Von Amt(sarzt) wegen - eine Podcast-Reihe des Gesundheitsamtes des Rhein-Kreises Neuss März 2011 DRINK DOCH EENE MET Liebe gesundheitsbewusste Bürgerinnen und Bürger aus dem Rhein-Kreis Neuss, schön, dass Sie wieder Interesse an einem Gesundheitsthema aus dem Rhein-Kreis Neuss zeigen. Schon die alten Ägypter kannten vor Tausenden von Jahren v. C. alkoholische Getränke. Oder nein, diese historische Einleitung verleitet vielleicht eher zum Ausstieg aus diesem Beitrag. Was halten Sie hiervon: Statistische Angaben führen uns vor Augen, dass jeder Deutsche jährlich 10 Liter reinen Alkohols trinkt. Etwa 73.000 Todesfälle resultieren daraus als Krebserkrankung, Entzündung der Leber und Bauchspeicheldrüse, Bluthochdruck und Nervenschädigung. Zu nüchterne Betrachtung eines gar nicht nüchternen Themas – da haben Sie wahrscheinlich recht. Also - dann beginne ich einmal so: Was bezeichnet Herbert Grönemeyer als Fallschirm und Rettungsboot, hat den englischen Starfußballer Georg Best ins „Abseits“ befördert und wird von Udo Lindenberg als Malmaterial und Gurgelhilfe genutzt ? Richtig darum geht es heute: Alkohol – und zwar in Gerstensaft, Alkopops, Hochprozentigem wie auch immer man es bezeichnen will. Aber auch bei diesem Genussmittel steckt in der Dosis das Gift – so hat es Paracelsus – der gelehrige Arzt und Alchemist aus dem Mittelalter - einmal formuliert. Nichts also gegen das Glas Sekt zur Begrüßung beim Empfang, ein „Pilsken“, das zum geselligen Beisammensein gehört, oder ein Glas Rotwein bei einem romantischen Abend – sofern Sie nicht aus besonderen Gründen jeglichen Alkohol meiden müssen. Ein so konsumiertes Getränk trägt dem freundlichen und zugewandten Miteinander Rechnung. Dies drückt seit Jahren auch ein Lied der hiesigen Region aus; „Drink doch eene met“, der erste Erfolg der Köner Mundart-Truppe Bläck Fööss, weist das Mittrinken mehr als sozialverträglich aus. In geringen Mengen kann Alkohol sogar gesundheitsfördernd wirken: Substanzen im Rotwein wie die Polyphenole schützen die Herzkranzgefäße offensichtlich vor Entzündungen und Verschlüssen. Und trotzdem gilt es, den Alkohol nicht zu verharmlosen. Die Londoner Pop-Band Kinks haben einen ihrer Klassiker „Dämon Alkohol“ getauft. Es ist überliefert, dass sie genau wussten, wovon sie sangen. Rund 2 Millionen Alkoholabhängige gibt es in Deutschland. Alleine 160.000 Jugendliche sind gefährdet. Bei Jugendlichen tritt eine neue Entwicklung in den Vordergrund, die vor allem die 10- 20-Jährigen betrifft. Das Komasaufen oder Binge-Drinking, womit ein exzessiver Genuss von Alkohol zu verstehen ist. Alleine 26.000 Jugendliche mussten deshalb 2009 bundesweit stationär aufgenommen werden – davon 6500 in NRW. Im Sommer letzten Jahres zeigte eine große, in 11 Schulen und an 1200 Jugendlichen, vorgenommene Befragung im Rhein-Kreis Neuss, dass auch die hiesige Region von diesem Trend leider nicht verschont wird. So hatten 43 % aller Jugendlichen innerhalb des letzten Monats immerhin mehr als 5 Gläser Alkohol anlässlich einer Feier zu sich genommen. Schön, dass im Rhein-Kreis Neuss daher der verstärkte Einsatz des sogenannten Preventmobils, eines Fahrzeugs bzw. Konzeptes der Caritas, das mit Mitteln des Kreises Jugendlichen auf anschauliche Art und Weise einen vernünftigen Umgang mit Alkohol vermittelt, zum Zuge kommt. Bei allen Suchtproblemen stehen natürlich Ärzte, stationäre und ambulante Einrichtungen, Beratungsstellen sowie der Sozialpsychiatrische Dienst des Gesundheitsamtes Hilfesuchenden jederzeit zur Seite. In anderen Ländern neigt man auch schon einmal zur Bagatellisierung der Trinkgewohnheit: Heinrich Böll erzählt eine nette Geschichte über ein irisches Lokal, das je näher die Sperrstunde rückt desto mehr Gäste aufnehmen muss. Alle befürchten letztlich, die nächsten Stunden ohne Bier auskommen zu müssen. Aus diesem Grunde betrinkt man sich sozusagen vorsorglich. In Mikeal Niemis Bestseller „Populärmusik aus Vittula“ führt die Alkoholaffinität der Bevölkerung im Norden Schwedens zu einem eigengesetzlichen Verlauf einer Hochzeitsfeier und Beerdigung. Während die Gäste der Trauung in der Sauna Trost und Aus/Ernüchterung erfahren, kommt es nach dem Sterbefall unter den Gästen zu getränkeinduzierten handfesten Erbstreitigkeiten. Am nächsten Morgen fällt in der nächstgelegenen Krankenstation auf, dass eine Vielzahl an Personen, die ausgerutscht waren und sich dabei verletzt hatten, behandelt werden musste. Außerdem waren Isolierband und Kontaktkleber zur Reparatur von Brillen und Gebissen plötzlich sehr gefragt. Völlig unabhängig davon leite ich nun über zur kommenden bzw. abgelaufenen Karnevalszeit. Auch sie ist ja häufig mit Alkoholkonsum verbunden. Dieser kann durch eine fettreiche Vorabmahlzeit und Mineralwasser als Zwischengetränk abgemildert werden. Ein Kater verlangt nach einer Bouillon, Rollmops, sauren Gurken und frischer Luft. Doch übrigens: Spaß und Freud gelingen auch ohne Bier, Wein und Schnaps. Versuchen Sie es doch einmal!