligung des Nervensystems, Herzens, der Gelenke oder Haut zu erkranken. Wichtig ist, dass man auf die beschriebene wandernde Rötung achtet. Bei Auftreten dieser Hautveränderung gilt es, in jedem Fall, einen Arzt aufzusuchen, der dann eine antibiotische Therapie verordnet, welche das Auftreten von Spätschäden verhindern kann. Andreas Neuendorf erlitt beim Trainingslauf im Wald einen zunächst harmlosen Zeckenbiss, dessen Folge jedoch eine vorübergehende Sportuntauglichkeit infolge einer solchen Borreliose war. Doch Zecken stellen nicht nur ein Reservoir für Bakterien dar. Insbesondere im Süden Deutschlands und den benachbarten Regionen übertragen sie noch eine weitere Erregerart - nämlich Viren. Das sog. FSME-Virus wurde im letzten Jahr bundesweit bei 260 Patienten nachgewiesen. Die Erkrankung tritt hierbei nach 1 - 2 Wochen in Form grippeähnlicher Beschwerden auf. In 10 % aller Fälle erfolgen nach beschwerdefreier Phase Erbrechen, Fieber und Kopfschmerzen als Folge einer Beteiligung des Nervensystems. Glücklicherweise existiert eine wirksame Impfung, die bei Reisen in die betroffenen Regionen ratsam ist. Gerade ältere Menschen sollten sich daher rechtzeitig bei ihrem Gesundheitsamt, Arzt oder Apotheker erkundigen, welche Risikogebiete es für diese Erkrankung in Deutschland gibt. Getreu dem Motto "Fürchte dich nicht", dem Titel eines spannenden Krimis von Jürgen Kehrer, der die Virusübertragung durch Zecken zum Thema hat, gilt für den Reisenden aber, eine Infektionsmöglichkeit durch Zecken in der Urlaubsregion nicht überzubewerten. Schließlich gibt es sowohl gute Schutzmöglichkeiten als auch die erwähnten etablierten medizinischen Verfahren, den Krankheitserregern wirksam zu begegnen. Personen, die über die ärztliche Betreuung hinaus Rat und Hilfe suchen, erhalten diese unter der zentralen Rufnummer des Gesundheitsamtes 0.21.81 601 5300. Übrigens erhielt Neuendorf nach seiner Infektion einen Spitznamen, unter dem er inzwischen besser bekannt ist als unter seinem regulären Vor- und Zunamen: Den inzwischen 36 -jährigen Spieler nennt jeder nur noch "Zecke". Diese Bezeichnung hat er zudem als Künstlernamen in seinen Personalausweis eintragen lassen. Darauf wollen Sie es aber doch nicht ankommen lassen? Oder ……. meint Ihr Gesundheitsamt