Von Amt(sarzt) wegen Eine Podcast-Reihe des Gesundheitsamtes des Rhein-Kreises Neuss April 2011 ÜBERRASCHUNGSEIER Liebe gesundheitsbewusste Bürgerinnen und Bürger aus dem Rhein-Kreis Neuss, wir schreiben das Jahr 1493. Ein tapferer Korsar sitzt einem hohen Herrn in offizieller Tracht gegenüber. Beiderseits des Tisches halten sich rund fünfzig Adlige auf. "Ihre Ruhmestat hätten wohl andere auch geschafft" meint der Würdenträger mit abfälligem Unterton und blickt dem mutigen Streiter ins Gesicht. Dieser legt die Stirn in Falten, ein Anflug von Unmut lässt sich in seinen Gesichtszügen erahnen: "Man reiche mir ein Ei.", fordert er als Antwort und fragt anschließend: "Wer von Ihnen schafft es, dieses Ei aufrecht hinzustellen?" Er blickt in die Runde und wird der zweifelnden, spöttischen und amüsierten Gesichter gewahr. Da nimmt der wackre Mann das Ei und schlägt es mit der Spitze vehement auf die Tischplatte, so dass es stehen bleibt. "Mag sein, meine Herren, dass Sie dies natürlich auch geschafft hätten, aber sie haben es ja nicht getan!" ruft er triumphierend. Christobal Colon besser bekannt unter dem Namen Kolumbus wird diese Anekdote nach seiner Entdeckung Amerikas nachgesagt. Sein Kritiker war Kardinal Mendoza. Der Begriff "Ei des Kolumbus" beschreibt bis heute eine überraschend effektive Lösung eines Problems. Das Ei als solches ist aber nicht immer positiv besetzt. Oder möchten Sie beispielsweise als Weichei tituliert werden? Auch gesundheitlich kann ein Ei zu Beschwerden Anlass geben. Bestimmte Bakterien besiedeln die Schalen und werden vor allem bei der Verarbeitung roher Eier in Speisen eingebracht, worin sie sich nach Herzenslust vermehren. Hieraus resultieren fieberhafte Brech- Durchfallerkrankungen, beispielsweise Salmonellosen. Gerade bei der Zubereitung von Speisen für immunschwache Personen, Senioren oder Kleinkinder sind daher strenge Hygieneregeln zu beachten. Nicht zuletzt die Öffentliche Wahrnehmung und Aufklärung haben im Rhein-Kreis Neuss und Umgebung seit dem Jahr 2000 erfreulicherweise zu einer kontinuierlichen Abnahme der Erkrankungsfälle von 497 auf 118 / Jahr geführt. Die vom Gesundheitsamt angebotenen Hygienebelehrungen finden inzwischen jährlich bei 8000 Personen Resonanz - übrigens Anmeldungen im Internet unter gesundheitsamt-ne.de -> Termin online vereinbaren. Nach Besuch der Veranstaltung können Sie nun von Salmonellenerkrankungen jedenfalls nicht mehr überrascht werden. Eine Hygienebelehrung ist auch für das Küchenpersonal eines Kreuzfahrtschiffes obligat. Ansonsten kann es zu legendären Salmonellen- bzw. Coli-Epidemien kommen, die verstärkte Hygienekontrollen des Gesundheitsamtes nach sich ziehen. Dem nur 46 Jahre alt gewordenen David Foster Wallace, einem der polarisierendsten Schriftsteller der USA, wurden zum Auftakt seiner Schiffsreise von Wichtigtuern derartige Vorkommnisse sozusagen zur Aufmunterung erzählt. Er schildert dies recht eindrucksvoll in seinem Werk mit dem Titel, der die Schauermärchen seiner Gesprächspartner gleichzeitig treffend kommentiert: "Schrecklich amüsant - aber in Zukunft ohne mich". Nicht überraschend für Sie ist auch eine wichtige Ingredienz des Hühnereis: Das Cholesterin. Da diese Substanz als Ursache von Herz-Kreislauf Erkrankungen gilt, war es über Jahre verpönt, Eier zu verspeisen. Heute weiß man, dass die externe Zufuhr von Cholesterin den Blutspiegel nicht beeinflusst. Als Lieferanten von Mineralstoffen und Jod, Vitaminen B, D und K sowie Eiweiß werden die Inhaltsstoffe von Eiern heute als gesundheitsfördernd angesehen und stehen allenfalls in der Kritik, wenn es sich - wie erst jüngst berichtet - um Verunreinigungen wie Dioxine handelt. Fürst Otto von Bismarck, erster Reichskanzler der Deutschen, aß nachweislich 16 Eier zum Frühstück und wurde 83 Jahre alt! Auch starb er weder an einer Lebensmittelinfektion noch an einer ernährungsbedingten Erkrankung. Zur Osterzeit steht nun einem ungetrübten Genuss von Eiern nichts mehr entgegen. Überraschungen können Eier Ihnen jedenfalls nicht mehr liefern, es sei denn, sie legen Wert auf die entsprechenden Schokoimitate - aber das ist ein anderes Thema. Bis in einem Monat!